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Verdächtigungen gegen al-Qaida häufen sich

Nach den blutigen Attentaten in Mumbai häufen sich die Stimmen, die Bin Ladens Terrornetzwerk verantwortlich machen. Ein Bekennerschreiben oder konkrete Beweise fehlen nach wie vor.

Internationale Politikexperten, der russische Geheimdienst und englischsprachige Medien sehen Anzeichen, dass die internationale Terrororganisation al-Qaida hinter den Anschlägen von Mumbai steckt. Die Begründung: Das Attentat sei von einem in Indien noch die da gewesenen Ausmass und auffallend gut organisiert.

Zu den Anschlägen bekannte sich eine bislang unbekannte Gruppierung, die sich selbst als Deccan Mujahedeen bezeichnet. Doch der indische Premierminister Manmohan Singh machte in seiner Rede an die Nation sofort Täter «ausserhalb des Landes» verantwortlich, ohne dafür Beweise anzuführen.

Auch ein ranghoher Vertreter des indischen Militärs sagte, die Angreifer kämen aus Pakistan, wo sie unter den Druck der USA geraten seien, die im afghanisch-pakistanischen Grenzgebiet Jagd auf Aufständische machen.

Charakteristisch für al-Qaida

Der Politikwissenschaftler Paul Wilkinson, Professor für internationale Beziehungen an der schottischen Saint-Andrews-Universität, hält die Anschläge von Mumbai für «charakteristisch für die El-Kaida-Bewegung». Auch russische Geheimdienstler stellen die Verbindung zum Terrornetzwerk al-Qaida her.

«Die russischen Geheimdienste haben Informationen, dass gewisse Gruppen, welche die Anschläge in Mumbai ausgeführt haben, in Kontakt mit al-Qaida stehen», sagte ein ranghoher Vertreter des russischen Geheimdienstes der Nachrichtenagentur RIA Nowosti.

Völlig anders als das Bekannte

Dass sich die Anschläge und Geiselnahmen über längere Zeit hinzogen, ist nach Auffassung des politischen Beobachters Crispin Black wahrscheinlich Teil der Strategie. «Das ist eine völlig andere Art von terroristischer Operation als die, die wir kennen», sagte Black dem britischen Fernsehsender Sky News.

Die Anschläge glichen einem Putsch, bei dem die Angreifer ganze Stadtteile in ihre Gewalt bringen. «Das ist eine sehr gewagte Propaganda der Terroristen. Jede Stunde, die diese Leute die Oberhand behalten, vervielfacht die propagandistische Wirkung.»

Motive, die sich gegen den gesamten Westen richten

Der militärwissenschaftliche Informationsdienst Jane's erkennt in der Strategie der Angreifer erhebliche Unterschiede zu der terroristischen Gewalt, mit der Indien in den vergangenen 15 Jahren konfrontiert war. «Internationale Luxushotels und andere so genannte weiche Ziele anzugreifen ist zwar kein neues Phänomen in der Region», heisst es in einer Einschätzung des Dienstes.

«Aber ganz offensichtlich den Schwerpunkt darauf zu setzen, ausländische und besonders britische und US-Geschäftsleute zu töten oder als Geiseln zu nehmen - das hat es noch nie zuvor gegeben.» Ein solches Vorgehen lasse Motive vermuten, die sich auf breiter Basis und weltweit gegen den Westen richteten.

Beweise fehlen

Pakistan hat sich bereits gegen mögliche Schuldzuweisungen verwahrt: Verteidigungsminister Ahmed Mukhtar sagte der Nachrichtenagentur AP in Islamabad, sein Land sollte «nicht wie in der Vergangenheit» für Anschläge in Indien verantwortlich gemacht werden.

Das Terrornetzwerk al-Qaida, das in den letzten Monaten vermehrt in Pakistan trainiert, hat sich bislang nicht zu den Attentaten geäussert.

SDA/oku

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