Heftige Explosion nahe Haus von Ghadhafi

Nato-Jets haben Tripolis beschossen. Mehrere Flugzeuge überflogen die Stadt, darunter ein Kampfjet im Tiefflug. In Misrata toben auch Gefechte: Die Rebellen sind unter Beschuss geraten. Es gab angeblich über 20 Tote.

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In Tripolis war eine schwere Explosion in der Nähe der Residenz von Machthaber Muammar al-Ghadhafi in Bab al-Asisija im Süden der Stadt zu hören. Ghadhafis Truppen antworteten mit Flugabwehrfeuer. Die Residenz war seit dem Eingreifen der internationalen Gemeinschaft in den Libyen-Konflikt bereits mehrfach Ziel von Luftangriffen.

Ende März war auf dem Gelände ein Verwaltungsgebäude zerstört worden, als der Libyen-Einsatz noch unter Führung von Frankreich, Grossbritannien und den USA gestanden hatte. Inzwischen führt die Nato den Einsatz. Das Bündnis berät derzeit in Berlin über seine weitere Strategie im Konflikt.

Massaker in Misrata?

In der westlibyschen Stadt Misrata droht nach Darstellung der Rebellen ein Massaker, wenn die Nato ihre Angriffe auf die Truppen von Machthaber Muammar al-Ghadhafi nicht ausweitet.

Durch Raketenbeschuss der Regierungstruppen seien heute mindestens 23 Menschen getötet worden, sagte ein Rebellensprecher am Telefon. Bei den Opfern handle es sich um Zivilisten.

Die Regierungstruppen gehen nach eigenen Angaben in der Stadt gegen Milizen vor, die Beziehungen zur Extremistenorganisation al-Qaida unterhalten. Misrata ist die letzte von Aufständischen im Westen Libyens gehaltene Stadt. Die jeweiligen Angaben können kaum überprüft werden, da die Arbeit der Journalisten dort eingeschränkt ist.

900 Luftangriffe gegen Ghadhafi

Die Nato will den Druck auf Libyens Machthaber Muammar al-Ghadhafi aufrechterhalten, bis die Gewalt seiner Truppen gegen Zivilisten ein Ende hat. «Wir werden diesen Druck aufrechterhalten, solange das notwendig ist», sagte Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen in Berlin.

«Wir haben die Verantwortung, die Zivilisten in Libyen gegen einen brutalen Diktator zu schützen», sagte Rasmussen nach dem Nato-Aussenministertreffen. «Wir werden nicht untätig zusehen, wie ein diskreditiertes Regime sein eigenes Volk mit Granaten, Panzern und Scharfschützen angreift.»

Der Nato-Generalsekretär verwies darauf, dass das Bündnis seit Ende März mehr als 900 Luftangriffe gegen Ghadhafis Truppen geflogen habe.

Rasmussen forderte Ghadhafi zudem im Namen der Nato-Länder auf, seine Truppen aus besetzten Städten abzuziehen und zurück in die Kasernen zu holen. «Das Regime muss sofort den unmittelbaren, vollen, ungehinderten humanitären Zugang zu allen in Libyen gewährleisten, die in Not sind und Hilfe benötigen», sagte er. (bru/dapd/sda)

Erstellt: 14.04.2011, 13:07 Uhr

Vor dem Treffen der Nato-Aussenminister haben Guido Westerwelle und Alain Juppé Einigkeit demonstriert. (Video: Reuters )

Karte

Heftig umkämpft: Misrata (Google Maps)

Neuer Aussenminister in Zypern

Der neue libysche Aussenminister Abdul Ati al-Obeidi ist heute zu Gesprächen in Zypern eingetroffen. Mit dem zyprischen Aussenminister Markos Kyprianou sprach er den Angaben zufolge über Möglichkeiten, den Konflikt in Libyen zu beenden.

Kyprianou sagte, al-Obeidi habe bekräftigt, dass seine Regierung eine Friedensinitiative unterstütze, wie sie die Afrikanische Union kürzlich vorgelegt habe. Die libyschen Rebellen hatten den Vorschlag aber abgelehnt, weil darin nicht vorgesehen war, dass Machthaber Muammar al-Ghadhafi zurücktritt. Kyprianou erklärte, er werde die aussenpolitische Beauftragte der EU, Catherine Ashton, und andere EU-Politiker über die Unterredung informieren. (dapd)

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