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Russischer Staatsterror

Putins Agenten riskierten den Tod zahlloser Unschuldiger, um einen missliebigen Landsmann zu liquidieren.

Tatsächlich haben russische Agenten den Giftanschlag auf ihren Landsmann Sergei Skripal verübt: Das von Theresa May kühl verkündete Untersuchungsergebnis der britischen Sicherheitskräfte überrascht niemanden. Wirklich erschütternd ist der Bericht dagegen in seinen Details. Sie beschreiben, wie grob fahrlässig, leichtsinnig und rücksichtslos die beiden Geheimdienstler dabei auf britischem Boden vorgingen.

Sie brachten das hochgefährliche Nervengift Novitschok in einem Parfümfläschchen nach London. Schon in ihrem Hotel hinterliessen sie Spuren des aggressiven Stoffs und reisten damit im Zug zusammen mit Hunderten von anderen Fahrgästen nach Salisbury. (Ob sie dafür eigentlich nicht ein Auto hätten mieten können, fragt das «Wall Street Journal» sarkastisch, aber zu Recht.) Dann brachten sie den Kampfstoff an Skripals Türklinke an. Nach der Tat warfen sie den Parfümspray in eine Spendenbox – sodass es nicht nur wahrscheinlich, sondern praktisch sicher war, dass Unbeteiligte damit in Berührung kommen würden.

Liederlich in Kauf genommen

Das Resultat: Skripal und seine ­Tochter Julia verbrachten Wochen in Lebensgefahr, ebenso einer der ­Polizeibeamten, die als Erste den Tatort durchkämmten. Wochen später fand ein Mann das Fläschchen in der Spendenbox. Er schenkte es seiner Partnerin, die sich das vermeintliche Parfüm auf die Handgelenke sprühte. Die dreifache Mutter starb.

Dass nicht mehr Menschen in London, im Zug oder in Salisbury bei der – abgesehen vom potenten Gift – reichlich handgestrickten Aktion ums Leben kamen, ist ein riesiges Glück. Der russische Staat hat nicht nur einen gezielten Anschlag verübt. Das wäre schon schlimm genug. Er hat liederlich oder sogar berechnend in Kauf genommen, dass dabei unzählige weitere Unschuldige hätten mit in den Tod gerissen werden können.

Man kann dem nicht anders sagen als: Staatsterror.

Eine überzeugende Indizienkette

Gewiss: Was Premierministerin May der Öffentlichkeit präsentierte, ist nicht das gesicherte Ergebnis eines rechtsstaatlich wasserdicht abgeschlossenen Verfahrens. Aber zu einer unabhängigen Überprüfung durch die Gerichte wird es nie kommen. Denn Russland wird die beiden Angeschuldigten nie ausliefern (wie Grossbritannien dies im umgekehrten Fall auch nicht tun würde).

Wladimir Putin nutzt diesen Mangel, um Argwohn zu sähen. Im Fach ­Zynismus ist der russische Präsident schwer zu schlagen. Aber: Die von Mays Sicherheitsbeamten offengelegten Dokumente und die Aussagen der internationalen Organisation für das Verbot chemischer Waffen bilden eine überzeugende Indizienkette. Nichts im Verhalten Putins stützt allfällige Zweifel, dass der Giftanschlag von seiner Regierung befohlen und von seinem Geheimdienst ausgeführt wurde. Eiskalt, menschenverachtend.

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