«Trump bezeichnete Nordkorea als ‹Hölle›»

Trump will Kim Jong-un mit Druck an den Verhandlungstisch zwingen. Dazu braucht er Chinas Präsidenten, sagt Korrespondent Christoph Neidhart.

Grosser Empfang: US-Präsident Donald Trump (4. v. l.) und Staatspräsident Xi Jinping (3. v. l.) besuchen eine chinesischen Oper.

Grosser Empfang: US-Präsident Donald Trump (4. v. l.) und Staatspräsident Xi Jinping (3. v. l.) besuchen eine chinesischen Oper. Bild: Andrew Harnik/Keystone

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Trump hat am Mittwochmorgen Ortszeit vor dem südkoreanischen Parlament eine Rede gehalten. Welches waren die wichtigsten Punkte?
Einerseits hat Trump den kometenhaften wirtschaftlichen Aufstieg Südkoreas nach der totalen Zerstörung im Koreakrieg und den Übergang zur Demokratie gepriesen. Andrerseits hat er eine Analyse der Diktatur in Nordkorea relativ nüchtern vorgetragen und die beiden Entwicklungen einander gegenübergestellt. Er charakterisierte das nordkoreanische Regime als «faschistisch», das trifft sicher eher zu als «kommunistisch». Er verglich die nordkoreanische Gesellschaft mit einem Kult. Auch das trifft zu. In einem Satz bezeichnete er Nordkorea als «Hölle», sonst hielt er sich mit verbalen Provokationen eher zurück. Direkt an Kim Jong-un gerichtet, forderte er den jungen Diktator zu Verhandlungen auf, machte aber die vollständige nukleare Abrüstung zur Vorbedingung.

Lässt die Rede irgendwelche Schlüsse zu, welche Strategie Trump im Konflikt mit Nordkorea anzuwenden gedenkt?
Trump will Nordkorea mit überwältigendem Druck an den Verhandlungstisch zwingen. Am Dienstag behauptete er, es sei Bewegung in die Korea-Krise gekommen. Er wollte aber nichts Konkretes sagen. Wenn das nicht nur Bluff ist, dann könnte es tatsächlich zu Gesprächen kommen. Selbst im Sommer, als sich Trump und Kim mit Drohungen überboten, fanden sogenannte Track-Two-Gespräche statt, also Gespräche zum Beispiel von Professoren oder ehemaligen Diplomaten. Allerdings wird Nordkorea nicht vollständig nuklear abrüsten wollen. Das wäre dann der Gegenstand von Verhandlungen. Bisher gibt es keine Anzeichen, dass Trump ernsthaft einen Militärschlag plant. Das Pentagon sagt, Nordkoreas Atomwaffen könnten nur mit einer Bodentruppeninvasion gesichert werden. Und das wäre ja das Hauptziel einer Intervention. Aber eine Invasion bräuchte Monate der Vorbereitung – und vorab eine Verständigung mit China.

Trump warnt Nordkorea

Nordkorea verhält sich seit einigen Wochen auffallend ruhig. Warum?
Die sechs Atomversuche Nordkoreas haben ihren Zweck erfüllt. Die Welt glaubt jetzt auch, dass Pyongyang über die Raketen verfüge, seine Atomwaffen einzusetzen. Ob sie das amerikanische Festland erreichen können oder nicht, spielt keine Rolle. Die Abschreckung funktioniert. Damit ist Nordkorea jetzt eine Atommacht. Das erkennen alle Experten, auch wenn das keiner offen sagt. Wie Pakistan. Islamabad hörte 1998 auch zu testen auf.

Trump hatte einen Kurzbesuch an der Grenze zwischen Süd- und Nordkorea angekündigt, er wurde dann aber angeblich wegen Nebel abgesagt. Trifft die Begründung zu oder ist es eine Ausrede?
Das trifft wohl zu, der Helikopter-Tross war ja bereits unterwegs. Der Besuch an der Grenze war zuerst geplant, dann wurde er lange vor der Reise offiziell gestrichen. Offenbar plante man ihn jedoch unter Geheimhaltung weiter. Solche Besuche sind Routine. General Mattis war vor einigen Wochen dort, die Präsidenten Obama, beide Bush, Clinton, Reagan alle auch. Aber Trump hatte kaum Zeit, er musste am Mittwochmorgen kurz nach zehn im südkoreanischen Parlament sein. Und während des kurzen Zeitfensters am frühen Morgen herrschte halt Nebel, wie im koreanischen Herbst oft.

Nordkorea wird auch bei Trumps Treffen mit dem chinesischen Präsidenten Xi Jinping ein zentrales Thema sein. Ist zu erwarten, dass China seine Politik gegenüber Nordkorea weiter verschärft? Könnte es Nordkorea gar fallen lassen?
China hat seine Haltung gegenüber Nordkorea längst verschärft. Aber Nordkorea hört nicht auf China, Pyongyang misstraut Peking fast so sehr wie den USA. Und die chinesische Regierung ist unter anderem aus wirtschaftlichen Gründen nicht in der Lage, die Grenze ganz zu schliessen. Das würde den an Nordkorea grenzenden Provinzen schaden. Und selbst wenn sie das täte, würde das kaum zum Kollaps des Regimes führen.

«Nordkorea hört nicht auf China, Pyongyang misstraut Peking fast so sehr wie den USA.»

Warum nicht?
Es hat mit Wirtschaftsblockaden zu leben gelernt, und dann ist da noch die Eisenbahnverbindung nach Russland. Zudem hat Nordkorea lange Küsten – und in China, wie auch in Russland und in andern Ländern, gibt es viele private Unternehmer, die sich nicht nach der Politik richten, sondern mit Nordkorea lukrative Geschäfte machen. Fallen lassen wird Peking Nordkorea nicht, das Land ist ein Puffer gegen die USA. Allerdings hat der ehemalige US-Aussenminister Henry Kissinger einen Grand Bargain vorgeschlagen, wonach Washington und Peking über die Köpfe der Koreaner hinweg eine schrittweise Wiedervereinigung durchsetzen sollten. Aber das ist Grossmachtdenken wie im 19. Jahrhundert, das hat kaum eine Chance.

Worüber werden Trump und Xi sonst noch reden und was könnte dabei herauskommen?
Trump wird sich einigermassen höflich über das Handelsungleichgewicht beklagen. China hat am Mittwoch dafür bereits Grosseinkäufe in den USA angekündigt. Ansonsten hat der Besuch vor allem symbolische Bedeutung. Peking wird Trump mit viel Pomp verwöhnen und ihm schmeicheln. Dafür ist er ja sehr empfänglich. Er wird alles wunderbar und grossartig finden.

Erstellt: 08.11.2017, 14:40 Uhr

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