Wie Hongkongs Aktivisten mit iPhones die Behörden austricksen

Die Apple-Technologie Airdrop wurde zum wichtigsten Kommunikationsmittel. Das hat für die Aktivisten entscheidende Vorteile.

Der Kampf auf der Strasse wird erbittert geführt: Aktivisten in Hongkong. Foto: Felipe Dana/Keastone-AP

Der Kampf auf der Strasse wird erbittert geführt: Aktivisten in Hongkong. Foto: Felipe Dana/Keastone-AP

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Der Nutzer «Hongkong, Freiheit», will 27 Fotos mit dir teilen. Annehmen? Ein Klick – und die Dateien landen im Fotoordner des eigenen Handys. Dutzende Menschen kriegen in der gleichen Sekunde das Protestmaterial auf ihre Handys gesendet. Sie nehmen an einem Marsch durch die Hongkonger Innenstadt teil. Einer der Demonstranten hat die Bilder geschickt. Nur weiss man nicht, wer.

Versendet wurde das Material per Airdrop, einer Apple-Technologie zum drahtlosen Übertragen von Daten. Seit im Juni in der Sonderverwaltungszone gegen den wachsenden Einfluss Chinas demonstriert wird, hat sich die Funktion des US-Herstellers zum ersten Mal zu einem zentralen Kommunikationsmittel zwischen Aktivisten entwickelt. Eigentlich ist die Technologie dafür gedacht, unkompliziert grosse Datenpakete zwischen Apple-Geräten zu versenden. Die Übertragung funktioniert über Wlan und Bluetooth. Eine Netzverbindung ist nicht notwendig. Ein Vorteil, weil das Netz bei Massenveranstaltungen häufig zusammenbricht. Jedes Dokument kann zudem beliebig oft und kostenfrei geteilt werden. Die Technologie verbraucht kein Datenvolumen. Der Empfänger muss dafür weder eine App herunterladen noch Ahnung von Verschlüsselungstechnologie haben.

Sender und Empfänger müssen sich auch nicht kennen, sondern lediglich in der Nähe voneinander sein. In der südchinesischen Megametropole ist das eher die Regel als die Ausnahme. Im Bus, der U-Bahn oder in den Strassen zwischen den engen Häuserschluchten erreichen Aktivisten meist Dutzende Apple-Geräte gleichzeitig.

Auch bei den Protesten selbst wird die Technologie genutzt

Wer in Hongkong in diesen Tagen auf dem Laufenden gehalten werden will, muss auf dem Weg zur Arbeit oder beim Einkaufen nur Airdrop aktivieren. Gesendet werden Marschrouten, Zeitpläne für Protestwochenenden oder ein U-Bahn-Plan mit alternativen Strecken, wenn bestimmte Stationen kurzfristig geschlossen werden. Auch bei den Protesten selbst wird die Technologie genutzt: Soll eine Schweigeminute stattfinden, kündigen Teilnehmer diese kurz vorher per Bildnachricht an. Wenn die Polizei anrückt, warnen sich die Demonstranten über die drahtlose Verbindung.

Entscheidend bei der Technologie ist, dass bei der Übermittlung keine Daten des Senders gespeichert werden. Es wird nur der Name des Sendegeräts angezeigt. Dieser kann beliebig geändert werden. Zuletzt hat die Hongkonger Polizei mehrere Betreiber von Chatforen festgenommen. Diese sind häufig über ihre Internetverbindung und ihre Telefonnummer identifizierbar. Bei Airdrop ist das anders. Da einige Arbeitgeber ihren Mitarbeitern die Teilnahme an Protestmärschen verbieten, ist das Verteilen der digitalen Flugblätter auch ein Weg, sich ohne Gefahr zu engagieren.

Apple hat bisher nicht auf die kreative Nutzung seiner Technologie reagiert. Das Unternehmen hat mehrfach dem Druck der Behörden in China nachgegeben und Funktionen für chinesische Nutzer entfernt. Seit Kurzem fehlt auf der Tastatur für Emojis, den kleinen Bildchen fürs Chatten, bei Hongkonger Geräten von Apple die Taiwan-Flagge. In Festlandchina ist die Flagge des Nachbarstaats, auf den Peking immer noch Anspruch erhebt, seit Langem gelöscht.

Erstellt: 07.10.2019, 13:41 Uhr

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