Johnson und Corbyn vom Publikum ausgelacht

Im ersten TV-Duell mogelte sich der britische Premier gestikulierend durch den Abend – der Oppositionsführer wich Fragen aus.

Gemäss einer Umfrage kämen die Tories derzeit auf knapp 38 Prozent der Stimmen, Labour auf gut 28 Prozent: Boris Johnson und Jeremy Corbyn im TV-Duell. Video: ITV
Video: Jonathan Hordle/ITV/Keystone

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Für Boris Johnson ging es darum, dass er einen Brexit-Deal «kochfertig» auf dem Downing-Street-Herd stehen hatte. Für Jeremy Corbyn, dass «echter Wandel und echte Hoffnung» vonnöten waren im Vereinigten Königreich. Es war die erste Livebegegnung des Premierministers und des Oppositionsführers vor der Kamera im Wahlkampf dieses Spätherbstes. Entsprechendes Interesse zog die TV-Debatte von gestern Abend auf sich.

Ein Duell des Titelhalters gegen den Herausforderer sollte es sein. Und der Brexit überschattete natürlich alles. Immer wieder wartete Tory-Premier Johnson mit seinem Slogan «Get Brexit Done».

Er werde, versicherte Johnson, das zähe Problem zum 31. Januar ein für alle Mal gelöst haben. Gelächter schallte ihm entgegen: Noch ist nicht vergessen, dass der 31. Oktober das letzte «endgültige» Datum war.

Corbyn wiederum hatte Mühe, die komplizierte Position seiner Partei zu erklären. Der Labour-Chef will, falls er zum Premier gewählt wird, erst eine milde Form von Austritt mit der EU aushandeln und diese dann in einem neuen Referendum zur Wahl stellen - mit der Option, ganz in der EU zu verbleiben.

Harte Bandagen

Mit harten Bandagen kämpfte aber vor allem Johnson, der Mann in der «blauen Ecke». Corbyn, warnte der Premier, wolle keine Position zum Brexit beziehen. Dafür plane er ein neues Referendum zur schottischen Unabhängigkeit. Und in Sachen Einwanderung weigere sich Corbyns Partei, den Briten die Kontrolle über ihre Grenzen zurückzugeben. Zornig wehrte sich Corbyn in der «roten Ecke» seiner Haut.

Von hier führte der Weg der Debatte zur Frage, wie viel Unterstützung die öffentlichen Dienste von Regierungsseite erhalten sollten – und was das kosten würde. Unter Johnson haben die Konservativen ihre Austeritätspolitik der letzten neun Jahre über Bord gekippt.

Nun soll Geld fliessen, vor allem ins malade Gesundheitssystem. Labour bietet gleich die doppelten Summen auf. Corbyn will die soziale Infrastruktur des Landes gänzlich neu aufbauen. Eine Frage der Moderatorin danach, ob das Geld denn plötzlich auf Bäumen wachse, führte zu neuem Gelächter im Publikum.

Verächtliche Bemerkungen

Munter gestikulierend und immer seine Brexit-Losungen wiederholend, suchte sich Johnson durch den Abend zu mogeln. Als er beteuerte, wie wichtig ihm Wahrheit und Redlichkeit seien, wieherte der Saal. Corbyn erntete seinerseits verächtliche Bemerkungen, als er allerlei unangenehmen Fragen auszuweichen suchte. Jede Menge Zynismus war zu spüren an diesem Abend im Publikum.

Für Johnson mochte es freilich schon genug sein, 50 Minuten lang nicht aus der Rolle des jovialen Regierungschefs zu fallen. Der Titelverteidiger hat natürlich mehr zu verlieren als sein Opponent. Letzten Umfragen zufolge liegen die Tories noch immer bei etwa 40 Prozent. Labour kommt nur auf 30. Hält Johnson diesen Vorsprung für die nächsten drei Wochen, kann er sich eines Wahlsiegs ziemlich sicher sein.

Erstellt: 20.11.2019, 04:49 Uhr

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