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Reporter warnte auf Facebook vor Anschlägen

Ein syrischer Journalist hatte bereits im Februar vor Attentaten in Paris gewarnt, nachdem er offenbar ein Gespräch unter IS-Jihadisten belauscht hatte.

Zwei Festnahmen in Molenbeek: Die Polizei vor der durchsuchten Wohnung in der belgischen Hauptstadt. (20. Dezember 2015)
Zwei Festnahmen in Molenbeek: Die Polizei vor der durchsuchten Wohnung in der belgischen Hauptstadt. (20. Dezember 2015)
Nicolas Maeterlinck, AFP
Im Pariser Vorort Villiers-sur-Marne wurde im Zuge der Ermittlungen zu den Anschlägen vom 13. November ein Mann verhaftet. Der 29-Jährige wohnte noch bei seiner Mutter: Wohnblock des Verhafteten. (15. Dezember 2015)
Im Pariser Vorort Villiers-sur-Marne wurde im Zuge der Ermittlungen zu den Anschlägen vom 13. November ein Mann verhaftet. Der 29-Jährige wohnte noch bei seiner Mutter: Wohnblock des Verhafteten. (15. Dezember 2015)
Alexandre Hielard, AFP
Der Place de la Republique in Paris zeugt von der grossen Trauer in Frankreich nach den Anschlägen. (17. November 2015)
Der Place de la Republique in Paris zeugt von der grossen Trauer in Frankreich nach den Anschlägen. (17. November 2015)
Joel Saget, AFP
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Am 11. Februar 2015 will der syrische Undercover-Reporter Tim Ramadan in einem Internetcafé ein Gespräch zwischen zwei IS-Kämpfern mitgehört haben, wie «Die Welt» schreibt. Die Männer trafen sich in der Stadt Deiressor, nur zwei Fahrstunden von Raqqa entfernt.

«Einer von ihnen war der Belgier Abu Ibrahim, der andere ein gross gewachsener Mann», schreibt Ramadan auf einer syrischen Website am Mittwoch. Sie dachten, er spreche kein Englisch, nachdem er auf Testfragen nicht geantwortet hatte.

Ibrahim berichtete, er habe von einer Operation gehört, die in Frankreich vorbereitet werde. Zwei der Attentäter würden bereits diesen Monat nach Frankreich aufbrechen. Weitere sollten folgen und zusammen mit einer Gruppe von vier Franzosen Anschläge in Paris und in anderen europäischen Hauptstädten planen. «Diese Gruppe in Frankreich erwartet unsere Ankunft, Waffen und Sprengstoff seien in Vorbereitung», soll Ibrahim gesagt haben. Und weiter: «Ich bin so froh, dass der IS auf Jihad nach Europa geht.»

«Mir tut es so leid»

Ob die IS-Kämpfer tatsächlich über die Attentate von Paris sprachen, bleibt unklar. Das Gespräch beweist aber, dass der IS seit längerer Zeit Attentate in Europa plante.

Die Worte des Journalisten auf Facebook verhallten ungehört. «Mir tut es so leid, ich hatte gehofft, meine Worte würden Frankreich erreichen, um Vorsichtsmassnahmen zum Schutz von Unschuldigen treffen zu können», so Ramadan. Er arbeitet beim geheimen Netzwerk «Raqqa is silently slaughtered» (RISS), das aus Syrien über die Aktivitäten des IS berichtet.

Exclusive ...... received me from a private leaksAbout impending attacks in France in the next few weeks will be an...Posted by Tim Ramadan on Friday, 20 February 2015

Türkischer Geheimdienst warnte

Warnungen gab es offenbar auch aus der Türkei. Der türkische Geheimdienst MIT will die Franzosen vor Ismaël Omar Mostefaï gewarnt haben, der als einer der Selbstmordattentäter im Konzertsaal Bataclan identifiziert wurde.

Der MIT habe Frankreich im Dezember 2014 und Juni 2015 zweimal über den Aufenthaltsort von Mostefaï informiert. Doch die französischen Behörden hätten nicht darauf reagiert, behauptet ein türkischer Experte.

Frankreich habe die türkische Regierung im vergangenen Jahr um Informationen über vier französische Staatsbürger gebeten, die unter Terrorverdacht standen und sich vermutlich in der Türkei aufhielten.

«Wir hielten ihn für verdächtig»

«Bei der Überprüfung dieser Leute stiessen wir auf Mostefaï», sagt ein mit der Angelegenheit Vertrauter, der anonym bleiben will. «Wir hielten ihn für ebenso verdächtig wie die vier anderen», sagte er gemäss einem Bericht von Spiegel.de. «Hätten sie unsere Informationen ernst genommen, hätten sie ihn vielleicht erwischt.»

Frankreichs Aussenminister Laurent Fabius erklärte kürzlich, er wisse nichts von den türkischen Warnungen über Mostefaï. Man sollte Informationen künftig mehr austauschen und teilen, sagte er.

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