Syrische Polizei eröffnet Feuer auf Menschenkette vor Moschee

Die Sicherheitskräfte in der Stadt Deraa haben mindestens vier syrische Oppositionelle getötet. Dutzende wurden verletzt. Die Demonstranten hatten versucht, den Sturm auf die Moschee zu verhindern.

Versammelten sich vor der Moschee, um einen Sturm auf das Gebäude zu verhindern: Demonstranten in der syrischen Stadt Deraa.(Video: Reuters)
Video: Keystone

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

In Syrien hat sich die Lage bei den Protesten gegen die Regierung zugespitzt. In der südlichen Stadt Deraa gingen Sicherheitskräfte gewaltsam gegen regierungskritische Demonstranten vor. Dabei kam es offenbar auch zu Todesopfern.

Wie Nachrichtenagenturen unter Berufung auf Anwohner berichteten, wurden zwischen vier bis sechs Demonstranten getötet. Syrische Oppositionelle teilten im Internet mit, die Sicherheitskräfte hätten am frühen Morgen das Feuer auf eine Gruppe von rund 300 Menschen eröffnet, die sich in und um die Al-Omari-Moschee versammelt hatten. 20 Menschen seien verletzt worden.

In der Umgebung der Moschee war heftiges Gewehrfeuer zu hören, während überall laute Rufe «Gott ist gross» erschallten. Die Sicherheitskräfte stürmten offenbar den Komplex, sagte ein Anwohner. «Es ist nicht ganz klar, was vor sich geht, denn der Strom ist gekappt, und es wird auch Tränengas eingesetzt.»

Die Moschee in der südlich von Damaskus gelegenen Stadt ist bereits seit sechs Tagen Zentrum der Proteste gegen das Regime von Präsident Baschar al-Assad. Die Demonstranten fordern demokratische Reformen, Wahrung der Menschenrechte und Meinungsfreiheit. Die Staatsmacht reagierte auf die Proteste mit einer Welle von Verhaftungen.

Kind starb wegen Tränengas

Im Lauf des Dienstags hatten sich in der Nähe der Moschee mehr als tausend Demonstranten versammelt und regierungskritische Parolen skandiert. Die Sicherheitskräfte waren mit einem Grossaufgebot vor Ort und kreisten die Demonstranten ein. Aus Angst vor einem Angriff der Sicherheitskräfte auf die Moschee bildeten die Demonstranten eine Menschenkette um das Gotteshaus.

Das syrische Staatsfernsehen berichtete, eine Gruppe Bewaffneter habe einen Krankenwagen angegriffen. Dabei seien ein Arzt, ein Sanitäter, ein Fahrer und ein Polizist getötet worden. Dem Sender zufolge wurden einige der Angreifer getötet, andere flüchteten und wurden von Sicherheitskräften verfolgt.

Letzte Woche waren in Deraa vier Demonstranten getötet worden, als die Sicherheitskräfte mit Waffengewalt eine Protestkundgebung auflösten. Ein elfjähriges Kind starb, nachdem es Tränengas eingeatmet hatte.

Ähnlich wie in anderen arabischen Staaten fordern die Demonstranten in Syrien, wo seit fast 40 Jahren ein Notstandsgesetz in Kraft ist, mehr politische Freiheiten. Neben Deraa gab es am Dienstag auch in weiteren Städten Demonstrationen, etwa in der Hauptstadt Damaskus. (miw/sda)

Erstellt: 23.03.2011, 06:53 Uhr

Artikel zum Thema

Syrien am «Tag des Zorns»

Regierungsgegner in Syrien haben im Internet zu Protesten aufgerufen. Damaskus reagiert mit verschärften Sicherheitsvorkehrungen. Mehr...

Als nächstes Damaskus

Eine Revolution in Tunesien, ein Aufstand in Ägypten. Nach Einschätzung von Experten könnte die Protestbewegung auf Syrien überschwappen. Regierungsgegner haben für heute zu einer Grosskundgebung aufgerufen. Mehr...

Syrer rufen zu Protesten nach ägyptischem Vorbild auf

Auch die Regierungsgegner in Syrien organisieren am Freitag einen «Tag der Wut». Sie versuchen, die Bevölkerung über Netzwerke wie Facebook zu mobilisieren – obwohl dies verboten ist. Mehr...

Kommentare

Die Welt in Bildern

Herbstlich gefärbte Weinberge: Winzer arbeiten in Weinstadt, im deutschen Baden-Württemberg. (17. Oktober 2019)
(Bild: Christoph Schmidt/DPA) Mehr...