«In 10 Jahren haben wir ein vereinigtes Eurasien»

Der Brexit ist ganz im Sinne Russlands und dessen Politiker. Und auch der Kremlsender RT mischt mit.

Politische Korrektheit, der Hai, der alles auffrisst: Karikatur zum Brexit.

Politische Korrektheit, der Hai, der alles auffrisst: Karikatur zum Brexit. Bild: Ben Garrison / Twitter

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Als feststeht, dass das Vereinigte Königreich die EU verlassen wird, verleiht Boris Titov seiner Freude Ausdruck. Auf Facebook schreibt er, der Brexit würde Europa von den Angelsachsen abspalten – und Grossbritannien so in die Nähe der Amerikaner rücken. «Das ist der wichtigste Langzeiteffekt», analysiert Titov. Er schliesst mit: «Nun, in 10 Jahren werden wir ein vereinigtes Eurasien haben.»

Titov ist Unternehmer und Politiker der Partei Rechte Sache, einer wirtschaftsliberalen und nationalkonservativen Partei, die politisch in der Nähe des Kreml verortet wird. Er wurde von Wladimir Putin zum Kommissar für die Rechte für Unternehmer ernannt.

Auch der ehemalige Botschafter sieht den Vorteil bei Russland

Der ehemalige US-Botschafter in Russland, Michael McFaul, stimmt in den Russlandtenor mit ein. Auf die Frage, ob Wladimir Putin nicht sowieso immer gewinne, antwortete McFaul auf Twitter: «Nicht immer, aber die heutige Nacht ist ein gigantischer Sieg für Putins aussenpolitische Ziele.» Man solle ihm Respekt zollen. Weiter schrieb er: «Ich muss Putin aufrichtig gratulieren für seinen heutigen Sieg zum Brexit, aber Russen schreien nun defensiv: ‹Putin ist nicht schuldig!› Was soll das heissen?»

Das sorgte für einen ordentlichen Empörungssturm. Kritiker sagten, Putin habe nichts mit dem Ausgang der Brexit-Abstimmung zu tun. Eine Empörung, die auch der vom russischen Staat finanzierte Sender RT dankend annahm, um McFaul als Verschwörungstheoretiker zu bezeichnen. Es sei nicht anständig, bei jedem Problem Russland damit in Verbindung zu bringen, zitiert der Sender Wladimir Putin.

McFaul lieferte sich darauf einen Twitter-Kampf mit mehreren RT-Angestellten: «Ich schaue hin und wieder RT. Alle, was ich dort höre, ist, wie böse Amerika ist. Nicht besonders viele Win-win-Themen, über die dort berichtet werden. Zeigen Sie mir eines.»

Karikaturen für den Brexit

Doch auch andere Antiglobalisten feiern den Brexit als Sieg für Russland – und Indikator für einen Sieg Donald Trumps bei den US-Wahlen im Herbst. So auch der konservative Blogger Milo Yannopoulos:

Und auch der Trumps Politik nahestehende Karikaturist Ben Garrison hat sich mit einer Interpretation des Brexit-Resultates zu Wort gemeldet; in sehr ähnlicher Weise, wie das bereits Boris Titov getan hat:

(rsz)

Erstellt: 25.06.2016, 07:22 Uhr

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