«Selbstmord!»

Wahnsinn, Krieg und Spice Girls: Der Brexit ist von Prominenten und Politikern seit dem Referendum mit allen möglichen Dingen verglichen worden. Eine Auswahl.

Haare! Haare fehlen auf der Liste, obwohl es bei Boris Johnson sehr nahe liegend wäre. Der Premier fasst sich oft rein. Foto: Getty Images

Haare! Haare fehlen auf der Liste, obwohl es bei Boris Johnson sehr nahe liegend wäre. Der Premier fasst sich oft rein. Foto: Getty Images

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Wer sich an die britische Ex-Regierungschefin Theresa May erinnern kann, dem klingelt vielleicht noch ihr Mantra «Brexit heisst Brexit» in den Ohren. Für den Satz, den sie stoisch in jeder Rede aufsagte, bekam sie den Spitznamen «Maybot» verliehen – weil sie wie ein Roboter stets dasselbe erzählte. Dabei hat der geplante Austritt Grossbritanniens aus der Europäischen Union schon viele andere Stilblüten hervorgebracht. Brexit heisst eben nicht unbedingt Brexit, sondern bedeutet noch ganz andere Dinge. Eine Auswahl von April 2016 bis Oktober 2019.

«Manchmal denke ich, dass die Anti-Brexit-Kampagne wohl auf einem Drehbuch von George R.R. Martin und Stephen King beruht – der Brexit wäre eine Kombination aus ‹Ein Fest für Krähen› und ‹Sie›.»

Michael Gove, einer der grössten Unterstützer der Brexiteers, im April 2016, vor dem Referendum. Inzwischen ist er Vizepremier Grossbritanniens. Und womöglich sind ihm die Witzchen über die Schwarzmalerei der Brexit-Gegner längst vergangen.

«Der Brexit war ein fantastisches Beispiel für eine Nation, die sich selbst voll ins Gesicht schiesst.»

Hugh Grant im August 2016. Der britische Schauspieler und Held aller romantischen Komödien der 90er Jahre war von Anfang an ungehalten über den Austritt der Briten. Kürzlich legte er noch einmal gegen Premierminister Boris Johnson nach – in nicht jugendfreien Worten.

«Für den Austritt zu stimmen war Wahnsinn. Aus meiner Sicht war es, wie sich die Nase abzuschneiden, um das Gesicht zu ärgern.»

Charlie Brooker, britischer Humorist und Autor, im Oktober 2016. Dass eine bestimmte Folge seiner Science-Fiction-Serie «Black Mirror» als eine einzige unschmeichelhafte Anspielung auf den früheren Premier und Brexit-Verantwortlichen David Cameron zu lesen ist, nannte Brooker einen Zufall.

«Selbstmord!»

Zwischenruf eines nicht identifizierten Labour-Abgeordneten im House of Commons, als das Unterhaus den Austrittsprozess im Februar 2017 offiziell einleitete.

«Der Brexit war Krieg. Wir haben gewonnen.»

Das sagte der britische Unternehmer und Multimillionär Arron Banks im April 2017. Er war einer der massgeblichen Financiers der Austrittskampagne der EU-Gegner und spendete mehr als acht Millionen Pfund. Vorwürfe, das Geld stamme aus Russland, konnten nicht erhärtet werden.

«Der Brexit ist eine selbstzugefügte Wunde. Die Menschen in diesem Land halten das Messer, aber sie müssen es nicht benutzen, wenn sie nicht wollen.»

Anna Soubry im Sommer 2017, als sie noch eine Tory-Abgeordnete war. Aus Ärger über den Brexit trat sie später aus der Partei aus, inzwischen ist sie Vorsitzende der Unabhängigen Gruppe «Change UK».

«Der Brexit war der erste Stein, der aus der Mauer des Establishments herausgeschlagen wurde.»

Nigel Farage, früherer Chef der Anti-EU-Partei Ukip, inzwischen Chef der Brexit-Partei und Mitglied im Europäischen Parlament seit 1999, sagte den Satz im Mai 2018. Das «Establishment», zu dem er als Spitzenpolitiker selbst gehört, ist sein erklärter Feind.

«Niemand hat eine verdammte Ahnung, was der Brexit ist.»

Danny Dyer, britischer Comedian und Moderator, im Juni 2018.

«Das ist wie bei Geri Halliwell, als sie ihre Fähigkeiten als Solokünstlerin überschätzte und die Spice Girls verliess.»

Plakat-Spruch auf einer Anti-Brexit-Demo im Oktober 2018. Der Vergleich zwischen Brexit und der Trennung der Spice Girls ging sofort viral. Geri Halliwells Karriere war nach ihrem Austritt von Erfolglosigkeit geprägt.

«Für einen No-Deal-Brexit zu stimmen, ist, als würde die Titanic dafür stimmen, dass der Eisberg den Weg frei machen soll.»

Der niederländische Premier Mark Rutte im März 2019.

«Brexit ist, wie einen Berg zu besteigen. Wir brauchen Wachsamkeit, Entschlossenheit und Geduld.»

EU-Chefunterhändler Michel Barnier im Oktober 2019 – einer, der das Nervenbewahren zum Beruf gemacht hat.

«Wir sind auf dem Hillary Step, auf dem besten Weg zum Gipfel, aber er ist noch in Wolken gehüllt.»

Boris Johnson, britischer Premier, einen Tag vor der Einigung mit der EU im Oktober 2019. Der Hillary Step ist eine steile Felsstufe unterhalb des Gipfels des Mount Everest, er war für dessen Erstbesteiger Edmund Hillary und Tenzing Norgay die letzte grosse Hürde.

«Brexit ist wie ‹Die Verurteilten›, aber jetzt können wir das Licht sehen.»

So zitiert die Tageszeitung «The Daily Telegraph» Boris Johnson am 17. Oktober 2019. Der Film «Die Verurteilten» handelt von einem Mann, der zu Unrecht im Gefängnis sitzt – 19 Jahre lang – und am Ende erfolgreich ausbricht.

«Es gilt nach wie vor, dass, wenn wir eine gute Lösung finden wollen, das etwa der Quadratur des Kreises gleicht.»

Bundeskanzlerin Angela Merkel am 17. Oktober 2019 – dem Tag des EU-Gipfels, der den neuen Brexit-Deal hervorgebracht hat.

Video: Chronik zum Brexit – Ein britisches Chaos

Von Camerons Referendums-Ankündigung bis zu Johnsons Deal: Ein Überblick über die Geschehnisse rund um den Brexit seit 2013. (Webvideo Tamedia)

(Zusammengetragen von Jana Anzlinger, Dominik Fürst, Magdalena Pulz und Markus C. Schulte von Drach)

Erstellt: 18.10.2019, 14:00 Uhr

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