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Erklärungen zur peinlichen Flugzeugträger-Posse

100’000 Tonnen Stahl sind nicht da, wo sie sein sollten. Militär-Analysten und Politbeobachter fachsimpeln. Regierung, Pentagon und Navy beschuldigen sich. Was ist hier los?

Liess alles auffliegen: Ein Foto der US-Navy zeigt die USS Carl Vinson am Samstag in der Sundastrasse. (Bild: Getty Images)
Liess alles auffliegen: Ein Foto der US-Navy zeigt die USS Carl Vinson am Samstag in der Sundastrasse. (Bild: Getty Images)

Die Posse um die USS Carl Vinson sorgt für Spott und allerlei Spekulationen. Seit gestern ist klar, dass sich der amerikanische Flugzeugträger nicht wie angekündigt von Singapur aus auf direktem Weg nach Nordkorea befand, sondern im Gegenteil Richtung Süden unterwegs war.

Zusammen mit drei anderen US-Kriegsschiffen nahm er an gemeinsamen Truppenübungen mit der australischen Navy im Indischen Ozean teil – rund 5400 Kilometer von der koreanischen Halbinsel entfernt.

Aufgeflogen ist alles wegen der US-Navy, die am Samstag ein Foto des Flugzeugträgers veröffentlichte, der sich zu jenem Zeitpunkt in der Sundastrasse befand, der Meerenge zwischen den indonesischen Inseln Sumatra und Java. Vor zehn Tagen hatte sie noch angekündigt, dass die Flotte rund um die Carl Vinson angewiesen worden sei, «nach Norden in den Westpazifik zu fahren».

Auf die Frage, ob man damit Präsenz gegen Nordkorea zeigen wolle, sagte US-Verteidigungsminister Jim Mattis daraufhin: «Die Carl Vinson ist auf den Weg nach oben, weil wir sie dort im Moment am meisten brauchen.» Geplante Übungen seien dafür abgesagt worden. Der Präsident selbst heizte die Situation in einem Interview zusätzlich an. «Wir schicken eine Armada, sehr schlagkräftig», sagte Donald Trump dem TV-Sender Fox.

«Nach Trumps Ankündigung war es schwierig, die Geschichte zurückzudrehen.»

Vertreter des Pentagons gegenüber der «New York Times»

Jetzt, wo klar ist, dass die Flotte zum Zeitpunkt der Ankündigungen gar nicht auf dem Weg Richtung Nordkorea war, schieben sich die Verantwortlichen gegenseitig die Schuld in die Schuhe.

Video – nach einem Umweg ist die USS Carl Vinson auf Kurs:

Vertreter des US-Verteidigungsministeriums sprachen gegenüber der «New York Times» von einer «Serie von Pannen». Die Navy habe vorschnell die Verlegung des Flugzeugträgers in koreanische Gewässer gemeldet. Ausserdem sei es nach Trumps Ankündigung schwierig gewesen, die Geschichte zurückzudrehen. Dass Verteidigungsminister James Mattis eine fehlerhafte Erklärung abgab, sei nur passiert, weil er sich versprochen habe, so Pentagon-Vertreter gegenüber CNN. Er habe eigentlich die Absage eines Hafenbesuchs in Australien gemeint und nicht die Übungen mit der australischen Marine.

Das Verteidigungsministerium schiebt die Verantwortung also der US-Navy und dem Weissen Haus zu. Vertreter der Regierung sagten wiederum, sie hätten sich auf Anleitungen aus dem Verteidigungsministerium verlassen. Es sei erstaunlich, dass das Pentagon seinen Zeitplan nicht korrigiert und so Spannungen in der Region verursacht habe.

«Das Ganze war Teil eines ausgeklügelten Spiels.»

Cai Jian, chinesischer Sicherheitsexperte

War also alles nur eine peinliche Kommunikationspanne? Sicherheitsexperten vermuten, dass hinter der ganzen Geschichte auch Strategie stecken könnte.

Ross Babbage vom Center for Strategic Budgetary Assessments spricht gegenüber der «Washington Post» von einem «militärischen Zeichen», das die USA gesetzt hätten. Es sei möglich, dass Trumps Regierung China Zeit habe geben wollen, selbst Druck auf Nordkorea auszuüben, bevor der eigene Flugzeugträger an der Küste eintreffe.

Auch Cai Jian vom Center for Korean Studies an der Fudan University in Shanghai, spricht von «psychologischer Kriegsführung oder gar einem Bluff». Das Ganze sei Teil eines ausgeklügelten Spiels. Washington habe gar nie wirklich beabsichtigt, momentan einen Militärschlag gegen Nordkorea zu starten, glaubt der chinesische Experte.

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