Camerons Trost

Welche Melodie sang der Premierminister nach seinem Abgang?

DER Moment: Der Premier betritt nach seinem letzten Auftritt die 10 Downing Street mit einem Lied auf den Lippen. Quelle: Peter Nicholls (Reuters)

DER Moment: Der Premier betritt nach seinem letzten Auftritt die 10 Downing Street mit einem Lied auf den Lippen. Quelle: Peter Nicholls (Reuters)

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Hat er wirklich vergessen, sein Funkmikrofon abzustellen, ausgerechnet nach dem letzten Auftritt an der Downing Street? Oder liess David Cameron es mit Absicht an? Sollte die Welt erfahren, wie es ihm gehe, nämlich gut, froh, heiter?

Der frühliche Abgang des Premiers. Quelle: indepentent.co.uk

Tatsache ist, dass Cameron am Montag singend von der Presse ging; und dass er dann das Regierungshaus mit einem zackigen «right» betrat. Und auf diese Weise deutlich machte, dass der Rücktritt für ihn kein Ende bedeute, sondern einen Anfang. Man komme nicht weiter im Leben, hat der amerikanische Romancier John Irving geschrieben, ohne etwas zu beenden und mit etwas anderem anzufangen.

Die englische Presse fiel sofort über die Melodie her und hörte sie auf mögliche Vorbilder ab. Classic FM, der Londoner Internetsender, überschrieb die kurze Komposition mit «Camerons Klagelied». Die 108 Schläge pro Minute suggerierten einen aktiven Auftritt, der Dreivierteltakt klänge aber unstet, zudem beginne das Stück fanfarengleich, verlöre dann aber das Selbstbewusstsein.

Wenn Sie beim Lesen eine Migräne ergreift, halten Sie sich an den «Independent», der hat eine einfachere Vermutung geäussert: David Cameron habe die Lieblingsmelodie seines amerikanischen Kollegen Josiah Bartlet nachgesungen. Den hat es zwar nie gegeben. Aber er hat, gespielt von Martin Sheen, die siebenteilige Serie «The West Wing» angeführt: als Präsident mit Integrität, Leidenschaft und Humor.

Erkennungsmeldoie von «The West Wing». Quelle: Youtube

Der Serie wurde vorgeworfen, sie forme ihre linken Utopien zu einer beschönigenden Erzählung der amerikanischen Politik. Präsident Bartlet tritt nach 8 Jahren und 156 Folgen geachtet und geehrt zurück. David Cameron geht nach 5 Jahren und hinterlässt ein Chaos. Liebe bekommt er keine. Umso mehr braucht er Trost.

Erstellt: 12.07.2016, 23:26 Uhr

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