Zum Hauptinhalt springen

US-General will Pakistaner besänftigen

Ganz zum Unmut Islamabads haben US-Truppen häufig von Afghanistan aus die Grenze zu Pakistan überschritten. Nun bemühte sich der höchste US-General, die Wogen zu glätten.

Pakistanische Truppen gehen in Stellung, um auf allfällige weitere US-Angriffe reagieren zu können.
Pakistanische Truppen gehen in Stellung, um auf allfällige weitere US-Angriffe reagieren zu können.
Keystone

Bei einem kurzfristig anberaumten Überraschungsbesuch in Islamabad hat US-Generalstabschef Michael Mullen am Mittwoch versucht, die Gemüter der pakistanischen Alliierten zu besänftigen. Mullen traf sich mit Premier Yousaf Raza Gilani und Armeechef Ashfaq Pervez Kiani, die in den vergangenen Tagen heftig gegen die Grenzüberschreitungen der US-Streitkräfte protestiert hatten.

Gilani verbat sich die Verletzung der Souveränität. Kiani gelobte, das nationale Territorium um jeden Preis zu verteidigen. Ein Armeesprecher kündigte gar an, pakistanische Soldaten würden künftig auf US-Truppen schiessen, sollten diese erneut in die Stammesgebiete an der Nordwestgrenze zu Afghanistan eindringen. Zuletzt hatten die Amerikaner nicht mehr nur unbemannte Drohnen eingesetzt bei ihren Offensiven gegen islamische Extremisten, die sie in der Region vermuten, sondern auch Bodentruppen.

Aus der US-Botschaft in Islamabad verlautete nach dem Treffen, Mullen habe den Pakistanern versichert, die USA respektierten die Souveränität Pakistans. Für die pakistanische Staatsführung war Mullens Besuch auch innenpolitisch wichtig. Die Empörung in der pakistanischen Bevölkerung über das Vorgehen der USA wächst. In den Zeitungskommentaren ist die Rede von «nationaler Ehre». Man sieht sie aufs Ärgste verletzt. Die «Vorfälle» an der Grenze liessen sich nicht kleinreden.

Dennoch: Die USA sind noch immer der Ansicht, die Pakistaner kämpften nicht entschlossen genug gegen die Taliban und gegen al-Qaida, die sich in der gebirgigen, schwer zugänglichen Grenzregion verschanzt hätten, um von dort Angriffe auf die internationalen Streitkräfte in Afghanistan auszuüben. Auch das Trio des Terrors soll sich in der Gegend aufhalten: Osama Bin Laden, Ayman al-Zawahri und Mullah Omar. Gemäss der «New York Times» soll US-Präsident George W. Bush den Befehl gegeben haben, die Hochburg der Extremisten anzugreifen, auch ohne den vorgängigen Segen der Pakistaner.

Bush will «grossen Fang» tätigen

Bushs plötzliche Eile, einen «grossen Fang» zu tätigen, so ist man sich in Pakistan sicher, erkläre sich aus Amerikas innenpolitischer Agenda. Im November wählen die USA einen neuen Präsidenten; liesse sich einer der drei meistgesuchten Terroristen finden, könnte das die Wahlchancen der Republikaner erhöhen. «The Nation» schreibt, die Taktik sei kurzsichtig: «Die Strategie der USA wird den Anti-Amerikanismus in und ausserhalb der Stammesgebiete befeuern. So kann man den Kampf um die Herzen und die Köpfe nicht gewinnen.» Allen pakistanischen Medien betonen, die Zahl der getöteten Zivilisten bei den unilateralen US-Angriffen sei höher sei als jene der Extremisten.

Geschickter gehe da die pakistanische Armee vor, die die komplexen Gesellschaftsstrukturen in den Stammesgebieten und das Terrain besser kennen würde. «90 Prozent aller Verhaftungen von Al-Qaida-Leuten sind den pakistanischen Geheimdiensten und Streitkräften zu verdanken», schreibt die «Daily Times». Die gleiche Zeitung räumt aber ein, dass es in Pakistan «unregierte Räume» gebe, in denen «anarchistische Banden ein internationales Terrornetzwerk» aufgebaut hätten, die viel Sympathie geniessen würden in der paschtunischen Bevölkerung.

Die Pakistaner sind auf die Hilfszahlungen aus den USA angewiesen. Ohne die Milliarden aus Washington kann die Armee ihre eigenen Offensiven gegen die Extremisten nicht mehr finanzieren. Und diese haben sich in den vergangenen Monaten genauso verstärkt wie die Übergriffe der Amerikaner. Die pakistanische Armee berichtet fast täglich von Dutzenden, manchmal Hunderten getöteter Terroristen. Überprüfbar sind solche Zahlen nicht. Doch die Botschaft dahinter lautet: «Wir können das auch alleine.»

Pakistans unlängst gewählter Präsident, Asif Ali Zardari, wiederholt bei jeder Gelegenheit, der Krieg gegen den Terror sei nicht nur der Krieg der Amerikaner, sondern auch jener der Pakistaner, die am unmittelbarsten litten unter den Extremisten. Er erinnert an seine Frau Benazir Bhutto, die bei einem Attentat starb. Das soll als Beweis reichen, dass es ihm, Zardari, mit dem Kampf gegen den Terror ernst sei. Der Zweifel der Amerikaner rührt daher, dass Zardari in den vergangenen Monaten Gespräche geführt hatte mit den pakistanischen Taliban in Waziristan. Die Grenzüberschreitungen untergraben seine Autorität. Die pakistanischen Zeitungen werfen Zardari schon Feigheit vor, weil er sich nicht laut genug beschwere.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch