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Wie der Iran das Embargo umgeht

Gestern trat Europas Öl-Embargo gegen den Iran in Kraft. Teheran demonstriert erstaunliche Gelassenheit und verweist auf alternative Verkaufszweige. Zudem wendet das Land gemäss BBC einen Trick an.

Fünfzehn Schiffe sollen zurzeit für den Pazifik-Inselstaates Tuvalu unterwegs sein – zumindest auf dem Papier: Iranischer Öl-Tanker im Persischen Golf. (Archivbild)
Fünfzehn Schiffe sollen zurzeit für den Pazifik-Inselstaates Tuvalu unterwegs sein – zumindest auf dem Papier: Iranischer Öl-Tanker im Persischen Golf. (Archivbild)
Reuters

Mit dem Öl-Embargo gegen den Iran, das am Sonntag in Kraft trat, möchte Europa weiteren Druck erzeugen. Mit Gesprächen über das umstrittene Atomprogramm soll der Iran zu Konzessionen gezwungen werden. Der, demonstriert jedoch Gelassenheit und droht seinerseits.

Am Samstag meldete sich Ölminister Rostam Ghassemi zu Wort. Sein Land habe bereits neue Käufer für sein Öl gefunden und befürchte deshalb keine negativen Auswirkungen auf sein Rohstoffgeschäft. Die EU-Sanktionen hätten «keine Auswirkung», wurde Ghassemi in iranischen Medien zitiert.

Ghassemi erklärte, der Iran habe kein Problem mit dem Rohölverkauf, weil einige Länder Ausnahmegenehmigungen von den USA erhalten hätten. Diese hatten erklärt, dass China, Indien, Japan, Malaysia, Südkorea, Singapur, Südafrika, Sri Lanka, die Türkei und Taiwan weiter iranisches Öl einführen können, wenn sie die Mengen reduzierten.

Solchen Aussagen widerspricht die Internationale Energieagentur (IEA). Gemäss der IEA sind die Öl-Exporte des Irans aufgrund der EU- Sanktionen seit Jahresbeginn bereits zurückgegangen.

Iranische Tanker unter neuem Namen und neuer Flagge

Doch die Gelassenheit des Iran könnte noch einen weiteren Grund haben: Nach einem Bericht des britischen Senders BBC vom Samstag versucht der Iran, das Öl-Embargo mit Tricks zu umgehen. Das Land beflagge seine Tanker um und geben diesen auch neue Namen. Inzwischen führten 15 der 39 Öltanker des Irans die Flagge des winzigen Pazifik-Inselstaates Tuvalu, berichtete BBC.

Um nicht erkannt zu werden, hätten die Tanker in jüngster Zeit zudem die Transponder ausgeschaltet, mit denen sie über das sogenannte AIS-System geortet werden können. Über AIS (Automatic Identification System) werden auch die Schiffsdaten übermittelt.

Zwei der iranischen Tanker unter Tuvalu-Flagge seien derzeit auf dem Weg zum ägyptischen Hafen Ain al-Sukhna am Suez-Kanal, berichtete die BBC weiter. Die Schiffe könnten ihr Öl theoretisch von dort aus über eine Pipeline nach Alexandria pumpen und dort im Mittelmeer von Tankern anderer Länder abholen lassen. Danach könnte das Öl an europäische Raffinerien geliefert werden. Embargo nicht tatenlos hinnehmen

Der Gouverneur der iranischen Zentralbank, Mahmud Bahmani, erklärte gegenüber der halbamtlichen Nachrichtenagentur Mehr am Sonntag, der Iran werde das Öl-Embargo nicht tatenlos hinnehmen. Sein Land werde feindlicher Politik entgegentreten. Er fügte hinzu, der Iran verfüge über ausreichende Währungsreserven, um seine Importe decken zu können.

Nach dem Beschluss der EU im Januar, ein Embargo zu verhängen, hatte der Iran mit der Schliessung der Strasse von Hormus gedroht. Die Revolutionsgarden und die Armee führten dort zudem Manöver durch.

Durch die Meerenge im Persischen Golf wird rund 20 Prozent des weltweit geförderten Rohöls transportiert. Die USA wiederum, deren 5. Flotte in Bahrain stationiert ist, demonstrierten zusammen mit anderen westlichen Kriegsschiffen ebenfalls Präsenz im persischen Golf.

Druckversuch der Europäer

Die EU hatte das Ölembargo im Januar beschlossen, um so im Atomstreit den Druck auf Teheran zu erhöhen. Bis zum 1. Juli mussten sämtliche Lieferverträge für iranisches Öl beendet werden.

Zudem dürfen Versicherer der EU fortan iranische Öltransporte nicht mehr absichern. Die Schweiz hat sich dem Embargo nicht angeschlossen, die USA dagegen schon.

Die Regierung in Teheran hatte zuletzt mehrmals vor negativen Folgen der Strafmassnahmen für die Atomgespräche gewarnt. Der Westen verdächtigt den Iran, unter dem Deckmantel eines zivilen Atomprogramms an einer Atombombe zu bauen.

Der Iran verweist dagegen auf sein Recht zur Nutzung ziviler Anwendungen der Atomtechnik, da das Land den Atomwaffensperrvertrag unterzeichnet hat. Allerdings werden die Atomkontrolleure der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) seit Jahren von den iranischen Behörden behindert.

SDA/ dapd/ afp/mrs

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