Die Unruhen in Libyen bringen Chinas Wirtschaft ins Wanken

China sucht das grosse Geschäft in Afrika – und merkt nun am Beispiel Libyen, wie unsicher die Investitionen sind. Zahlreichen Unternehmen drohen grosse Verluste.

Flucht aus Libyen: Chinesen, die in Benghazi arbeiteten, kommen mit einer Fähre in Griechenland an. (24. Februar)

Flucht aus Libyen: Chinesen, die in Benghazi arbeiteten, kommen mit einer Fähre in Griechenland an. (24. Februar) Bild: Keystone

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Zehntausende chinesische Arbeiter versuchen derzeit dem Chaos in Libyen zu entfliehen. Die dortige Lage macht die Risiken deutlich, denen chinesische Unternehmen mit ihren weitreichenden Investitionen in instabilen afrikanischen Ländern gegenüberstehen.

Die Regierung in Peking versucht in einer beispiellosen Aktion, die Evakuierung voranzutreiben. Charterflüge, Militärmaschinen und Fähren sollen die Chinesen ausser Landes schaffen, eine Fregatte der Marine wurde zum Schutz der eigenen Bürger an die Küste Libyens entsandt.

Seit Mittwoch vergangener Woche sind 32'000 Chinesen ausgeflogen worden, die meisten von ihnen Arbeiter bei Bauprojekten oder Experten auf Ölfeldern. 3000 weitere warten laut chinesischem Aussenministerium im Süden des Landes noch auf eine Evakuierung.

Verluste für chinesische Unternehmen

Zwar gibt es keine Berichte über getötete oder verletzte Chinesen in Libyen, chinesische Investitionen im Land haben allerdings grossen Schaden genommen. Unternehmen und Baustellen wurden geplündert, der Bau an einem halb fertiggestellten Sozialwohnungsprojekt musste vorerst eingestellt werden. Laut der staatlichen China State Construction Engineering Corp ist die Zukunft des Projekts im Umfang von 17,6 Milliarden Yuan (2,49 Milliarden Franken) ungewiss.

Auch die China Railway Construction Corp zeigt sich besorgt über das Schicksal von drei verschiedenen Projekten im Gegenwert von über vier Milliarden Franken, vor allem wegen des Verlusts von Baumaterialien und Ausrüstung. Insgesamt hat China Verträge im Wert von rund 20 Milliarden Franken in Libyen angeschlossen, sagt Wang Suolao, Nahost-Experte an der Universität von Peking. Es sei allerdings noch zu früh, die Höhe der Verluste einzuschätzen.

Die Revolte in Libyen mache jedenfalls die Notwendigkeit von Notfallplänen für chinesische Investitionen in Afrika deutlich, meinen Analysten. «Ein Argument ist, dass China es sich nicht leisten kann, sich weiterhin zurückzuziehen. Es sollte aktiv die Interessen seiner Bürger und Unternehmen schützen», meint etwa Jonathan Holslag, Forschungsstipendiat am Institut für zeitgenössische China-Studien in Brüssel. Die schnelle Reaktion in Libyen beweist, dass China diese Aufgabe mittlerweile ernst nimmt - die Möglichkeiten Pekings bleiben aber begrenzt.

China baut Strassen für Rohstoffe

Auf der Suche nach Rohstoffen wie Öl, Gas und Kupfer haben chinesische Unternehmen seit Jahren die Gefahren akzeptiert, die politische Instabilität in den afrikanischen Länder mit sich bringt. Etwa in Ländern mit nur teilweise funktionierenden Regierungen wie dem Kongo. Dort baut China Stadien, Strassen und Bahnstrecken, finanziert mit günstigen Krediten der chinesischen Staatsbanken und im Austausch für Zugang zu den Rohstoffen des Landes.

Bis 2015 wird China laut der Standard Bank in Südafrika rund 46 Milliarden Euro in Afrika investiert haben, das gesamte Handelsvolumen soll 279 Milliarden Euro betragen.

Die Präsenz Chinas in Afrika wurde von vielen investitionswilligen afrikanischen Staatschefs begrüsst. Schlechte Arbeitsbedingungen für Afrikaner durch chinesische Firmen und der vermehrte Import von Arbeitskräften aus China rief allerdings vielerorts Unmut hervor. Neben Bauprojekten investieren Chinesen mittlerweile auch im Einzelhandel, Nahrungsmittelproduktion und -verarbeitung, oftmals zum Nachteil regionaler Produzenten.

Chinesen beuten lokale Arbeitskräfte aus

Der Konflikt ufert mitunter auch in Gewalt aus. So sollen etwa zwei chinesische Bergwerksdirektoren angeklagt werden, nachdem sie in Sambia auf streikende Grubenarbeiter geschossen hatten. Die dortigen Gewerkschaften bemängeln die langen Arbeitszeiten und schlechte Bezahlung durch chinesischen Firmen. Chinesen wiederum wurden von Algerien bis Äthiopien zu Opfern von Gewalt, Mord und Entführungen.

China hat sich mittlerweile auch den Ruf erarbeitet, Ineffizienz und Korruption in afrikanischen Regierungen auszunutzen, um an Verträge mit den jeweiligen Staaten zu kommen. Laut einer am Dienstag von Wikileaks veröffentlichten Depesche der US-Botschaft in Kenia soll etwa die chinesische Telekom-Firma Huawei ohne Ausschreibung einen Vertrag mit Kenias staatlichem Telefonunternehmen erhalten haben. (miw/dapd)

Erstellt: 02.03.2011, 19:31 Uhr

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