«In Gottes Namen, Mann, gehen Sie!»

Im britischen Unterhaus liegen die Nerven blank: Noch-Premier David Cameron fordert Labour-Chef Jeremy Corbyn zum Rücktritt auf.

Sturz des Oppositionschefs: Gemäss David Cameron ist die Labour-Führung durch Jeremy Corbyn nicht im nationalen Interesse.

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Der scheidende konservative Premierminister David Cameron hat Oppositionschef Jeremy Corbyn scharf angegriffen und zum Rücktritt aufgefordert. «In Gottes Namen, Mann, gehen Sie!», rief Cameron, der nach dem Brexit-Votum seinen Rücktritt angekündigt hat, dem Labour-Vorsitzenden im britischen Parlament zu. Es sei zwar für die Konservativen nützlich, wenn Corbyn weiter die Opposition führe, aber nicht im nationalen Interesse.

Die Labour-Fraktion revoltiert seit Tagen gegen den Parteilinken Corbyn und hatte ihm am Dienstag mit grosser Mehrheit das Misstrauen ausgesprochen. Das Votum hat aber keine bindende Konsequenz.

Corbyn, der von der Parteibasis im Herbst überraschend ins Amt gewählt worden war, will nicht zurücktreten und wieder kandidieren, falls ein neuer Labour-Chef gewählt wird. Die Fraktion wirft ihm vor, er habe im Abstimmungskampf gegen den Brexit eine schwache Figur gemacht und werde der Partei im Fall einer Neuwahl eine verheerende Niederlage einbrocken.

Arbeitsminister will Premier werden

Im Rennen um das frei werdende Amt des britischen Premiers hat sich bereits ein Kandidat in Stellung gebracht. Arbeitsminister Stephen Crabb hat seinen Hut in den Ring geworfen. Crabb sagte am Mittwoch in London, als Regierungschef werde er enge Beziehungen zur Europäischen Union suchen. Das Brexit-Referendum vergangene Woche habe aber ein klares Resultat ergeben, sagte Crabb weiter. Eine zweite Volksbefragung werde es nicht geben.

In den anstehenden Austrittsverhandlungen mit der EU werde die Kontrolle der Zuwanderung nicht verhandelbar sein. Dies werde mit dem weiteren Zugang der britischen Wirtschaft zum EU-Binnenmarkt allerdings schwer zu verbinden sein, sagte er.

Cameron, der für einen Verbleib in der EU eingetreten war, will sein Amt spätestens im Oktober abgeben. Über seine Nachfolge sollen die Mitglieder der konservativen Partei in einer Urwahl abstimmen. Als mögliche weitere Kandidaten werden Innenministerin Theresa May und der Kopf der Brexit-Kampagne und frühere Londoner Bürgermeister Boris Johnson gehandelt.

Vorgezogenen Wahlen in Grossbritannien steht Crabb skeptisch gegenüber. «Die Antwort auf Instabilität ist nicht die Schaffung neuer Unsicherheit», antwortete er auf eine entsprechende Frage. (thu/sda)

Erstellt: 29.06.2016, 14:33 Uhr

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