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Taliban starten Image-Kampagne

Zivilisten schonen, Ungläubige töten: Mit einem neuen Verhaltenskodex wollen die Aufständischen die Bevölkerung von Afghanistan hinter sich bringen. Der Nachrichtenagentur AP liegt das Dokument vor.

Das Töten von Zivilpersonen ist tunlichst zu vermeiden. Ihnen Geld und Waffen abzunehmen, ist verboten. Wer aber für die internationalen Truppen oder für die afghanische Regierung arbeitet, gilt als «Unterstützer der Ungläubigen» und darf umgebracht werden. So lauten die neuesten Verhaltensmassregeln für die Taliban, die seit kurzem kursieren.

Eine ähnlich harte Haltung gegen Kollaborateure hatte auch Taliban-Führer Mullah Mohammed Omar in einem Befehl an die Aufständischen vertreten, den die NATO-Truppen nach eigenen Angaben Anfang Juni abgefangen hatten. Mit der Anweisung indes, Zivilpersonen zu verschonen, verfolgen die Radikalislamisten das gleiche Ziel wie die Gegenseite: die afghanische Bevölkerung hinter sich zu bringen.

Die Taliban begannen vor etwas über einer Woche in Südafghanistan mit der Verteilung ihres jüngsten Verhaltenskodex', kurz bevor der NATO-Befehlshaber David Petraeus seinen Leuten Richtlinien vorgab ebenfalls mit der Massgabe, Opfer unter der Zivilbevölkerung zu vermeiden. «Die Taliban müssen Zivilisten gemäss den Regeln und der Moral des Islams behandeln, wenn sie die Menschen mit Herz und Verstand für sich gewinnen wollen», heisst es in dem 69 Seiten starken Heft, das der Nachrichtenagentur AP am Dienstag von einem Kämpfer in der Grenzstadt Spin Boldak zugänglich gemacht wurde. Nach Angaben des Talib, der aus Sicherheitsgründen anonym bleiben wollte, wurde es zehn Tage zuvor in Umlauf gebracht. «Es muss alles unternommen werden, um zu vermeiden, dass Zivilpersonen bei Angriffen zu schaden kommen», lautet die Anweisung.

«Der Schwerpunkt sind die Menschen»

Auch die internationalen Streitkräfte betonen, dass der Schutz der Zivilbevölkerung entscheidend dabei ist, den Krieg zu gewinnen. Sie streichen heraus, dass nach Erkenntnissen der UN die Taliban mit Selbstmordanschlägen und Strassenbomben für die meisten Todesfälle in der Zivilbevölkerung verantwortlich sind. Die neuen Verhaltensmassregeln der Aufständischen dürften eine Reaktion darauf sein.

Das Ende Mai aufgelegte Regelheft ist eine überarbeitete Fassung der ein Jahr zuvor verbreiteten Richtlinien, in denen der Einsatz von Selbstmordattentätern eingeschränkt und angeordnet wurde, dass Gefangenen ohne Billigung eines regionalen Kommandeurs der Taliban nichts angetan oder mit ihnen Lösegeld erpresst werden dürfe. Von Seiten der NATO und der Regierung in Kabul waren diese Anweisungen als Propaganda abgetan worden, die nichts mit dem tatsächlichen Vorgehen der Taliban zu tun hätten. Experten bewerteten es weniger als militärische Anweisung denn als politische Erklärung, die das Werben der internationalen Allianz um die Bevölkerung kontern sollte.

Petraeus hatte diese Bemühungen jüngst noch einmal verstärkt mit neuen Richtlinien für die NATO-Truppen. «Der Schwerpunkt sind die Menschen», heisst es darin. Nur wenn sie ihnen Sicherheit verschafften und ihr Vertrauen gewännen, könnten die afghanische Regierung und die internationale Allianz die Oberhand gewinnen. Der Feind sei «aggressiv» zu jagen, Verluste unter der Zivilbevölkerung aber zu vermeiden. «Wenn wir im Verlauf unserer Einsätze Zivilpersonen töten oder ihr Eigentum beschädigen, machen wir uns mehr Feinde, als wir mit unseren Einsätzen auslöschen.»

dapd/oku

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