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Ohne Kim Jong Il droht das Chaos

Neue Spekulationen um die Gesundheit von Kim Jong Il: Der Diktator hat sich auch am heutigen Erntedankfest nicht gezeigt. Nun könnte ein politisches Vakuum entstehen.

Der «Geliebte Führer»: Nordkoreas Diktator Kim Jong-il (rechts) mit seinem 1994 verstorbenen Vater Kim Il-sung, dem «Grossen Führer».
Der «Geliebte Führer»: Nordkoreas Diktator Kim Jong-il (rechts) mit seinem 1994 verstorbenen Vater Kim Il-sung, dem «Grossen Führer».
Keystone
Gigantismus und Personenkult: Kim Il-sung-Figur in Pyongyang, am 8. Juli 2008, seinem 14. Todestag. Kim Il-sung wurde 92 Jahre alt.
Gigantismus und Personenkult: Kim Il-sung-Figur in Pyongyang, am 8. Juli 2008, seinem 14. Todestag. Kim Il-sung wurde 92 Jahre alt.
Keystone
Im schwerbewaffneten Gleichschritt nationale Potenz demonstrieren: Parade auf dem Kim Il-sung Square am 9. September 2008 in Pyongyang.
Im schwerbewaffneten Gleichschritt nationale Potenz demonstrieren: Parade auf dem Kim Il-sung Square am 9. September 2008 in Pyongyang.
Keystone
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Bei vielen Südkoreanern wecken die neuen Spekulationen die Hoffnung auf eine Wiedervereinigung ihres Landes und ein Wiedersehen mit Freunden und Verwandten, die auf der anderen Seite des Eisernen Vorhangs leben.

«Ich habe vor Freude in die Hände geklatscht, als ich in den Nachrichten von Kims schlechter Gesundheit erfahren habe», sagt der 75-jährige Jung Haw Ja, der in Nordkorea geboren wurde und jetzt im Süden des geteilten Landes lebt. «Ich hoffe, dass Kim Jong Il bald stirbt und ich in meine Heimatstadt zurückkehren kann.»

Politisches Vakuum droht

Nicht alle sehen einem möglichen Ableben Kims derart optimistisch entgegen. Die Aussicht auf ein politisches Vakuum oder gar eine Implosion des verarmten kommunistischen Staates treibt manchen politischen Beobachtern die Sorgenfalten ins Gesicht.

«Wenn Kim Jong Il verschwindet, besteht die grosse Gefahr, dass das ganze Regime kollabiert», schrieb dieser Tage das konservative südkoreanische Massenblatt «Chosun Ilba» in einem Kommentar. «Falls das passiert, ist es schwer vorauszusagen, was Nordkoreas 1,17 Millionen Soldaten starkes Militär, das mit atomaren, chemischen und biologischen Waffen ausgerüstet ist, als nächstes tut.»

Säbelrasseln in schwieriger Situation

Die Hauptsorge gilt dem nordkoreanischen Atompotenzial. So hat das Land kürzlich damit begonnen, seine abgeschaltete Atomanlage in Yongbyon wieder in Betrieb zu nehmen. Pjöngjang ist wütend, dass die USA Nordkorea nicht wie versprochen von der Liste der den Terrorismus unterstützenden Staaten genommen haben.

Unruhen und neues Säbelrasseln der Streitkräfte seien wahrscheinlich, wenn Kim längere Zeit ausfällt, erklärte Kim Yeon Su, Nordkorea-Experte an der Nationalen Verteidigungsuniversität in Südkorea. «Der Norden hat oft einen harten Kurs eingeschlagen, wenn er in einer schwierigen Situation war.»

Atomprogramm macht Sorgen

Das nordkoreanische Atomprogramm liegt zwar seit Jahren im Zentrum der internationalen Aufmerksamkeit, ist aber nicht der einzige Punkt, der im Ausland Sorgen hervorruft: Auch das Raketenprogramm wird von Nachbarn wie Japan ebenso wie von den USA mit Argwohn betrachtet. In aller Ruhe hat Nordkorea in den vergangenen Jahren eine Abschussbasis für Interkontinentalraketen gebaut. Sie ist nach Einschätzung von Rüstungsexperten zwar noch nicht ganz fertig, seit 2006 aber bedingt einsatzfähig.

Die Basis stellt im nordkoreanischen Raketenprogramm einen wichtigen Fortschritt dar, wie der Rüstungsexperte John Pike von GlobalSecurity.org erklärt: «Das deutet darauf hin, dass sie die Absicht haben, eine Rakete zu perfektionieren, die die Fähigkeit hat, Atombomben bis zu den USA zu bringen.»

AP/bru

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