«Mister Trump! Bitte stoppen Sie das!»

Schwere Luftangriffe auf die syrische Rebellenprovinz Idlib töten zahlreiche Zivilisten. Deren Hinterbliebene wenden sich verzweifelt an den US-Präsidenten.

Ein Weisshelm des syrischen Zivilschutzes kümmert sich um ein verletztes Mädchen. Bild: AFP

Ein Weisshelm des syrischen Zivilschutzes kümmert sich um ein verletztes Mädchen. Bild: AFP

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Die Märkte von Maarat an-Numan in der Provinz Idlib liegen mitten in der Stadt, umgeben von mehrstöckigen Wohnhäusern und Geschäften. Zwar ist die Versorgungslage in der letzten verbliebenen Rebellenenklave im Nordwesten Syriens schlecht, aber wer genug Geld hat, kauft dort sein frisches Gemüse. Bisher. Anfang vergangener Woche kam es an zwei Märkten zu den schwersten Luftangriffen seit Beginn der russisch-syrischen Offensive im vergangenen April. Mindestens 59 Zivilisten wurden nach UN-Angaben getötet und mehr als 100 Menschen verletzt.

Auch an den Tagen danach kam es zu schweren Luftangriffen auf die Provinz Idlib. Mehr als 100 Zivilisten sollen dabei getötet worden sein. Die Bilder, die aus der Provinz Idlib kommen, sind dramatisch: Am Mittwoch wurde eine Familie aus Ariha von einem Angriff überrascht. Ein Vater musste mitansehen, wie seine Töchter sich an die herabstürzenden Etagen ihres Hauses klammern. Ein Mädchen überlebte den Angriff nicht. Inmitten der Bergungsarbeiten in Maarat an-Numan brüllte eine Frau unter Tränen in die Kamera: «Wir werden jeden Tag bombardiert. Wir werden jeden Tag getötet. Mister Trump! Bitte stoppen Sie das!» Aktivisten beschuldigen die russische Luftwaffe, die jüngsten Angriffe geflogen zu haben. Das russische Verteidigungsministerium wies die Vorwürfe zurück.

Im vergangenen Dezember kündigte der US-Präsident den Abzug der US-Truppen aus Syrien an. Der syrische Präsident Baschar al-Assad herrscht wieder über weite Teile Syriens und wird von Russland und Iran, seinen wichtigsten Verbündeten, bei der Rückeroberung der letzten Gebiete unterstützt. Die Provinz Idlib sowie Teile der angrenzenden Provinz Hama, in der rund drei Millionen Zivilisten leben, wird militärisch weitgehend von Hayat Tahrir al-Scham (HTS) kontrolliert, einer al-Qaida nahestehenden Miliz.

Krankenhäuser unter den Zielen

Doch die Rebellenenklave ist eben auch Zufluchtsort für Vertriebene und Zivilisten, die sich weigern unter Baschar al-Assad zu leben. Sie fürchten seit Monaten einen Einmarsch der syrischen Armee. Die Luftangriffe richteten sich auch gegen Krankenhäuser, deren Standorte zuvor von den Vereinten Nationen an die Kriegsparteien herausgegeben wurden, eigentlich, um den Beschuss zu verhindern. Seit Beginn der Offensive auf Idlib wurden der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte zufolge mehr als 700 Zivilisten getötet und mehr als 300'000 Menschen vertrieben.

Doch Ausweichmöglichkeiten gibt es keine: Die Grenze zur Türkei ist dicht. Seit Montag ist der US-Sonderbeauftragte für Syrien, James Jeffrey, in Ankara und verhandelt mit dem Nato-Partner über die Einrichtung einer Pufferzone in Nordsyrien. Ankara will, dass sich die Kurdenmiliz YPG zurückzieht. Sie gilt ihnen als Ableger der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK. Doch die Gespräche verliefen erfolglos. Am Freitag kündigte Präsident Recep Tayyip Erdogan eine Militäroperation an. «Wir sind entschlossen, den Terrorkorridor östlich des Euphrats zu zerstören», sagte Erdogan vor AKP-Mitgliedern in Ankara. Zuletzt hat die Türkei ihre Truppen an der Grenze verstärkt.

Erstellt: 27.07.2019, 19:24 Uhr

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