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Peking schafft den Nährboden für neue Gewalt

In seiner totalitären Kontrollwut bestraft das chinesische Regime die Uiguren dafür, dass sie Muslime sind.

MeinungKai Strittmatter
Die Uiguren sollen aufgehen in ihrer Liebe zur Kommunistischen Partei, in ihrer Liebe zu Xi Jinping. So wünscht es das Regime. Eine uigurischer Arbeiter zieht einen Handkarren (Archivbild). Foto: Andrew Wong (Reuters)
Die Uiguren sollen aufgehen in ihrer Liebe zur Kommunistischen Partei, in ihrer Liebe zu Xi Jinping. So wünscht es das Regime. Eine uigurischer Arbeiter zieht einen Handkarren (Archivbild). Foto: Andrew Wong (Reuters)

Dass China in der Provinz Xinjiang im Verlauf von nur ein, zwei Jahren den grössten Lagerstaat der Welt eingerichtet hat, hatte die Veröffentlichung der China Cables Ende des vergangenen Jahres endgültig bewiesen.

Die nun zum Vorschein gekommene sogenannte Karakax-Liste zeigt, welch banale Dinge genügen, um für ein Jahr in einem dieser Lager zu verschwinden, wenn man nur Uigure ist: ein zu langer Bart, eine zu kurze Hose, die Beantragung eines Reisepasses, eine Reise zu weit weg von der Heimatregion, ein Telefonat mit einem Verwandten im Ausland.

Das ist irre. Hier handelt der totalitäre Staat in seiner masslosen Kontrollwut. Hier werden Dinge bestraft, die anderswo in China normal sind. Die einzige Schuld der Handelnden ist die, dass sie Uiguren und Muslime sind.

Die Wut über die Diskriminierung und all der Frust, das wird bei vielen Uiguren wohl zur völligen innerlichen Abkehr vom chinesischen Staat führen.

In den Lagern dann ist das Ziel wie einst in der Kulturrevolution: Gedankenreform. Man müsse «die Gehirne waschen und die Herzen reinigen, das Rechte fördern und das Böse ausmerzen», heisst es in einem früheren Regierungsdokument.

Die Uiguren sollen allem abschwören, was nach Religion schmeckt oder nach ihrer eigenen Kultur. Sie sollen aufgehen in ihrer Liebe zur Kommunistischen Partei, zum grossen Führer Xi Jinping und zum Vaterland China.

Am Ende wird das nicht funktionieren. Verfolgt werden heute selbst Uiguren, die bislang Musterbürger dieses Staates waren, die intellektuelle und kulturelle Elite vor allem. Sie werden daraus lernen, dass sie diesem Staat nie genügen können, wie sehr sie sich auch unterordnen. Sie werden immer Bürger zweiter Klasse bleiben, Bewohner eines Staates, der in seiner ethnisch-religiösen Diskriminierung ein eigenes Apartheid-Regime geschaffen hat. All die Wut, all der Frust, das wird bei vielen Uiguren wohl zur völligen innerlichen Abkehr vom chinesischen Staat führen.

So schafft das Regime jedenfalls nicht die «soziale Stabilität», die Pekings Propaganda so sehr beschwört, sondern am Ende vielleicht den Nähr-boden für neue Gewalt.

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