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Warmlaufen für den 12. Juni

Beim Shangri-La-Treffen in Singapur interessiert die Verteidigungsminister vor allem eines: Das Gipfeltreffen zwischen Trump und Kim.

Arne Perras, Singapur
Gefragte Männer: Südkoreas Verteidgungsminister Song Young-moo mit James Mattis in Singapur.
Gefragte Männer: Südkoreas Verteidgungsminister Song Young-moo mit James Mattis in Singapur.
Yong Teck Lim, Reuters

Singapur übt an diesem Wochenende schon mal als Gastgeber der asiatischen Sicherheitskonferenz, dem so genannten «Shangri-La Dialog», ausgerichtet vom «International Institute for Strategic Studies» (IISS). Verteidigungsminister aus mehr als 40 Staaten sind dafür angereist, das Treffen gibt es jedes Jahr, doch nie war die Aufmerksamkeit so gross, was natürlich daran liegt, dass hier im Stadtstaat schon in 10 Tagen das Treffen zwischen US-Präsident Donald Trump und dem nordkoreanischen Diktator Kim Jong-un stattfinden soll.

Das luxuriöse Shangri-la Hotel, wo die Verteidigungsminister nun Fragen des Weltfriedens hin- und herwenden, gilt auch als ein möglicher Ort für den Kim-Trump-Gipfel, obgleich über die örtlichen Details noch immer offizielles Stillschweigen herrscht.

Erster Redner an diesem Morgen: US-Verteidigungsminister James Mattis. Wer glaubte, dass er ausführlich auf die Nordkoreakrise eingehen würde, hatte sich getäuscht. Er hat dieses Thema weitgehend umschifft, was für erfahrene Diplomaten kaum überraschend war. «Ich würde kein Wort hier verlieren, wenn ich nächste Woche mit Kim verhandeln müsste», sagte der frühere Staatssekretär eines grossen asiatischen Staates am Rande der Konferenz. Nur so viel machte Mattis klar: Ziel der amerikanischen Anstrengungen sei die «komplette, verifizierbare und unumkehrbare Denuklearisierung der koreanischen Halbinsel». Die Frage der dort stationierten amerikanischen Truppen sollen beim Gipfel, den Trump zuerst abgesagt und nun doch wieder zugesagt hat, nicht zur Sprache kommen, machte Mattis deutlich.

Südkorea glaubt an den Wandel, Japan ist skeptisch

Weitaus mehr hatte der US-Verteidigungsminister über die maritimen Vorstösse Chinas zu sagen, er kritisierte, dass Peking das südchinesische Meer militarisiere, wo Präsident Xi Jinping doch zuvor versprochen habe, genau dies nicht zu tun. Dass China Waffen auf künstlichen Inseln stationiere, diene dem Ziel der Einschüchterung. Sollte China diese Politik vorantreiben, werde dies weitrechende Konsequenzen haben, drohte Mattis, ohne diese Folgen allerdings näher zu benennen. Gleichzeitig übte der US-Verteidigungsminister den demonstrativen Schulterschluss mit Indien, ein Land, das als strategischer Partner der USA immer mehr Gewicht bekommt.

Gefragt war nach Mattis Rede vor allem der Verteidigungsminister Südkoreas, der das Thema wieder auf den bevorstehenden Gipfel zwischen Trump und Kim lenkte. General Song Young-moo beschwor den «dramatischen Wandel», der nun in Gang gekommen sei, er sprach dabei auch über die globalen Erwartungen an Nordkoreas Führer Kim Jong-un. Besonders wichtig war dem Südkoreaner diese Botschaft: «Dass wir früher von Nordkorea getäuscht wurden, heisst nicht zwingend, dass wir künftig wieder getäuscht werden.» Die Zeiten hätten sich geändert, glaubt Song. Nordkorea habe einen neuen Führer. Und er warb damit sehr deutlich um einen Vertrauensvorschuss für Kim. Andernfalls werde es gar nicht möglich sein, Frieden zu erlangen, ist Song überzeugt. Sein kanadischer Amtskollege Harjit Singh Sajjan unterstützte diese Sichtweise. Dass Nordkorea früher nicht ehrlich gehandelt habe, müsse nicht zwingend bedeuten, dass es jetzt nicht voran gehen könne.

Nicht alle scheinen diese Zuversicht zu teilen. Sehr zurückhaltend jedenfalls äusserte sich der Amtskollege aus Japan, Itsunori Onodera. Er hob vor allem darauf ab, dass erst die harten ökonomischen Sanktionen zu Bewegung in Nordkorea geführt hätten. Er hielt es nicht für ratsam, Nordkorea schon alleine für ein Gespräch zu belohnen. Ausserdem forderte Onodera, dass alle ballistischen Raketen Nordkoreas verschrottet werden müssten, um Sicherheit in der Region zu schaffen.

Am Rande der Shangri-La-Konferenz weckten unterdessen nicht nur die grossen Fragen zur nuklearen Abrüstung Interesse, sondern auch ganz banale Fragen, mit denen sich die Amerikaner offenbar herumplagen müssen. Zum Beispiel: Wer wird eigentlich die Hotelrechnung von Kim Jong-un in Singapur bezahlen?

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