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Der ausgebootete Sohn

Jahrelang hat sich Gamal Mubarak auf das politische Erbe seines Vaters vorbereitet. An die Spitze des ägyptischen Staates hat er es aber nie geschafft – auch deshalb nicht, weil ihn das Volk hasst.

Wurde im Krankenbett in den Gerichtssaal geschoben: Hosni Mubarakim Oktober 2010 in Kairo.
Wurde im Krankenbett in den Gerichtssaal geschoben: Hosni Mubarakim Oktober 2010 in Kairo.
Keystone
War drei Jahrzehnte an der Macht: Hosni Mubarak hält vor der Polizeiakademie in Kairo eine Ansprache. (24. Januar 1985)
War drei Jahrzehnte an der Macht: Hosni Mubarak hält vor der Polizeiakademie in Kairo eine Ansprache. (24. Januar 1985)
Reuters
Der vertriebene Pharao: Ein Wandbild von Hosni Mubarak in Kairo.
Der vertriebene Pharao: Ein Wandbild von Hosni Mubarak in Kairo.
Keystone
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Eigentlich ist es Gamal Mubarak in seinem Leben so ergangen wie dem Rest des ägyptischen Volkes auch. Über sein Schicksal hat vor allem einer entschieden: sein Vater Hosni Mubarak. Jahrelang konnte sich der ägyptische Staatspräsident weder zu wirklichen Reformen durchringen, noch dazu, die Geschicke des Landes in die Hände einer jüngeren Generation zu legen, so wie sie bereits in Syrien und Jordanien an die Macht gekommen war.

Dabei galt der 1963 geborene Gamal lange Zeit als Nachfolger seines Vaters, der sich allerdings noch bis vor einem halben Jahr selbst um eine sechste Amtszeit bemühen wollte. Mubarak war da bereits 82 Jahre alt und Spekulationen über seinen Gesundheitszustand machten die Runde.

War lange vermutet worden, dass Hosni Mubarak seinem zweiten Sohn Gamal eines Tages doch noch den Weg zur Macht ebnen würde, so kam Ende Januar die Kehrtwende. Als Reaktion auf die anhaltenden Massenproteste entliess Mubarak seine Regierung und ernannte mit Geheimdienstchef Omar Suleiman erstmals einen Stellvertreter. Gamal, der bis dahin dem höchsten Entscheidungsgremium von Mubaraks Partei NDP angehörte, schien damit aus dem Rennen um die Macht zu sein.

Wenige Tage später berichtete das staatliche Fernsehen unter Berufung auf Vizepräsident Suleiman, dass sich Gamal Mubarak nicht um die Nachfolge seines Vaters bemühen werde. Kurz darauf erklärte der Vater dann laut der Webseite des US-Fernsehsenders ABC, er habe nicht die Absicht, dass sein Sohn Gamal nach ihm die Präsidentschaft übernehme. Das Ziel war, Zeit zu gewinnen und die Erosion der Macht einzudämmen.

Schneller parteiinterner Aufstieg

Dabei strebte der Präsidentensohn offensichtlich eine Kandidatur bei der im September geplanten Präsidentenwahl an. Innerhalb von zehn Jahren war er zum De-facto-Führer der regierenden Nationalen Demokratischen Partei (NDP) aufgestiegen und trieb unter anderem als Chef des einflussreichen politischen Komitees der Partei die wirtschaftliche Liberalisierung des Landes voran. Von deren Auswirkungen spürten die Armen allerdings wenig bis gar nichts. Dass Gamal Mubarak sich denn auch eher anderen Kreisen verpflichtet fühlte, war nicht zu übersehen. Schliesslich waren es reiche Unternehmer, von denen er während seiner Zeit als stellvertretender Parteichef die grösste Unterstützung erhielt.

Im September 2002 wurde er zum politischen Sekretär der NDP ernannt, nachdem er jahrelang als Investmentbanker in London für die America International Bank gearbeitet hatte. Bereits Ende 2007 wurde eine wichtige formale Voraussetzung für eine mögliche Präsidentschaftskandidatur von Gamal Mubarak geschaffen, als dieser in den neu geschaffenen 45-köpfigen Obersten Parteirat gewählt wurde. Auch ohne militärischen Hintergrund genoss er offenbar das nötige Vertrauen in den oberen Machtzirkeln. Mit seinem Aufstieg schwand bei vielen Ägyptern zugleich jede Hoffnung auf Veränderungen.

Gamal spielte zentrale Rolle im Regime

Mittlerweile wird nicht nur gegen den früheren Staatschef Hosni Mubarak ermittelt, sondern auch gegen seine Söhne Gamal und Alaa. Die Vorwürfe wiegen schwer. Alle drei werden der Korruption, der Verschwendung öffentlicher Gelder sowie des Machtmissbrauchs verdächtigt.

Tatsächlich wird inzwischen gegen die meisten führenden Mitglieder des Mubarak-Regimes wegen Korruption und Machtmissbrauch ermittelt. Gamal Mubarak nimmt dabei offenbar eine zentrale Rolle ein. Seine wachsende Bedeutung in den vergangenen Jahren und die Annahme, dass er seinem Vater nachfolgen könnte, haben mit zur Einheit der Protestbewegung beigetragen. Rund 800 Menschen wurden getötet, als die Polizei zunächst mit Gewalt gegen die Demonstranten vorging. Die Behörden untersuchen nun, welche Rolle Gamal dabei spielte.

Nicht zu vergessen ist auch, dass dieser selbst in Firmen mitarbeitete, die seinem Klan Zugriff auf interessante Geschäfte ermöglichten. So war Gamal Mubarak zwischen 1996 und 2001 Direktor der Londoner Investment-Firma Medinvest Associates Ltd. und residierte in einem sechsstöckigen Haus im georgianischen Stil im Nobelstadtteil Knightsbridge.

Beliebt war der Präsidentensohn nie

Dass es schwer werden würde, seinen Vater eines Tages auch politisch zu beerben, dürfte Gamal Mubarak schon länger gewusst haben. So berichtetet die Zeitung «Al Shoruk» im vergangenen Jahr, dass eine Umfrage zur Beliebtheit des Präsidentensohnes in der Bevölkerung Ende 2009 wegen schlechter Ergebnisse abgebrochen wurde. Geplant war demnach die Befragung Tausender Ägyptern in acht Provinzen. Als sich in dreien jedoch nur neun Prozent für Gamal aussprachen, sei die Befragung gestoppt worden. Eine nie veröffentlichte NDP-Umfrage vom Mai vergangenen Jahres ergab nach Angaben eines Parteimitglieds auffallend niedrige Popularitätswerte für den Präsidentensohn.

Es dürfte daher vielleicht so etwas wie ein Déjà-vu für Gamal Mubarak gewesen sein, als die Demonstranten auf dem Kairoer Tahrir-Platz Anfang des Jahres nicht nur den Rücktritt seines Vaters verlangten, sondern unmissverständlich forderten: «Mubarak, nimm deinen Sohn und verschwinde.»

dapd/miw

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