Rohingya flüchten zu Hunderttausenden

«Grösste Massenfluchtbewegung seit Jahrzehnten»: Schon knapp 700'000 Angehörige der Rohingya sind von Burma nach Bangladesh migriert.

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Der Strom der Flüchtlinge aus Burma reisst nicht ab und stellt die Hilfsorganisationen vor schwierige Herausforderungen. Die UNO spricht bereits von der grössten Massenfluchtbewegung in der Region seit Jahrzehnten.

Seit Beginn der Unruhen in Burma Ende August sind bereits mehr als 500'000 Angehörige der muslimischen Minderheit der Rohingya ins benachbarte Bangladesh geflohen. «Das ist die grösste Massenfluchtbewegung in der Region seit Jahrzehnten», sagte der stellvertretende UNO-Sprecher Farhan Haq am Donnerstag. Rechne man die bereits früher Geflüchteten ein, lebten mittlerweile vermutlich deutlich mehr als 700'000 Rohingya in Bangladesh.

Ganze Dörfer niedergebrannt

Die meisten von ihnen kamen in behelfsmässigen Flüchtlingslagern im Grenzbezirk Cox's Bazar unter. Dorthin flüchteten sie, nachdem Ende August muslimische Aufständische eine Reihe von Polizeiposten attackiert hatten und das Militär mit harter Hand zurückgeschlagen hatte. Ganze Dörfer wurden niedergebrannt und auch Zivilisten getötet. Kritiker warfen der burmesische Regierung eine ethnische Säuberung vor. Die bestritt jedoch, dass sie für die Brandschatzungen verantwortlich war.

Haq sagte, Hilfsorganisationen würden mit der Regierung in Bangladesh zusammenarbeiten, um den Zugang zu den Flüchtlingslagern zu verbessern. Dieser wird unter anderem durch die schlechten Strassen erschwert. Auch die Lieferung von Hilfsgütern solle besser koordiniert werden.

Laufend neue Flüchtlinge

Haq beklagte aber, dass trotz des gigantischen Ausmasses dieser Flüchtlingskrise das nötige Geld fehle. Von den 77 Millionen Dollar, die die UNO Anfang September gefordert hatten, seien bisher weniger als die Hälfte angekommen. Und weil laufend neue Flüchtlinge dazukämen, müssten die anfänglichen Schätzungen noch einmal angehoben werden, sagte Haq.

Die US-Botschafterin an die Vereinten Nationen, Nikki Haley, warf Burma «eine brutale, anhaltende Kampagne zur Säuberung des Landes von einer ethnischen Minderheit» vor. Die Zeit der wohlwollenden Worte innerhalb des UNO-Sicherheitsrats seien vorbei, so Haley. Es müsse über Schritte gegen burmesische Sicherheitskräfte nachgedacht werden. Das Land müsse zudem den UNO-Hilfsorganisationen uneingeschränkt Zutritt gewähren. Chinas UNO-Vize-Botschafter verurteilte die jüngsten brutalen Attacken in Burma – es gebe für die Misere der Rohingya jedoch keine «schnelle Lösung», so Wu Haitao vor dem Weltsicherheitsrat.

Rohingyas werden seit Jahrzehnten verfolgt

UNO-Generalsekretär António Guterres, der ebenfalls von ethnischer Säuberung gesprochen hatte, rief in einem Brief die Mitglieder des Sicherheitsrates auf, aktiv zu werden, um die Gewalt gegen die Rohingya zu beenden. Diplomaten zufolge war es aber unwahrscheinlich, dass am Donnerstag eine Resolution zustande kommen würde.

Der Sicherheitsberater Burmas, U Thaung Tun, widersprach den Vorwürfen. Die Ursache der Krise im Staat Rakhine sei Terrorismus, nicht Religion. Es gebe keine ethnische Säuberung oder einen Genozid. Ein Grossteil der Menschen sei aus Angst vor Terrorismus nach Bangladesh geflohen.

Die Rohingya werden in Burma seit Jahrzehnten diskriminiert und verfolgt. Obwohl sie dort schon lange Zeit leben, wird ihnen unter anderem auch die Staatsbürgerschaft verweigert. Die Gewaltwelle hat auch dem Ruf von Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi geschadet, die seit 2016 als sogenannte Staatsrätin an der Spitze der Regierung Burmas steht. (chi/chk/AP)

Erstellt: 28.09.2017, 22:26 Uhr

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