Hongkong: Mann wird angezündet, Demonstrant angeschossen

Die Demonstrationen haben am Montagmorgen eine neue Stufe der Gewalt erreicht. Die Polizei schoss auf mehrere Demonstranten.

Schwere Gewalt in Hongkong: Ein Polizist schoss einem vermummten Demonstranten in die Brust. (11. November 2019) Video: Facebook

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Fünf Monate nach Ausbruch der Anti-Regierungsproteste in Hongkong nimmt die Gewalt kein Ende. Im Gegenteil. Am Montagmorgen hat sie eine neue Stufe erreicht: Ein Polizist schoss mehrmals mit scharfer Munition auf Demonstranten.

Wie die Live-Übertragung der Szene auf Facebook zeigt, zieht der Beamte seine Waffe und versucht einen vermummten Mann festzunehmen. Ein anderer Vermummter nähert sich, der Polizist schiesst ihm in die Brust. Sekunden später gibt der Polizist zwei weitere Schüsse ab.

Die letzten Schüsse haben niemanden getroffen, wie die Polizei mitteilt. Sie bestätigte dabei die Schussabgabe. Der angeschossene Demonstrant sei ausser Lebensgefahr, befindet sich nach Angaben der Krankenhaus-Behörde in einem kritischen Zustand. Er ist bereits der dritte Demonstrant, der durch Schüsse bei den Protesten verletzt wurde.

Mann kritisiert Demonstranten – und wird angezündet

Die Szene spielte sich an einer der blockierten Strasse in Hongkong ab. Mit ihren Blockade-Aktionen am Montag wollten die Demonstranten zunächst an den Tod eines Studenten erinnern. Der 22-Jährige war am Freitag an den Folgen seiner schweren Verletzungen gestorben, nachdem er vergangene Woche am Rande von Protesten von einem Parkhaus gestürzt war. Durch die Schüsse der Polizei schaukelte sich die Lage dann weiter hoch.

In der ganzen Stadt entluden sich Proteste in Gewalt, radikale Demonstranten blockierten Strassen, legten Feuer und warfen Pflastersteine. Die Polizei setzte Gummigeschosse und Tränengas ein. Die Polizei bestätigte zudem, dass Beamte auch an zwei weiteren Orten in der Stadt am Montag ihre Dienstwaffen gezogen hätten. Verantwortlich dafür seien die illegalen Taten der «Randalierer» gewesen.

Joshua Wong, eines der bekanntesten Gesichter der Demokratie-Bewegung, forderte ein Ende der Polizeigewalt. «Nicht wir haben die Gewalt eskaliert, sondern die einzige Seite, die eskaliert, ist die Polizei», sagte Wong der britischen BBC. «Aus Hongkong wird in einen Polizeistaat gemacht.»

Brutale Szene: Der Mann wird mit einer brennbaren Flüssigkeit bespritzt und dann angezündet. Quelle: Twitter via @DanielDumbrill

Aufgetaucht ist auch ein Video, das zeigt, wie ein Mann angezündet wird. Wie CNN berichtet, hat der Mann mehrere Demonstranten konfrontiert und sie beschimpft, dass sie «alle keine Chinesen» seien. Der Mann nähert sich dabei der Gruppe, dann spritzt ihn eine Person mit einer Flüssigkeit an und zündet ihn an. Wie die brutalen Aufnahmen zeigen, läuft der Mann brennend davon.

Quelle: Twitter via @DanielDumbrill

Was danach mit ihm geschieht, ist unklar. Die Szenen haben sich ebenfalls am Montag abgespielt, wie auch die «South China Morning Post» berichtet. Die Hongkonger Polizei untersucht demnach den Fall. Das Opfer sei in kritischem Zustand im Spital.

Regierungschefin Carrie Lam nannte die Aktionen der Protestierenden «extrem egotistisch». Sie wies Forderungen zurück, die Schulen am Dienstag wegen der neuen Proteste geschlossen zu halten. Die Regierung würde in die Falle der Demonstranten tappen, wenn sie tägliche Aktivitäten einstellt.

Hongkongs Regierung muss sich an seine Verpflichtungen halten

Auch die USA zeigen sich angesichts der eskalierenden Gewalt bei Protesten in Hongkong besorgt. Washington hat die Regierung, die Demonstranten und die übrigen Bürger eindringlich zum Dialog aufgerufen.

«Die Vereinigten Staaten beobachten die Situation in Hongkong mit erheblicher Sorge», erklärte die Sprecherin des US-Aussenministeriums, Morgan Ortagus, am Montagabend. «Wir verurteilen Gewalt auf allen Seiten, sprechen den Opfern von Gewalt ungeachtet ihrer politischen Neigung unser Mitgefühl aus und rufen alle Parteien - die Polizei und Demonstranten - auf, sich in Zurückhaltung zu üben.»

Die Regierung müsse Anstrengungen unternehmen, die Sorgen auszuräumen, die den Protesten zugrunde liegen, erklärte Ortagus. Sie rief zudem die Führung in Peking auf, sich an Verpflichtungen zu halten: Dass Hongkong ein hohes Mass an Autonomie gewährt werde und die Menschen Meinungsfreiheit und die Freiheit der friedlichen Versammlung geniessen könnten.

Die jüngste Protestwelle in Hongkong hatte sich nach dem Tod eines Demonstranten in der vergangenen Woche entladen. Der 22-Jährige Student war am Rande von Protesten von einem Parkhaus gestürzt. Auch am Wochenende war es erneut zu Ausschreitungen gekommen. (red/sda)

Erstellt: 11.11.2019, 07:32 Uhr

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