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Wie Osama Bin Laden die Fäden zog

Der Al-Qaida-Chef spielte in den vergangenen Jahren eine gewichtigere Rolle als angenommen. Aus seinem Versteck heraus gab er seinen Ablegern genaue Anweisungen.

Im Innern der Villa: Videoaufnahmen des Fernsehsenders ABC zeigen ein Schlafzimmer von Osama Bin Ladens Unterschlupf. (2. Mai 2011)
Im Innern der Villa: Videoaufnahmen des Fernsehsenders ABC zeigen ein Schlafzimmer von Osama Bin Ladens Unterschlupf. (2. Mai 2011)
Keystone
Das Schlafzimmer mit einem grossen Bett hat nur eine Reihe schmaler Fenster.
Das Schlafzimmer mit einem grossen Bett hat nur eine Reihe schmaler Fenster.
Keystone
Einer der Söhne Osama Bin Ladens, Omar Bin Laden, in Saudiarabien im Jahr 2007.
Einer der Söhne Osama Bin Ladens, Omar Bin Laden, in Saudiarabien im Jahr 2007.
Reuters
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Al-Qaida-Chef Osama Bin Laden hat nach Einschätzung von US-Vertretern in den vergangenen Jahren offenbar weiterhin eine gewichtige Rolle bei der Planung sowie der Ausführung von Anschlägen des Terrornetzwerks sowie seiner Ableger im Jemen und in Somalia gespielt. Darauf lassen die zahlreichen Informationen schliessen, die nach seinem Tod in seinem pakistanischen Versteck gefunden wurden.

Die Daten zeigten ausserdem, dass ranghohe Al-Qaida-Kommandeure und andere Schlüsselfiguren der Aufständischen weit über Pakistan verstreut seien und sich nicht nur im unzugänglichen Grenzgebiet zu Afghanistan aufhielten, berichtete ein hochrangiger Vertreter des US-Verteidigungsministeriums am Freitag. Dabei würden ihnen von Pakistanern Unterstützung und Schutz gewährt.

Aktiv involviert

US-Terrorbekämpfer hatten die Frage diskutiert, welche Rolle Bin Laden und andere Al-Qaida-Führer bei Anschlägen gespielt hatten, die von Terrorgruppen im Jemen oder der Miliz Al-Shabab in Somalia verübt worden waren.

Die nun gesammelten Informationen hätten den Eindruck verstärkt, dass bin Laden in den vergangenen zehn Jahren sehr viel stärker in die Führung von Al-Qaida-Personal sowie Operationen des Netzwerks involviert gewesen war, als manchmal angenommen, sagten die US-Vertreter. Auch liege es nach den neuesten Erkenntnissen nahe, dass bin Laden den Al-Kaida-Ablegern auf der arabischen Halbinsel und in Somalia die «strategische Richtung vorgegeben» und ihnen gesagt habe, was sie tun und was sie nicht tun sollten.

Oberste Priorität habe für den Chef des Terrornetzwerks seine eigene Sicherheit gehabt, sagte der Vertreter des Pentagons.

Unveröffentlichte Propagandabänder entdeckt

Zuvor war bereits bekannt geworden, dass Osama bin Laden aus seinem Versteck in Pakistan heraus Kontakt zu ranghohen Al-Kaida-Führern gehabt hatte und offenbar in der Lage gewesen war, Pläne für Anschläge auf US-Ziele zu schmieden.

Zu dem sichergestellten Material zählten auch Videobänder, die Bin Laden zeigten. Darunter seien sowohl unveröffentlichte Propagandabänder als auch Privatvideos, erklärte eine Gewährsperson am Freitag in Washington. Medienberichte, wonach die Unterlagen Hinweise auf den Aufenthaltsort von Al-Qaida-Vize Ajman al Sawahri lieferten, wollte die Gewährsperson nicht bestätigen. Die handschriftlichen Notizen und Computerdaten würden aber auf Hinweise geprüft, mit denen weitere Verdächtige aufgespürt werden könnten.

US-Präsident Barack Obama war am Freitag nach Kentucky gereist, um dort den Mitgliedern der Spezialeinheit persönlich zu danken, die Osama bin Laden in Pakistan getötet hatten. Sie hätten ihren Job gut gemacht, sagte Obama den Soldaten der Navy Seals am Freitag. Der Krieg gegen Terroristen gehe weiter, aber «wir werden Al-Qaida letzten Endes besiegen». Obama zeichnete die Truppen im Militärstützpunkt Fort Campbell in Kentucky mit einer sogenannten Presidential Unit Citation aus.

Afghanistan: Gates hofft auf Streit zwischen Taliban und al-Qaida

Die Tötung des Al-Qaida-Führers Osama Bin Laden könnte nach Einschätzung von US-Verteidigungsminister Robert Gates zu einer Wende im Afghanistan-Krieg führen. Möglich sei eine Verschärfung der Spannungen zwischen al-Qaida und den Taliban, sagte Gates.

Derzeit sei ein Urteil über mögliche Auswirkungen von Bin Ladens Tod auf die Lage in Afghanistan aber noch zu früh. Aber in etwa einem halben Jahr würden sich genauere Aussagen treffen lassen. Derzeit befinden sich rund 100'000 US-Soldaten in Afghanistan.

Lolita Baldor und Kimberly Dozier/ dapd/jak, rub

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