Theresa May macht Ernst

EU-Korrespondent Stephan Israel über den angekündigten harten Brexit.

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Nein, die Briten werden nicht dem Schweizer Beispiel folgen und sich über bilaterale Abkommen den Zugang zum EU-Binnenmarkt sichern. Theresa May will auch nicht das Modell des EWR-Mitglieds Norwegen kopieren. Ja, die britische Premierministerin will einen ganz eigenen Weg gehen. Und der führt hin zu einem harten Brexit.

Härter könnte der Schnitt kaum sein. Raus aus dem Binnenmarkt, aber auch raus aus der Zollunion. Denn sonst könnte Grossbritannien nicht die Freihandelsabkommen abschliessen, wie sie die Regierung in London weltweit anstrebt. Grossbritannien, bisher Teil des grössten Binnenmarkts der Welt, will nun ganz eigenständig Wirtschaftsgrossmacht werden.

Ob die Rechnung aufgeht, ist fraglich. Gut möglich, dass der Gewinn an Souveränität am Ende Wohlstand kosten wird und es der ehemaligen Kolonialmacht nicht gelingt, an die vergangene Grösse anzuknüpfen. Grossbritannien will auch die Zuwanderung ­selber kontrollieren, nicht mehr in den EU-Haushalt einzahlen und sich den «fremden Richtern» in Luxemburg ganz entziehen. Zwischen Brüssel und London herrscht jetzt immerhin etwas mehr Klarheit.

Der Schweiz bieten die Briten derzeit kaum Orientierung.

Grosse Fragezeichen gibt es beim Zeitplan. May will in zwei Jahren nicht nur die Scheidung ab­wickeln, sondern mit der EU auch die Beziehung neu regeln. Dies soll in einem Freihandelsabkommen geschehen, wie es die EU etwa mit Kanada abgeschlossen hat. Das hat ­allerdings nicht zwei, sondern sieben Jahre gedauert und ist noch immer nicht in Kraft. Nicht ausgeschlossen, dass die Briten am Ende draussen sind, ohne dass Bürger und Unternehmen Rechtssicherheit haben.

Der Schweiz bieten die Briten derzeit kaum Orientierung – zu hart der Schnitt und zu unsicher der Ausgang. Die EU wird jedenfalls mit wenig Spielraum in die Gespräche mit London gehen. Zwischen Brexit und Spalter Donald Trump bleibt der Rest-EU der 27 nicht viel mehr übrig, als die eigenen Reihen zu schlies­sen. Alles andere würde zum Zerfall der EU führen. Dies, betonte Theresa May gestern an die ­Adresse des künftigen US-Präsidenten, will selbst die britische Regierung nicht.

Erstellt: 17.01.2017, 23:23 Uhr

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