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«Das sind Schauprozesse»

Den Polizeistaat in eine rechtsstaatliche Demokratie umzuwandeln, werde im grössten arabischen Land Jahre dauern – und das Rückfallrisiko sei beträchtlich, sagt der ägyptische Politologe Amr Hamzawy.

Der erste Schritt in Richtung Demokratie: Das Verfassungsreferendum am 19. März lockte die Ägypterinnen und Ägypter in Scharen an die Urnen.
Der erste Schritt in Richtung Demokratie: Das Verfassungsreferendum am 19. März lockte die Ägypterinnen und Ägypter in Scharen an die Urnen.
Keystone

Herr Hamzawy, die arabische Welt befindet sich im Ausnahmezustand. Sind wir Zeugen einer historischen Zeitenwende?

Was im arabischen Raum seit Mitte Dezember 2010 passiert, deutet auf eine klare Wende hin. Die Bürger der arabischen Länder haben sich entschlossen, Demokratie zu verlangen – und zwar auf eine noch nie da gewesene Art. Das gilt für die Anzahl der protestierenden Menschen, für ihre Standhaftigkeit und für die Klarheit, mit der sie Demokratie fordern. Zweitens nehmen die Bürger den Staat anders wahr. Die Angst, die sie vor den Sicherheitsapparaten hatten, haben sie in vielen Ländern kollektiv abgelegt. Drittens stellen wir fest, dass die Neugestaltung der Politik von völlig neuen Akteuren betrieben wird. Es sind weder Oppositionsparteien noch zivilgesellschaftliche Organisationen, sondern vor allem unorganisierte Bürger oder Jugendbewegungen und Netzwerke, welche die Proteste ausgelöst haben. Dieser Einzug neuer Akteure wird das Bild der arabischen Politik in den kommenden Jahren sicher prägen.

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