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Eine riskante Aktion, aber einleuchtend

Im Minenfeld des Brexit liegen auch bei Labour die Nerven blank. Die Zukunft der Partei hängt von Jeremy Corbyn ab.

MeinungPeter Nonnenmacher

War das klug? Dass sieben Labour-Abgeordnete im Protest aus ihrer Partei austraten? Haben diese «Abtrünnigen» mit ihrem Schritt irgendetwas bewirkt? Haben sie, wie sie glauben, damit begonnen, das britische Parteiengefüge aus den Angeln zu heben? Oder spielen sie nur den Gegnern Labours, den Konservativen, in die Hände? So viele Fragen hat die spektakuläre Aktion in Westminster aufgeworfen. So wenig an Antworten hat sie produziert.

Klar ist fürs Erste nur, dass die sieben es bitterernst meinten. Hier ging es nicht bloss um den generellen politischen Kurs, um fraktionelle Gegen­sätze. Sondern hier wallte ganz konkret Zorn auf über neue Tendenzen, die seit Jeremy Corbyns Amtsantritt 2015 auf fatale Weise von Labour Besitz ergriffen haben.

Ein übler Antisemitismus in der Partei hat zum Beispiel dazu geführt, dass die jüdische Abgeordnete Luciana Berger sich erst monatelang anonymen Morddrohungen und dann, als sie über mangelnden Beistand klagte, zynischen Absetzungsmanövern ausgesetzt sah. Bergers bittere Abschiedsworte gestern sagten einiges über den Zustand Labours aus.

Auch dass Corbyn mitten in der grössten Nachkriegskrise Grossbritanniens aus purer EU-Antipathie stur die Augen verschliesst vor bedrohlichen Brexit-Folgen, nährt ein Mass an Unmut, das sich nun Luft verschafft hat. Im Grunde sprachen die sieben vielen Parteigängern aus dem Herzen. Eine überwältigende Mehrheit von Labour-Mitgliedern fordert eine neue Volksabstimmung. Aber Corbyn, der nur Brexit will, stellt sich taub.

Wird sich die Partei die gestrige Abspaltung nun zur Warnung dienen lassen? Im Minenfeld des Brexit liegen auch bei Labour die Nerven blank. Zweifellos sind die Rebellen das persönliche Risiko eingegangen, wegen des vertrackten britischen Wahlsystems in die Bedeutungslosigkeit abzuwandern. Die meisten Labour-Leute, auch die Gegner Corbyns, suchen vorerst innerhalb der Partei weiterzustreiten. Wie lange die Partei zusammenhält, hängt aber nicht zuletzt von Corbyn ab.

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