Prestigereicher Kampf um Elfenbein

China verspricht, gegen den legalen Elfenbeinhandel vorzugehen. Dabei geht es vor allem um Imagepflege.

70 Prozent des gehandelten Elfenbeins gehen nach China. Foto: Reuters

70 Prozent des gehandelten Elfenbeins gehen nach China. Foto: Reuters

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China. China. China. Drei Antworten auf die Frage, wo all das Elfenbein hingeht. Fast wöchentlich erreichen uns Meldungen über gewaltige Ladungen des begehrten Stoffes – gerade Anfang dieser Woche wurden wieder gut zwei Tonnen Elefantenstosszähne in Vietnam beschlagnahmt. Wahrscheinlich waren auch sie auf dem Weg nach China, denn geschätzte 70 Prozent des weltweit gehandelten Elfenbeins landen im Reich der Mitte. Das war nicht immer so.

Noch in den 80er-Jahren waren die drei Topkäufer: Japaner, Europäer, US-Amerikaner. Aber nach einem Handelsverbot der Konvention für den Internationalen Handel bedrohter Arten Cites 1990 brachen diese Märkte zusammen. Im Wirtschaftswunderland China wuchs derweil eine neue Mittelschicht heran, die nach Statussymbolen verlangte und sich oft an jene Dinge hielt, die früher der eigenen Aristokratie vorbehalten waren. Elfenbein gehörte dazu. 2008 war ein schlechtes Jahr für Afrikas Elefanten: In dem Jahr erlaubte Cites den Verkauf von 62 Tonnen Elfenbein nach China – in der Folge dieser Aktion explodierte dort in den nächsten Jahren die Nachfrage.

Und heute ist es so: «Der Schlüssel zur Zukunft der Elefanten liegt in den Händen Chinas», heisst es in einem Bericht der Stiftung Save the Elephants. «Wenn Chinas Führung der Nachfrage kein Ende setzt, könnten Afrikas Elefanten innerhalb von einer Generation aus der Wildnis verschwinden.» 470'000 bis 690'000 Elefanten leben heute noch in Afrika – Wilderer schlachteten allein in den drei Jahren vor 2014 mehr als 100'000 ab.

Bewusstsein ist erwacht

Die gute Nachricht zuerst: Es geschieht etwas. Das Bewusstsein für das Schicksal der Elefanten ist erwacht in China. Prominente wie der Basketballstar Yao Ming mahnen, kein Elfenbein mehr zu kaufen. Die Regierung hat versprochen zu handeln. Früher beschlagnahmte und verbrannte sie zwar regelmässig Ladungen von Elfenbein, aber das war kaum mehr als PR: Die gleichzeitig rasant steigenden Zahlen der Elfenbeinverkäufe im Land zeigten ihre Hilflosigkeit oder aber ihren Unwillen, effektive Massnahmen zu ergreifen.

Das eigene Image in der Welt wird China nun aber immer wichtiger. Chinesen stehen weltweit zu Recht im Ruf, in ihrer Eigenschaft als Sammler (Elfenbein), abergläubische Patienten (Rhinozeroshorn, Tigerpenis) oder Gourmets (Pangolin) die grösste Bedrohung für zahlreiche gefährdete Tierarten zu sein. Ende Mai also verkündete mit dem Chef der Waldbehörde erstmals ein chinesischer Minister, dass das Land vorhabe, auch dem legalen Handel mit Elfenbeinprodukten ein Ende zu setzen.

Legal oft gleich illegal

Dabei ist Eile geboten. Die Zahlen sind alarmierend, wie zuletzt die Recherche der Stiftungen Save the Elephants und The Aspinell zeigten. Die Nachfrage hat so stark zugenommen, dass die Preise für rohes Elfenbein in China sich in den Jahren 2010 bis 2014 vervierfacht haben. Im Jahr 2004 hatte es in China 9 Fabriken und 31 Läden für die Verarbeitung und den Verkauf von Elfenbein mit staatlicher Lizenz gegeben, zehn Jahre später waren es 37 lizenzierte ­Fabriken und 145 Läden. Aber ­allein in Shanghai fanden die ­Rechercheure für jede legale Elfenbeinverkaufsstelle 8 illegale – und auch die Mehrzahl der offiziell registrierten Läden hatte neben legalem auch illegal erworbenes Elfenbein im Angebot. Das war eine zentrale Enthüllung des Ende 2014 vorgestellten Berichts: Der legale Elfenbeinhandel dient als Deckmantel für illegale Aktivitäten.

Eben deshalb ist es aus Sicht der Tierschützer unerlässlich, dass auch der legale Handel verboten wird, so wie China es im Mai versprochen hat. Neben viel Beifall konnte man aus den Reihen mancher Tierschutzorganisation allerdings auch eine gute Portion Skepsis nicht überhören: China muss sein Versprechen erst noch in die Tat umsetzen. Andere zweifeln zumindest nicht am Willen der Regierung. Vielleicht kein Zufall, dass die Ankündigung nur ein halbes Jahr nach Vorwürfen kam, die für Chinas Diplomatie besonders peinlich waren: Im November 2014 hatte die in London beheimatete Environmental Investigation Agency unter Berufung auf Elfenbeinhändler in Tansania von einer heiklen angeblichen Kooperation zwischen korrupten Beamten Tansanias mit chinesischen Diplomaten berichtet. Dem Bericht zufolge sollen beim Staatsbesuch von Präsident Xi Jinping in Tansania einige chinesische Diplomaten heimlich Tausende Pfund Elfenbein gekauft und «im Diplomatengepäck in die Präsidentenmaschine» geschafft haben. Chinas Aussenministerium bestritt die Vorwürfe umgehend.

Hilfe für Zimbabwe

Peking sieht aber, dass es Zeit ist, in sein Image zu investieren: Anfang Monat erst spendete das Land Jeeps und Equipment für zwei Millionen US-Dollar für den «Kampf gegen Wilderei» in Zimbabwe. Vielleicht ist das Timing auch hier kein Zufall: Die Spende kommt kurz nach dem weltweiten Aufruhr um den Tod des Löwen Cecil, den ein amerikanischer Zahnarzt in Zimbabwe erlegt hatte. Jetzt darf China mal der Gute sein.

Erstellt: 27.08.2015, 23:02 Uhr

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