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Wens Familie bestreitet Reichtum

Das von der «New York Times» kolportierte Vermögen existiere gar nicht, sagen Anwälte der Familie des chinesischen Premiers Wen Jiaboao. Sie drohen der Zeitung mit einer Klage.

2,7 Milliarden soll seine Familie zusammengetragen haben: Chinas Ministerpräsident Wen Jiabao. (Archivbild Keystone)
2,7 Milliarden soll seine Familie zusammengetragen haben: Chinas Ministerpräsident Wen Jiabao. (Archivbild Keystone)

Die Familie des chinesischen Ministerpräsidenten Wen Jiabao hat einen Medienbericht über die heimliche Anhäufung eines Milliardenvermögens zurückgewiesen. In einer Erklärung der Anwälte der Familie wurden die Enthüllungen der «New York Times» als «unwahr» bezeichnet.

Dieses Vermögen existiere nicht, teilten die Anwälte in Hongkonger Medien mit. Wen selbst habe «niemals irgendeine Rolle in den Geschäften seiner Familienangehörigen gespielt», betonten sie. Wens Angehörige hätten in keiner Weise von seiner Funktion als Regierungschef profitiert und auch keinen Einfluss auf seine Politik gehabt.

Auch die Vermögensverhältnisse von Wens Mutter seien von der Zeitung falsch dargestellt worden. Die Mutter habe ausser ihrem früheren Lohn oder ihrer Rente kein weiteres Einkommen.

Klage angekündigt

Der «New York Times» wurden mögliche rechtliche Schritte angedroht. Es ist das erste Mal, dass die Familie eines chinesischen Spitzenfunktionärs öffentlich gegen einen ausländischen Medienbericht vorgeht.

Die «New York Times» hatte am Freitag berichtet, dass Wens Familie ein Vermögen von umgerechnet mindestens 2,7 Milliarden Dollar besitzt. Der grösste Teil davon sei seit Wens Ernennung zum Vize-Premier 1998 zusammengetragen worden, schrieb das Blatt unter Berufung auf Unterlagen von Unternehmen und des Staates.

Regierung reagiert mit Zensur

Umgehend nach der Veröffentlichung des Artikels schritt die chinesische Zensur ein und sperrte den Artikel im Internet. Die «NYT»-Webseite war am Wochenende unzugänglich in China und alle Kommentare in chinesischen Internetforen zum Artikel wurden gelöscht.

Im Kurznachrichtendienst Sina Weibo waren Suchen mit den Worten «Wen Jiabao» und «New York Times» gesperrt. Ein Sprecher des chinesischen Aussenministeriums bezeichnete den Bericht als Versuch, das Ansehen der Volksrepublik zu beschädigen.

Angesichts der Zensur schätzte der auf chinesische Politik spezialisierte Sinologe Willy Lam die Zahl der chinesischen Web- Nutzer, die von dem Artikel wüssten, auf allenfalls fünf bis zehn Prozent.

Der bescheidene Staatsdiener

Über das Vermögen von Wens Sohn und Frau sei in China schon einiges bekannt gewesen, doch enthalte der Artikel neue Zahlen und bisher unbekannte Beweise, sagte Lam der Nachrichtenagentur AFP.

Der Bericht steht dem Bild Wens entgegen, ein bescheidener Staatsdiener zu sein, der streng gegen Korruption und Vetternwirtschaft in der Volksrepublik vorgeht.

China vor Führungswechsel

Die Enthüllungen sind besonders brisant, da in wenigen Tagen der 18. Kongress der Kommunistischen Partei Chinas beginnt, bei dem Wen Jiabao und Präsident Hu Jintao die Führung an die nächste Generation übergeben wollen.

Vor dem Führungswechsel machte die chinesische Führung zudem den Weg für eine Strafverfolgung des früheren Politstars Bo Xilai frei, der vor seinem Sturz für einen Posten im einflussreichen Politbüro gehandelt worden war.

Bo verlor am Freitag sein Abgeordnetenmandat, das ihn vor Strafverfolgung schützte. Noch am selben Tag nahm die Justiz Berichten der amtlichen Nachrichtenagentur Xinhua zufolge Ermittlungen gegen ihn auf. Bo müsse sich wegen «massiver» Korruptionsvorwürfe und Machtmissbrauchs verantworten.

Bo war Parteichef und Bürgermeister der Millionenmetropole Chongqing. Bos Ehefrau Gu Kailai war im August wegen der Vergiftung des britischen Geschäftsmanns Neil Heywood zum Tode verurteilt worden. Ihr Strafe dürfte aber in lebenslange Haft umgewandelt werden.

SDA/mw

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