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Der Langredner war plötzlich sprachlos

Ian Blackford, der Kämpfer für Schottlands Unabhängigkeit, ist Boris Johnsons gefährlichster Gegner.

Er setzt sich für die Unabhängigkeit Schottlands ein: Ian Blackford von der Schottischen Nationalpartei. Foto: Getty Images
Er setzt sich für die Unabhängigkeit Schottlands ein: Ian Blackford von der Schottischen Nationalpartei. Foto: Getty Images

Er war erkennbar sauer: Gerade erst hatte er doch ausführlich erklärt, warum das Ergebnis der Parlamentswahlen in Grossbritannien den Schotten ein eindeutiges Mandat für die Unabhängigkeit gegeben habe – ­immerhin hätten die Schotten mehrheitlich seine Partei gewählt, die ein neues Referendum wolle. Aber der Mann aus Edinburgh sah sich mit den eigenen Waffen geschlagen. Sky-­Moderatorin Sophie Ridge konterte: Die Tories seien gegen ein erneutes Referendum. Und die Tories hätten die Wahl gewonnen, zudem stellten sie die Regierung des Landes. Ob das kein demokratisches Mandat sei? Blackford war – und das ist wirklich selten – für kurze Zeit sprachlos.

Er möchte weg vom Königreich und hin zur EU

Parallel zu Ministerpräsidentin Nicola Sturgeon war der Fraktionschef der Schottischen Nationalpartei (SNP) im britischen Unterhaus losgeschickt worden, um ebendieses demokratische Mandat der Schotten für ein zweites Unabhängigkeitsreferendum zu reklamieren. Die SNP hatte in der Wahl um 13 auf 48 Sitze zugelegt und Tories, Liberaldemokraten sowie Labour Mandate abgenommen.

Blackford, der seit 2015 Abgeordneter für Ross, Skye und Lochaber und seit 2017 Fraktionschef in London ist, hatte einen Teil der Medienoffensive für ein neues Referendum übernommen, denn nach seiner Ministerpräsidentin ist er ausserhalb von Schottland das bekannteste Gesicht der Partei. In den vergangenen Jahren profilierte er sich mit langen, bisweilen sehr pathetischen Reden im Parlament, in denen er erst Theresa May und später dann Boris Johnson vorhielt, sich keinen Deut um die Schotten zu scheren und mit dem Brexit ein Programm zu verfolgen, das die grosse Mehrheit seiner Landsleute aus ganzem Herzen ablehne. Sein Traum: ein Referendum und dann eine Wiederannäherung an die EU.

Johnson müsse «das Richtige tun», sagte Blackford; nicht umsonst hätten die Tories 7 ihrer 13 Sitze in Schottland verloren.

Der langjährige Investmentbanker Blackford hatte 2014, aus Anlass des ersten, damals gescheiterten Referendums, einen detaillierten Report über den Bankensektor eines eigenständigen Schottland geschrieben. Sollte sich Premier Boris Johnson jetzt nicht dazu bereit erklären, das Plazet Londons für eine zweite Volksbefragung im Norden zu geben, setzt Blackford auf die nächsten schottischen Wahlen, die schon in zwei Jahren anstehen. Sollten die Schottischen Nationalisten auch diese Abstimmung haushoch gewinnen, könnten London und Edinburgh tatsächlich auf eine Verfassungskrise zusteuern.

Nicola Sturgeon hat nach dem Wahlerfolg vom 12. Dezember zwar verneint, dass ihre Landsleute den Aufstand gegen London proben würden; das müssten sie gar nicht. Denn Schottland habe ja ein Recht auf das Votum. Aber Blackford mochte das nicht so einfach ausschliessen. Johnson müsse «das Richtige tun», sagte er; nicht umsonst hätten die Tories 7 ihrer 13 Sitze in Schottland verloren. «Wir bewegen uns in unterschiedliche Richtungen», sagte er, London müsse Macht an Edinburgh abgeben.

Kämpferisch, wie er ist, hatte er auf dem SNP-Parteitag in Aberdeen nicht nur Johnsons Tories, sondern auch Labour und Liberaldemokraten auf­gefordert, die Sache der Schotten zu unterstützen. Von jetzt an wird Ian Blackford wohl Boris Johnsons härtester Gegner sein.

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