Zum Hauptinhalt springen

Rote Khmer erstmals wegen Völkermordes verurteilt

In Kambodscha ist ein wichtiges Urteil gegen zwei zentrale Figuren der Roten Khmer gefallen.

Nuon Chea, 92, und Khieu Samphan, 87 Jahre alt, vor Gericht in Phnom Penh.
Nuon Chea, 92, und Khieu Samphan, 87 Jahre alt, vor Gericht in Phnom Penh.
AFP

Ein Sondertribunal in Kambodscha hat erstmals zwei Führer der Roten Khmer wegen Völkermordes verurteilt. Der einstige Chefideologe Nuon Chea («Bruder Nummer 2»), 92, und der damalige Staatschef des sogenannten «Demokratischen Kambodscha», Khieu Samphan, 87, erhalten damit zum zweiten Mal eine lebenslange Haftstrafe, schon 2014 hatten die Richter sie wegen Zwangsumsiedlungen und anderer Gräueltaten schuldig gesprochen.

Wegen der Schwere der Vorwürfe waren die Prozesse gegen die einstigen Rote-Khmer-Anführer in einzelne Verfahren aufgeteilt worden. Am Freitag verlas der Vorsitzende Richter Nil Nonn das Urteil im gefüllten Gerichtsaal in Phnom Penh, wo sich viele Überlebende versammelt hatten.

Die Terrorherrschaft der Roten Khmer zwischen 1975 und 1979 kostete etwa zwei Millionen Menschen das Leben. Viele kamen in Arbeitslagern oder Gefängnissen um, sie starben durch grausame Folter oder bei Hinrichtungen, andere an Hunger und Erschöpfung. Der als «Bruder Nummer 1» bekannte Machthaber Pol Pot entging einer Strafe durch die internationale Justiz. Er war bereits im Jahr 1998 gestorben.

Verbrechen gegen die Menschlichkeit, Kriegsverbrechen, Genozid

Das durch die Vereinten Nationen gestützte Gericht sah es nach langwierigen Verfahren als erwiesen an, dass die beiden Männer Verbrechen gegen die Menschlichkeit, Kriegsverbrechen und einen Genozid zu verantworten haben. Im Zuge der von Pol Pot und seinen Weggefährten angestrebten sozialistischen Revolution versklavten die Kader der kommunistischen Partei Millionen Kambodschaner und zwangen sie in unmenschliche Verhältnisse, oftmals hatten sie kaum noch Trinkwasser oder Nahrung. Die von den Herrschenden erstrebte Utopie einer autarken marxistischen Agrargesellschaft stürzte das ganze Land ins Verderben.

Die Verfolgung angeblicher Staatsfeinde trug stark paranoide Züge und zerstörte oftmals ganze Familien, das Land leidet bis heute unter den zerschlagenen sozialen Strukturen und dem kollektiven Trauma, das weitgehend unbewältigt geblieben ist.

Den Vorwurf des Völkermords stützte die Anklage vor allem auf verübte Verbrechen gegen die Ethnie der Vietnamesen und der Cham. Das Gericht, in dem kambodschanische und internationale Juristen zusammenarbeiteten, war nach langen Verzögerungen 2006 geschaffen worden und hat mehr als 300 Millionen Dollar gekostet. Es stiess auf erhebliche Widerstände der Regierung und konnte am Ende nicht mehr als drei Urteile fällen. Kritiker werten dies als Indiz für die Schwäche des Tribunals, das seiner grossen Aufgabe letztlich nicht gerecht geworden sei.

Youk Chhang, ein Überlebender der kambodschanischen «Killing Fields» und Leiter des «Documentation Center of Cambodia», nannte die Urteile immerhin «eine Anerkennung des schrecklichen Leids» der Opfer, ausserdem könnte der späte Schuldspruch vielleicht manchen helfen, einen Abschluss zu finden mit diesem grauenvollen Kapitel der kambodschanischen Geschichte.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch