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Pariser Witwer schreibt Brief an Terroristen

«Ich werde euch nicht das Geschenk machen, euch zu hassen», schreibt Antoine Leiris auf Facebook. Seine Frau kam in der Konzerthalle Bataclan um Leben.

«Natürlich bin ich von Trauer überwältigt, den kleinen Sieg gestehe ich euch zu»: Antoine Leiris im BBC-Video. (18. November 2015) (Screenshot: BBC)
«Natürlich bin ich von Trauer überwältigt, den kleinen Sieg gestehe ich euch zu»: Antoine Leiris im BBC-Video. (18. November 2015) (Screenshot: BBC)

Mit einem bewegenden Appell gegen fanatischen Hass hat der Ehemann einer bei den Pariser Terroranschlägen getöteten Frau weltweit Herzen berührt. Antoine Leiris' Gattin Helene war unter den 89 ermordeten Besuchern der Konzerthalle Bataclan. Als Antwort auf die unfassbare Tragödie verfasste er auf Französisch eine Botschaft, die die Poesie eines Liebesbriefs mit trotziger Entschlossenheit im Angesicht des Bösen verbindet.

Fast 200'000 Mal wurde der auf seiner Facebook-Seite zugängliche Beitrag schon geteilt, Millionen Menschen lasen ihn in etlichen Übersetzungen. Am Mittwochabend strahlte die BBC einen Film aus, in dem der als Radiojournalist tätige Leiris seinen Brief in englischer Sprache vortrug:

«Ich werde euch nicht das Geschenk machen, euch zu hassen. Mit Wut auf Hass zu antworten, würde bedeuten, sich genau jener Ignoranz hinzugeben, die euch zu dem gemacht hat, was ihr seid», sagte Leiris den Attentätern mit lauter Stimme. «Ihr wollt, dass ich Angst habe. Dass ich argwöhnisch meine Mitbürger beäuge. Dass ich meine Freiheit der Sicherheit opfere. Ihr habt verloren.»

(Video: Youtube/BBC)

«Ich sah sie heute Morgen»

Dann schilderte Leiris seine Erlebnisse, als er den leblosen Körper seiner Frau im Leichenschauhaus identifizierte.

«Ich sah sie heute Morgen. Sie war genau so schön wie sie an jenem Freitagabend war, als sie das Haus verliess. Genau so schön wie vor mehr als zwölf Jahren, als ich mich unsterblich in sie verliebte.» Begleitet wurden seine Worte von einer Fotomontage von den Attacken in Paris sowie einem Porträt seiner 35 Jahre alten Frau, die den 17 Monate alten gemeinsamen Sohn Melvil im Arm hält.

«Natürlich bin ich von Trauer überwältigt, den kleinen Sieg gestehe ich euch zu, aber der Kummer wird von kurzer Dauer sein. Ich weiss, dass sie jeden Tag bei uns sein wird und dass wir uns in einem Paradies der freien Seelen wiederfinden werden, zudem ihr nie Zugang haben werdet.»

Zum Schluss drückte Leiris seine Entschlossenheit aus, seinen Sohn Melvil «glücklich und frei» aufzuziehen. «Denn nein, seinen Hass werdet ihr auch nicht bekommen.»

SDA/chk

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