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Ägypter stürmen die Büros des Geheimdienstes

In der Sinai-Stadt Al-Arisch forderten Tausende Ägypter die Auflösung des repressiven Staatssicherheitsdienstes. Auch in Bahrain und Algerien entlud sich der Zorn der Demonstranten.

pbe
Ein Volk wühlt in seinen Akten: Demonstranten haben sich Zugang zum Büro des Geheimndienstes in Kairo verschafft und durchsuchen die Räumlichkeiten.
Ein Volk wühlt in seinen Akten: Demonstranten haben sich Zugang zum Büro des Geheimndienstes in Kairo verschafft und durchsuchen die Räumlichkeiten.
AFP

Viele Ägypter hielten in der Stadt Al-Arisch Bilder von politischen Gefangenen hoch. Die Kundgebungsteilnehmer forderten ausserdem, die Akten in der Geheimdienstzentrale von Al-Arisch zu sichern. Sie brachten ihre Befürchtung zum Ausdruck, dass Mitarbeiter der Dienste die Dokumente vernichten könnten.

Mehr als drei Wochen nach dem Sturz von Präsident Hosni Mubarak hatten am Wochenende Aktivisten der Reformbewegung und ehemalige politische Gefangene Geheimdienstzentralen in Kairo, Alexandria, Assiut und Assuan gestürmt, um der Vernichtung der Akten zuvorzukommen.

Proteste gegen den Geheimdienst

Am Sonntagabend hatte das Militär in der Innenstadt von Kairo einen Protest vor einer Geheimdienstfiliale mit Gewalt aufgelöst. Zum ersten Mal seit dem Abgang Mubaraks griffen dort auch mit Messern und Stöcken bewaffnete Schläger die Demonstranten an, wie sie das Innenministerium früher gegen Regimegegner einzusetzen pflegte, berichteten Augenzeugen.

Die Wächter von Algier

Auch in Algerien gingen heute Menschen auf die Strasse: Tausende kommunale Sicherheitsbeamte demonstrierten in der Hauptstadt Algier für höhere Gehälter. Die Angestellten durchbrachen dabei mehrere Polizeiabsperrungen, um bis zum Parlament vorzudringen. Laut Organisatoren beteiligten sich rund 20'000 aus zahlreichen Landesteilen angereiste Sicherheitsbeamte an dem Protest. Die Demonstranten, von denen viele ihre Uniformen trugen, hatten sich am Vormittag auf dem Märtyrerplatz in Algier versammelt. Trotz der Polizeisperren drangen sie bis zum 500 Meter entfernten Parlamentsgebäude vor. Sie wurden daraufhin von der Polizei eingekesselt.

Ziel der Proteste der Kommunalwächter ist es, ihre Bezahlung, Urlaub und Ausrüstung an andere Gruppen der Sicherheitskräfte anzupassen - und zwar rückwirkend seit dem Jahr 1994, als sie gegründet wurden. Derzeit gibt es landesweit rund 93'000 Kommunalwächter. Laut den Protestorganisatoren wurden seit 1994 4400 Kommunalwächter getötet, insbesondere bei Kämpfen mit Islamistengruppen. Die Kommunalwächter kritisieren dabei auch, dass sie nur unzureichend ausgerüstet seien und etwa weder über Helme noch schusssichere Westen verfügten.

Zorn vor der US-Botschaft in Bahrain

In Bahrain demonstrierten am Montag Hunderte Anhänger der schiitischen Opposition vor der US-Botschaft in der Hauptstadt Manama. Sie warfen Washington vor, für einen Wandel in Bahrain weniger Unterstützung zu zeigen als für die Volksaufstände in Tunesien und Ägypten. Seit drei Wochen fordern Organisationen der schiitischen Bevölkerung den Rücktritt der Regierung und einen Verzicht des sunnitischen Königshauses auf viele Vollmachten.

Bahrain ist für die USA von wichtiger strategischer Bedeutung. Dort ist die fünfte Flotte der US-Marine stationiert - auch als Gegenpol für den stärker werdenden Einfluss des Irans in der Region.

(SDA)

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