Pyongyang hält Wort: Atomtestgelände wird abgebaut

Einige Einrichtungen auf dem nordkoreanischen Testgelände Punggye-ri wurden laut US-Experten abgerissen.

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Die Führung in Pyongyang hält Wort: Nordkorea hat vor dem historischen Gipfeltreffen von Machthaber Kim Jong-un und US-Präsident Donald Trump mit dem versprochenen Abbau seines Atomtestgeländes begonnen. Dies belegen Satellitenaufnahmen.

Einige wichtige Einrichtungen an den Eingängen des weitläufigen Testgeländes Punggye-ri im Nordosten des Landes seien abgerissen worden, berichteten Fachleute der auf Nordkorea spezialisierten Nachrichtenseite «38 North» des US-Korea-Instituts. Im Atomtestkomplex seien mittlerweile Gleise zu den Tunneln beseitigt worden, berichtete «38 North». Bilder kommerzieller Satelliten «lieferten den ersten definitiven Beweis, dass der Abbau bereits vorangekommen ist».

Das Testgelände ist nach Einschätzung chinesischer Geologen durch frühere unterirdische Atomtests beschädigt und zurzeit unbrauchbar. Die Experten von «38 North»? hatten Ende April hingegen geschrieben, die Anlage sei nach wie vor für Atomtests geeignet.

Sanktionen nach Atomtests

In Punggye-ri hatte Nordkorea seine sechs Atomtests durchgeführt, den bisher letzten im September 2017. Der Uno-Sicherheitsrat hatte daraufhin die Sanktionen gegen das abgeschottete Land verschärft.

Kim hatte sich bei seinem Treffen mit dem südkoreanischen Präsidenten Moon Jae In am 27. April bereit erklärt, das Atomprogramm seines Landes abzubauen. Wie und bis wann die «komplette Denuklearisierung» erreicht werden soll, blieb unklar - ebenso, welche Gegenleistungen Nordkorea erwartet.

Nordkorea hatte am Wochenende angekündigt, die Testanlage zwischen dem 23. und dem 25. Mai zu sprengen. Die Führung in Pyongyang will damit unter anderem demonstrieren, dass es das Land mit seinen Ankündigungen ernst meint und verhandlungsbereit ist.

Weiteres Treffen am Mittwoch

Am Dienstag einigten sich Nordkorea und Südkorea auf hochrangige Gespräche. Beim Treffen am Mittwoch im Grenzort Panmunjom wolle Südkorea versuchen, «die Grundlage für eine nachhaltige Entwicklung und einen dauerhaften Frieden zu schaffen», teilte das Vereinigungsministerium in Seoul mit.

Vereinigungsminister Cho Myoung Gyeon werde die südkoreanische Delegation leiten. Nordkorea schickt demnach eine Abordnung mit Vertretern des für innerkoreanische Angelegenheiten zuständigen Komitees sowie hohe Sport- und Wirtschaftsfunktionäre.

Beide Staaten erklärten sich bei ihrem Gipfel dazu bereit, auf alle Feindseligkeiten zu verzichten und eine neue Friedensordnung für die koreanische Halbinsel anzustreben. Zudem sollen humanitäre Projekte, etwa direkte Kontakte zwischen getrennten Familien, wieder aufgenommen und der Austausch und die Zusammenarbeit in verschiedenen Bereichen verstärkt werden.

Für Verbot von Atomwaffentests

Nordkorea will sich nach eigenen Angaben zudem für ein umfassendes Verbot von Atomwaffentests einsetzen. Die Demokratische Volksrepublik Nordkorea werde sich «den internationalen Bemühungen um ein vollständiges Verbot von Atomversuchen anschliessen», sagte der nordkoreanische Botschafter bei der Uno-Abrüstungskonferenz, Han Tae Song, am Dienstag in Genf. Bislang hat Nordkorea den 1996 verabschiedeten Atomteststoppvertrag nicht unterzeichnet.

Der von der Uno-Abrüstungskonferenz ausgehandelte Vertrag wurde bisher von 183 Staaten unterzeichnet und von 166 auch ratifiziert, darunter die Atommächte Russland, Frankreich und Grossbritannien. Damit er in Kraft treten kann, müssen ihn aber 44 namentlich aufgeführte Länder ratifizieren, die über Nukleartechnologie verfügen. Zu den acht noch fehlenden Staaten gehören neben Nordkorea auch die USA, China und der Iran. (oli/sda)

Erstellt: 15.05.2018, 19:21 Uhr

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