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Obama erlaubte Schüsse auf pakistanische Soldaten

Die USA waren zu allem bereit, um Bin Laden zu erwischen. Selbst das Risiko einer direkten militärischen Konfrontation mit Pakistan ging man ein. Ein Geheimabkommen hat diese Gefahr aber offenbar minimiert.

War zu allem bereit: Die oberste Führung der USA im Situation Room im Weissen Haus während der Kommandoaktion gegen Bin Laden, 1. Mai 2011.
War zu allem bereit: Die oberste Führung der USA im Situation Room im Weissen Haus während der Kommandoaktion gegen Bin Laden, 1. Mai 2011.
Reuters

Die US-Kommandoaktion gegen Osama Bin Laden barg viele unkalkulierbare Risiken. Eine der grössten Sorgen des US-Präsidenten war die Sicherheit der Navy Seals. Aus diesem Grund wurde rund zehn Tage vor der Operation über eine mögliche Reaktion bei einem Eingriff durch pakistanische Soldaten beraten. Obama forderte genug Einsatztruppen, damit sich die Navy Seals im Notfall zurückziehen könnten.

«Die Anweisung war, jegliche Konfrontation zu vermeiden», zitiert die «New York Times» einen Offiziellen aus dem Weissen Haus. «Wäre es aber zu einer Auseinandersetzung gekommen, hätten unsere Leute die Erlaubnis gehabt, das Feuer, falls nötig, zu erwidern.» Aus diesem Entschluss heraus wurden vier anstatt ursprünglich zwei Helikopter mit zusätzlichen Soldaten eingesetzt. US-Generalstabschef Mike Mullen wäre ausserdem bei einem Feuergefecht die Aufgabe zugekommen, die pakistanischen Militärs telefonisch zum Rückzug zu bitten.

Die harsche Reaktion Pakistans

Die Anordnung Obamas zeigt, wie weit die USA bereit zu gehen waren, um Bin Laden dingfest zu machen. Ein Feuergefecht wäre Sprengstoff für die Beziehungen zwischen den beiden alliierten Ländern gewesen. «Jeglicher Angriff auf strategische Anlagen Pakistans wird eine unmissverständliche Antwort zur Folge haben», machte der pakistanische Premierministers Yousuf Raza Gilani diese Woche als Reaktion auf die US-Kommandoaktion klar. Auch der ehemalige pakistanische Präsident Pervez Musharraf, der heute aus seinem Exil in London eine Oppositionspartei anführt, bezeichnete die Bin-Laden-Operation als «einen Angriff auf die Souveränität seines Landes».

Einen ehemaligen US-Offiziellen überraschen diese harschen Worte derweil kein bisschen. Die Reaktion Pakistans beruhe auf einem fast zehn Jahre alten Geheimabkommen, wie der «Guardian» berichtet. Demnach hatte der damalige Präsident Pervez Musharraf dem damaligen US-Präsidenten George W. Bush erlaubt, Osama Bin Laden auch auf pakistanischem Boden unilateral jagen zu dürfen. Pakistan würde in der Folge öffentlich gegen eine entsprechende Aktion protestieren, die Angelegenheit aber später ruhen lassen, so die Absprache.

Im Einklang mit anderem Abkommen

Ein weiterer pakistanischer Offizieller bestätigt dieses Geheimabkommen gegenüber dem «Guardian». Selbst nachdem Musharraf 2008 die Macht abgegeben hatte, sei die Vereinbarung durch die Armee von neuem bestätigt worden. «In diesem Sinne haben unsere amerikanischen Freunde nur das Abkommen in die Tat umgesetzt.»

Der Geheimdeal würde zudem in Einklang mit einer weiteren Vereinbarung stehen, wonach Pakistan US-Drohnenangriffe in der Grenzregion zu Afghanistan seit langem stillschweigend gutheissen würde. «Mir ist es egal, ob die USA dies machen, solange sie die richtigen Leute erwischen. Wir werden im Parlament protestieren und dann die Sache ignorieren», soll Gilani laut einer von Wikileaks veröffentlichten Depesche einem US-Offiziellen im August 2008 gesagt haben.

Offiziell will Islamabad heute nichts mehr von diesen Vereinbarungen wissen. «Es wurden keine solche Abkommen während der Präsidentschaft von Pervez Musharraf geschlossen», erklärte ein Pressesprecher des aktuellen Premierministers Gilani dem «Independent».

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