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Getötete Brexit-Gegnerin – Prozess hat begonnen

Am 16. Juni wurde die britische Abgeordnete Cox ermordet. Zu Beginn des Verfahrens fordert der Richter die Geschworenen auf, sich nicht medial beeinflussen zu lassen.

Ein Gerichtszeichner hat den Tatverdächtigen (Bildmitte) im Westminster Magistrates Court skizziert. (18. Juni 2016)
Ein Gerichtszeichner hat den Tatverdächtigen (Bildmitte) im Westminster Magistrates Court skizziert. (18. Juni 2016)
Reuters
Der Prozess dürfte drei Wochen dauern: Medienvertreter stehen vor dem Haus des mutmasslichen Mörders.
Der Prozess dürfte drei Wochen dauern: Medienvertreter stehen vor dem Haus des mutmasslichen Mörders.
Oli Scarff, Keystone
Jo Cox starb kurz vor ihrem 42. Geburtstag und hinterlässt einen Mann und zwei Kinder. (Archivbild)
Jo Cox starb kurz vor ihrem 42. Geburtstag und hinterlässt einen Mann und zwei Kinder. (Archivbild)
Keystone
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Vor dem Londoner Strafgericht Old Baileys hat der Prozess wegen der Ermordung der britischen Abgeordnete und Brexit-Gegnerin Jo Cox begonnen. Angeklagt ist ein 53-jähriger arbeitsloser Gärtner. Das Verfahren soll bis zu drei Wochen dauern.

Der Mord geschah am 16. Juni – genau eine Woche vor dem historischen EU-Referendum. Die Staatsanwaltschaft geht von einem politisch motivierten Verbrechen aus. Die 41 Jahre alte Cox hatte sich für einen Verbleib Grossbritanniens in der EU stark gemacht.

Das Verfahren begann am Montag zunächst mit der Auswahl der Geschworenen. Der Richter forderte die zwölf Geschworenen auf, sich nicht durch die Medien beeinflussen zu lassen. Sie sollten während des vermutlich dreiwöchigen Prozesses etwa nicht im Internet über den Fall recherchieren.

Schock für Grossbritannien

Die Ermordung hatte Grossbritannien seinerzeit schockiert. Cox war während einer Bürger-Sprechstunde in ihrem Wahlkreis in der Nähe von Leeds attackiert worden. Der Angreifer soll «Britain first» (Grossbritannien zuerst) gerufen haben, er habe mehrere Schüsse abgegeben und auf sein Opfer eingestochen.

Bei einer ersten gerichtlichen Vernehmung sagte der Angeklagte auf die Frage, wie er heisse: «Tod den Verrätern, Freiheit für Grossbritannien». Die Untersuchungsrichterin hatte bereits vorher geraten, einen Psychiater hinzuzuziehen.

Die Polizei ging eigenen Angaben zufolge Hinweisen nach, dass der Angeklagte früher Kontakte zu einer Nazigruppe in den USA sowie zu einer Rassistenorganisation in Südafrika hatte. Andere Hinweise deuteten dagegen darauf hin, dass es sich bei ihm um einen Einzelgänger und eine verwirrte Person handeln dürfte.

Unterbruch im Abstimmungskampf

Der Brexit-Abstimmungskampf war nach dem Mord an Cox vorübergehend ausgesetzt worden. Es gab Vorwürfe, die aufgeheizte Stimmung habe die Tat begünstigt. Führende Politiker riefen zur Mässigung auf, es dürfe keinen Hass und keine Ausgrenzung in der politischen Debatte geben.

Cox hatte sich vor allem auch für die Rechte von Flüchtlingen eingesetzt - der Kampf gegen Migranten war damals ein Hauptthema im Brexit-Wahlkampf. Bei dem historischen Referendum Ende Juni votierten die Briten mit fast 52 Prozent, aus der Europäischen Gemeinschaft auszutreten.

SDA/kat

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