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Rebellen in Tadschikistan drohen mit Staudamm-Sprengung

In Tadschikistan hat ein Konflikt um den Drogen- und Tabakschmuggel letzte Woche blutig geendet. Die Islamisten sind seither nicht bereit, ihre Waffen abzugeben und drohen damit, eine Überschwemmung auszulösen.

Der Konflikt forderte knapp 50 Tote: Brennendes Haus in der Stadt Chorog.(24. Juli 2012)
Der Konflikt forderte knapp 50 Tote: Brennendes Haus in der Stadt Chorog.(24. Juli 2012)
Reuters

Fünf Tage nach dem Blutbad mit mehr als 40 Toten im Südosten Tadschikistans ist die Lage in dem mittelasiatischen Land weiter gespannt. Eine Vielzahl islamistischer Untergrundkämpfer in der Stadt Chorog im Pamirgebirge weigerten sich, ihre Waffen abzugeben. Sie liessen ein Ultimatum des autoritär regierenden Präsidenten Emomali Rachmon verstreichen, wie Behörden mitteilten. Der islamistische Rebellenführer Tolib Ajembekow warf Rachmons Truppen eine «ethnische Säuberung» unter den Pamir-Tadschiken vor.

Zwar teilten die Behörden heute mit, dass einzelne Rebellen doch ihre Waffen abgegeben hätten. Zugleich berichtete die oppositionsnahe Internetseite pamir-vesti.ru von Drohungen Bewaffneter, den Staudamm des grossen Sares-Sees zu sprengen. Die Wasserfluten würden weite Teile des Landes überschwemmen. Die Aufständischen forderten den Abzug der Regierungstruppen aus der autonomen Provinz Berg-Badachschan.

Frauen und Alte als Schutzschilder

Die Rebellen hätten die einzige Strasse in der unwegsamen Region an der Grenze zu Afghanistan verbarrikadiert, teilten die tadschikischen Behörden mit. Zwei illegale bewaffnete Banden seien von Soldaten und Geheimdienstkräften eingekesselt.

Die Männer nutzten demnach auch Frauen und ältere Menschen als Schutzschilde gegen Regierungstruppen, hiess es. Bei einem Militäreinsatz in dem Gebiet starben am Dienstag mindestens 48 Menschen, darunter 17 Angehörige der Sicherheitskräfte, 30 Rebellen und ein Zivilist.

Zuletzt war nach offiziellen Angaben von 42 Toten die Rede gewesen. Regierungsgegner werfen der autoritären Führung vor, das wahre Ausmass des Blutbads zu verschweigen. Demnach seien rund 200 Menschen bei dem Einsatz in der dünn besiedelten Bergregion getötet worden, darunter viele Zivilisten.

Destabilisierung der Region befürchtet

Die Lage in der Provinz war nach Meinung von Experten nach einem Konflikt um Drogen- und Tabakschmuggel eskaliert. Truppen des tadschikischen Militärs und des Geheimdienstes waren am Dienstag gegen bewaffnete Anhänger des Islamisten Ajembekow vorgegangen.

Die tadschikische Staatsanwaltschaft macht Ajembekow für die Ermordung des Geheimdienstgenerals Abdullo Nasarow verantwortlich, der am 21. Juli bei einem Attentat ums Leben gekommen war. Ajembekow wies dies in einer Stellungnahme zurück und forderte eine Aufklärung des Mordes.

Kommentatoren äusserten sich besorgt und sprachen von der Gefahr einer Destabilisierung der Lage in Mittelasien. Die tadschikischen Behörden stehen bei ihren Nachbarn wie Usbekistan und Kirgistan in der Kritik, die Grenzen zu Afghanistan nicht ausreichend zu sichern und so immer neue Fundamentalisten ins Land zu lassen.

SDA/rbi

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