Wenn Chinas Polizei für Huawei ausrückt

Nach einem Arbeitsdisput kam der ehemalige Mitarbeiter des Telecomkonzerns, Zeng Meng, ins Gefängnis.

Er wurde in Thailand verhaftet, weil Huawei ihm Industriespionage vorwarf: Zeng Meng. Foto: PD

Er wurde in Thailand verhaftet, weil Huawei ihm Industriespionage vorwarf: Zeng Meng. Foto: PD

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Zeng Meng sass mit seinem Vater beim Essen in Thailand, als er plötzlich von chinesischen Polizisten in Zivil umstellt wurde. Während einer der Beamten die Szene filmte, zeigten andere ihre Ausweise: Sie kamen aus Shenzhen im Süden von China, wo Huawei seinen Sitz hat. Für diesen international erfolgreichen und umstrittenen Telecomkonzern hatte Zeng in Nordafrika gearbeitet.

Er werde verhaftet, wurde Zeng ­damals, vor fast genau einem Jahr, mitgeteilt. Wegen Industriespionage. Begleitet von chinesischen und ­thailändischen Beamten wurde er abgeführt, wie die britische Zeitung «The Guardian» jetzt berichtete. Innerhalb einer Woche wurde er nach China ausgeliefert, wo er Monate im Gefängnis verbrachte. Die Vorwürfe gegen ihn wurden immer schwächer, derzeit wird ihm noch Betrug vorgeworfen. Im März kam der 39-Jährige auf Kaution frei. Ob es tatsächlich zu einem Verfahren gegen Zeng kommen wird, ist unklar.

Der Fall Zeng Meng könnte ein ganz normaler Streit zwischen einem Angestellten und seinem Ex-Arbeit­geber sein. Hier allerdings geht es um Huawei, den wohl kontroversesten Konzern der Welt. Die USA werfen Huawei vor, eng mit dem chinesischen Staat verbunden zu sein. Obwohl Huawei in der 5G-Technologie für Mobilfunknetze Marktführer ist, verbieten die USA ihren Telecomanbietern, Huawei-Technik einzu­setzen – und drängen auch ihre westlichen Verbündeten, Huawei zu verbieten. Zu gross ist die Furcht, dass so durch eine geheime Hintertür chinesische Spionage ermöglicht werden könnte.

Huawei soll Geschäfte mit dem Iran gemacht haben, monieren die USA

China nimmt Huawei als einen seiner wichtigsten Konzerne in Schutz, bestreitet aber, direkt Einfluss auf das Unternehmen zu haben. Und Huawei beteuert seine Unabhängigkeit. Die Verhaftung von Zeng Meng, ausgerechnet in Thailand, zeigt aber, wie stark der Einfluss des Konzerns beim Staat ist. «In China können Verwaltung, Polizei und Gerichte manipuliert werden», sagte Zeng dem «Guardian». «Wenn Huawei jemanden beschuldigt, nimmt die Polizei ihn fest.»

Zeng ist nicht der einzige Huawei-­Mitarbeiter, der im Zuge eines Arbeitskonflikts hinter Gittern landete. ­Kürzlich machte auch Li Hongyuan Schlagzeilen. Er wurde nach 13 Jahren von Huawei entlassen, hatte aber eine Abfindung ausgehandelt, die nicht gezahlt wurde. Als er Klage erhob, wurde er verhaftet. Sogar in China wurde so breit darüber berichtet, dass die Zensoren schliesslich Beiträge über den Fall aus dem Internet entfernten. Li wurde freigelassen, der Staat zahlte ihm eine Entschädigung.

Der Ruf von Huawei hat wegen dieser Arbeitskonflikte, bei denen der Staat dem Konzern zu Hilfe kam, gelitten, auch in China selbst. Das bringt ­Huawei weiter in Bedrängnis. Seit einem Jahr sitzt die Finanzchefin des Konzerns, Meng Wanzhou, in Kanada in Untersuchungshaft – auf Antrag der USA. Huawei soll Technologie an den Iran geliefert und damit gegen US-Sanktionen verstossen haben.

Meng Wanzhou ist die Tochter des Huawei-Chefs. Anfang Dezember, zum Jahrestag ihrer Festnahme, bedankte sie sich in einem offenen Brief bei ihren Unterstützern. Ihr droht die Auslieferung in die USA. Mitte Januar erscheint sie wieder vor Gericht.

Erstellt: 23.12.2019, 20:28 Uhr

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