«Erhebliche Schäden» an US-Zerstörer nach Kollision

Ein mit Lenkraketen bestücktes US-Navy-Schiff ist östlich von Singapur mit einem Handelsschiff zusammengestossen. Zehn Matrosen werden vermisst.

Seeleute werden vermisst: Der US-Zerstörer USS John S. McCain verunglückte vor Singapur. Video: Tamedia/AFP

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Beim Zusammenstoss eines amerikanischen Kriegsschiffs mit einem Öltanker sind möglicherweise mehrere US-Soldaten ums Leben gekommen. Im Meer vor Singapur wurden mehr als zwölf Stunden nach dem Unglück noch zehn Seeleute des Lenkwaffenzerstörers «USS John S. McCain» vermisst, wie das Kommando der amerikanischen Pazifikflotte mitteilte.

Eine grossangelegte Suche brachte zunächst keinerlei Erfolg. Mindestens vier Soldaten mussten verletzt ins Spital gebracht werden. Das Schiff habe «erhebliche Schäden» am Rumpf erlitten.

US-Präsident Donald Trump erklärte auf Twitter, er sei in «Gedanken und Gebeten» bei den Soldaten.

Das Unglück ereignete sich um 05.24 Uhr Ortszeit (Sonntag 23.24 Uhr MESZ) östlich von Singapur nahe dem Eingang zur Strasse von Malakka, einer Meerenge zwischen Indonesien und Malaysia. Die Gewässer rund um Singapur zählen zu den wichtigsten und am stärksten befahrenen Wasserstrassen der Welt, rund ein Drittel des Seehandels wird über sie abgewickelt.

Schlafkabinen überflutet

Die «John S. McCain» prallte mit dem Tanker «Alnic MC» zusammen, der unter der Flagge Liberias fährt. Der Rumpf des Zerstörers wurde im hinteren Backbordbereich unterhalb der Wasserlinie beschädigt – also am linken hinteren Teil des Schiffes. Auf Filmaufnahmen war im Rumpf ein etwa sechs Meter langer Riss zu erkennen. Nach amerikanischen Angaben wurden Mannschaftskabinen sowie Maschinen-und Kommunikationsräume überflutet.

Die «John S. McCain» sei unterwegs zu einem Routine-Stopp in einem Hafen in Singapur gewesen, als sich der Zusammenstoss mit dem unter liberianischer Flagge fahrenden Tanker «Alnic MC» ereignete, teilte die US-Marine mit. Trotz der Schäden gelang es der «McCain», aus eigener Kraft bis zu ihrem Zielhafen Singapur weiterzufahren.

An den Rettungsarbeiten beteiligten sich auch Schiffe und Helikopter aus Singapur, Indonesien und Malaysia. Wellengang erschwerte die Suche nach den Vermissten.

Keine Hinweise auf ausgelaufenes Öl

An Bord des liberianischen Tankers gab es nach Angaben der Hafenbehörden in Singapur keine Verletzten. Der vordere Teil des Schiffsrumpfes sei sieben Meter über der Wasserlinie beschädigt worden. Das 183 Meter lange Schiff hatte fast 12'000 Tonnen Heizöl geladen und war auf dem Weg von Taiwan nach Singapur.

Durch die Kollision lief laut der Tanker-Besatzung kein Öl ins Meer. «Wir haben unsere Ladung noch nicht gelöscht», sagte ein Besatzungsmitglied. Der Tanker werde einen Hafen in Singapur anlaufen, wo die Besitzer den Fall untersuchen wollten. Es gebe keine Hinweise auf eine Ölpest, erklärte auch die Hafenbehörde von Singapur. Der Schiffsverkehr in der Strasse von Singapur sei unbeeinträchtigt.

Zweites Unglück innert weniger Wochen

Eigentlich sind Kollisionen von Kriegsschiffen mit anderen grossen Schiffen extrem selten. Erst im Juni stiess jedoch das Schwesterschiff des Zerstörers, die «Fitzgerald», vor der japanischen Küste mit einem philippinischen Containerschiff zusammen und wäre fast gesunken. Sieben Soldaten wurden getötet. Mehrere Offiziere verloren danach ihre Posten.

Die «John S. McCain» und die «Fitzgerald» wurden in der gleichen Werft gebaut und sind beide in Japan stationiert. Die Schiffsunfälle ereigneten sich in einer Zeit hoher Spannungen in der Region.

Sollte gegenüber China Stärke demonstrieren

Die «John S. McCain» hatte erst kürzlich die Zwölf-Meilen-Zone einer künstlichen chinesischen Insel im Südchinesischen Meer durchfahren, um damit Stärke gegenüber der Regierung in Peking zu demonstrieren. Die USA werfen China Bestrebungen vor, das strategisch wichtige Gewässer unter seine Kontrolle zu bringen. China kritisiert die Patrouillen der US-Kriegsschiffe in der Gegend seinerseits als Provokation.

Zuletzt eskalierte auch der Nordkorea-Konflikt, US-Präsident Donald Trump und die Regierung in Pyongyang drohten sich gegenseitig mit Militärangriffen.

Die «John S. McCain» ist nach dem Vater und dem Grossvater des US-Senators John McCain benannt. Beide dienten in der US-Marine als Admirale. Das Schiff dient unter anderem der Raketenabwehr. Der US-Senator twitterte, die er bete für die Seeleute.

(chk/AFP/AP)

Erstellt: 21.08.2017, 10:23 Uhr

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