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Wo China die Welt sauberer macht

Die Volksrepublik gilt vielen als Umweltsünder schlechthin. In Sachen Elektroautos prescht China aber vor.

Der Besuch in einer chinesischen Grossstadt führt meist zur Reizüberflutung: Auf den Trottoirs wird gerempelt und gespuckt, exotische Düfte vernebeln die Sinne, und bis zum Gehörsturz ist es selten weit: Lärm überquillt an jeder Strassenecke.

Die grösste Gefahr rollt jedoch leise heran: die Elektroscooter. Zu Hunderten, nein Tausenden verstopfen sie die Strassen von Kunming, Nanjing, Chengdu oder wie die Millionenstädte sonst noch heissen. Das überfordert den ordnungsverwöhnten Schweizer – die Strassenüberquerung wird zur Mutprobe. Doch die Erkenntnis daraus vermag auch zu beruhigen. China ist das Land der Elektroscooter. Ausgerechnet China, dessen Industrie sich jahrzehntelang um die Umwelt foutierte.

China ist wohl bald auch das Land der Elektroautos. Wenn es dies nicht schon heute ist. In keinem anderen Land sind die Zuwachszahlen für E-Autos derart markant. 351'000 Fahrzeuge wurden in der Volksrepublik letztes Jahr verkauft. 2015 waren es noch 190'000 – eine Steigerung von 85 Prozent. Die Regierung unternimmt einiges, um der Bevölkerung den Kauf von E-Cars schmackhaft zu machen. Mit direkten finanziellen Anreizen und Vorteile bei der Zulassung versucht Peking, das CO2-verschmutzte Land ein wenig sauberer zu machen.

Zusätzlich auferlegt die Regierung der Branche radikale Vorgaben. Bis 2019 sollen mindestens acht Prozent des Absatzes der grossen Autobauer batteriebetrieben sein. Zudem müssen 2020 insgesamt 70 Prozent der verkauften E-Fahrzeuge und Hybride chinesische Marken sein. Protektionismus soll helfen: Auf importierte E-Autos gibt es beispielsweise keine Subventionen, die Importzölle sind hoch.

Chinas staatliche Verordnung steht konträr zur Schweizer Politik. Einzelne Kantone bevorzugen zwar den Kauf von E-Fahrzeugen steuerlich, doch primär wird auf den freien Markt gesetzt. Mit hinderlichen Folgen für die schnelle Umstellung auf die Elektrovariante: Noch immer fehlen Ladestationen, was für den Kauf eines E-Autos ein schlechtes Argument ist. Der Verkauf ist im letzten Jahr entsprechend ins Stocken geraten. Gemäss der SRF-Sendung «Rundschau» waren von 317'318 verkauften Personenwagen gerade einmal 3295 Elektrofahrzeuge mit Batteriebetrieb – also nur rund ein Prozent.

Für Ferdinand Dudenhöffer, Professor für Automobilwirtschaft an der Universität Duisberg-Essen, ist das Beispiel China ein Glücksfall für die Umwelt. «China zwingt die Autobauer umzustellen», sagt Dudenhöffer im Radio SRF. Als wichtigster Markt für das Fahrzeuggeschäft könne das Land die Regeln bestimmen. Würden sich europäische oder amerikanische Hersteller diesem Trend nicht fügen, so fände das Geschäft ohne sie statt. Marken wie Ford, Audi, Porsche, VW oder Mercedes seien in China nicht mehr verkäuflich, wenn sie nicht elektrifiziert würden. Gerade in den USA habe jedoch mit der Wahl von Donald Trump ein gegenteiliger Trend eingesetzt: «Unter dem neuen US-Präsident wird Öl wieder billig. Für CO2 interessiert er sich überhaupt nicht.»

Das Herz der Elektromobilbranche schlägt ohnehin schon länger in Asien. Gemäss dem CAR-Center Automotive Research der Universität Duisburg-Essen hat Europa die Produktion der Batteriezellen – dem eigentlichen Motor der Autos – verschlafen. Die Nachfrage werde sich in den nächsten neun Jahren versiebzigfachen. «So gut wie keine Batterien werden aus Europa kommen», sagt Institutsleiter Dudenhöffer. Bei benzinbetriebenen Autos konnten chinesische Hersteller nie vorne mitmischen. Für die Vorherrschaft auf dem Markt der E-Autos sind die Weichen jedoch gestellt.

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