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Pakistan lässt Ex-Militärchef der Taliban frei

Nach drei Jahren Haft kommt Abdul Ghani Baradar frei. Der frühere Kämpfer der Mujahedin gilt als Schlüsselfigur für mögliche Friedensverhandlungen.

Die pakistanischen Behörden haben den früheren Vizechef der afghanischen Taliban, Abdul Ghani Baradar, freigelassen. Die vom Innenministerium in Islamabad verkündete Freilassung nährte Hoffnungen auf einen möglichen Durchbruch bei den Friedensverhandlungen in Afghanistan.

Der vom afghanischen Präsidenten Hamid Karzai eingesetzte Hohe Friedensrat begrüsste die Freilassung. Ein Mitglied des Hohen Friedensrats dankte der pakistanischen Regierung, die mit der Freilassung einer Bitte der afghanischen Seite entsprochen habe.

Möglicherweise Schlüsselfigur

Baradar sei stets an Friedensverhandlungen interessiert gewesen und es sei zu hoffen, dass er bald an solchen Verhandlungen teilnehmen werde, sagte Mohammed Ismail Kasimjar der Nachrichtenagentur AFP. «Wir sind optimistisch, er ist nach wie vor eine einflussreiche Persönlichkeit, und die Taliban respektieren ihn immer noch.»

Baradar war der ranghöchste in Pakistan inhaftierte Taliban. Baradar hatte mit den Mujahedin gegen die sowjetische Besatzung gekämpft und diente später im Talibanregime, mutmasslich als Militärchef und stellvertretender Anführer. Im Jahr 2010 wurde Baradar festgenommen. Afghanistan warf Pakistan seinerzeit vor, mit der Festnahme mögliche Friedensgespräche zwischen der vom Westen unterstützten Karsai-Regierung und den Taliban torpedieren zu wollen. Kabul und Islamabad geben sich immer wieder gegenseitig eine Mitschuld an islamistischen Gewalttaten.

Mehr als 30 Taliban freigelassen

Die afghanische Regierung strebt Friedensverhandlungen mit den Taliban an und hofft, dass die Freilassung inhaftierter Kämpfer diese erleichtern kann. Beobachter bezweifeln aber, dass die Rechnung aufgeht. In jüngster Zeit liess Pakistan bereits mehr als 30 afghanische Taliban frei, von denen sich einige wieder am bewaffneten Kampf gegen die afghanische Regierung beteiligen sollen.

Wohin Baradar nach seiner Freilassung gehen wird, war zunächst unklar. Möglicherweise werde er sich in die Türkei oder nach Saudiarabien absetzen, hiess es. Eine Taliban-Quelle sagte AFP, wahrscheinlichstes Ziel sei die pakistanische Hafenstadt Karachi, wo auch Baradars Familie lebt. Baradars Einfluss bei den Taliban sei nach so langer Zeit in Haft nicht mehr gross.

Die Taliban hatten im Juni in Katars Hauptstadt Doha ein Verbindungsbüro eröffnet, um Verhandlungen mit der US-Regierung aufzunehmen. Dabei verwendeten die Taliban die Bezeichnung «Islamisches Emirat Afghanistan», den Namen des Staats während ihrer Herrschaft von 1996 bis 2001, und hissten ihre damalige Flagge. Das erboste Karzai so sehr, dass bereits anberaumte Gespräche seiner Regierung mit US-Gesandten wieder abgesagt wurden.

AFP/mw

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