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Die «Claudia Schiffer von Nordafrika»

Aisha Ghadhafi gab der «New York Times» eines ihrer seltenen Interviews. Ihr Vater habe demokratische Reformen geplant, doch dann sei die «Tragödie» ausgebrochen.

Ihren Kindern erzählt sie gerne Geschichten über das Leben nach dem Tod, zitiert die «New York Times» Muammar Ghadhafis Tochter Aisha (im Bild spricht sie am 14. April in Tripolis zu Anhängern ihres Vaters).
Ihren Kindern erzählt sie gerne Geschichten über das Leben nach dem Tod, zitiert die «New York Times» Muammar Ghadhafis Tochter Aisha (im Bild spricht sie am 14. April in Tripolis zu Anhängern ihres Vaters).
Reuters
Aishas Meinung hat bei Ghadhafi grosses Gewicht (im Bild inmitten seiner Anhänger am 15. April 2011).
Aishas Meinung hat bei Ghadhafi grosses Gewicht (im Bild inmitten seiner Anhänger am 15. April 2011).
Keystone
Die Anwältin sorgte als einzige Frau in Saddam Husseins Verteidigungsteam für Schlagzeilen (Im Bild am 6. internationalen Koran-Lese-Wettbewerb für Frauen im August 2010).
Die Anwältin sorgte als einzige Frau in Saddam Husseins Verteidigungsteam für Schlagzeilen (Im Bild am 6. internationalen Koran-Lese-Wettbewerb für Frauen im August 2010).
Reuters
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Über eine Stunde dauerte das Interview in Tripolis am Ostersonntagnachmittag. Aisha Ghadhafi, die Tochter des libyschen Despoten, sprach in den Räumen ihrer Wohltätigkeits-Stiftung über Gute-Nacht-Geschichten, angebliche Terroristen, ihren Vater und die Ghadhafi-Familie, berichtet die «New York Times» (zum Artikel). Sie erzähle ihren drei Kindern gerne Gute-Nacht-Geschichten über das Leben nach dem Tod, sagt die Anwältin, die unter anderem Saddam Hussein verteidigt hatte. «Es ist, um sie vorzubereiten, weil man im Krieg nie weiss, wann einen eine Rakete oder eine Bombe trifft», so Ghadhafi.

Die libyschen Rebellen bezeichnet Aisha Ghadhafi erwartungsgemäss als «Terroristen». Gleichzeitig sagt sie, dass ehemalige Offiziere ihres Vaters, die übergelaufen seien, nach wie vor «mit uns in Verbindung stehen». Es gebe viele Mitglieder des Revolutionsrates, die 42 Jahre lang mit ihrem Vater zusammengearbeitet hätten. «Denken Sie wirklich, die würden sich einfach so abwenden?», so Ghadhafi in der «New York Times». «Sie sagen uns, sie haben Familie, Töchter, Söhne, Frauen, und sie fürchten um ihre Sicherheit, darum seien sie übergelaufen.»

«Libyen wird schlimmer als Irak»

Der Westen werde in Libyen ein Chaos vorfinden, wenn ihr Vater nicht mehr an der Macht sei, sagt Aisha Ghadhafi. Sie zieht Parallelen zum Irak: «Die Opposition in Irak sagte dem Westen: ‹Wenn ihr kommt, werden sie euch mit Rosen empfangen.› Zehn Jahre später empfangen sie die Amerikaner immer noch mit Kugeln, und, glauben Sie mir, die Situation in Libyen wird viel schlimmer sein.»

Ghadhafis Tochter spielt mit den europäischen Ängsten. Ohne ihren Vater würden illegale Migranten aus Afrika Europa überfluten und Islamisten würden am Mittelmeer eine Basis errichten. In Libyen selbst käme es zum Bürgerkrieg. Rebellen hätten schon Waffen an die Hamas und Hizbollah verkauft. «Als mein Vater an der Macht war, seht ihr, wie sicher Europa und Libyen waren?»

Ghadhafi habe Reformen geplant

Berichte, dass Ghadhafis Truppen auf unbewaffnete Demonstranten schiessen, wies Aisha Ghadhafi, welche die Libyer ihrer blond gefärbten Haare auch «Claudia Schiffer von Nordafrika» nennen, als Lüge zurück. «Ich glaube nicht, dass das passiert ist», und wenn, dann habe es sich um Einzelfälle gehandelt.

Unter der inoffiziellen Leitung ihres Bruders Seif al-Islam sei die libysche Regierung kurz davor gewesen, eine Verfassung als Schritt in Richtung demokratische Reformen zu präsentieren, als «diese Tragödie geschah und alles verdarb». Ihr Vater sei dennoch «so stark, wie ihn die Welt kennt», sagt sie. «Er ist sicher, dass das libysche Volk zu ihm hält.»

Aishas Rolle im schweizerisch-libyschen Streit

Ghadhafis Tochter nimmt selten ein Blatt vor den Mund, nicht immer zum Besten für eine Sache. So habe ihr Auftritt am 17. Juli 2008 in Genf die Bemühungen um eine friedliche Beilegung der Streitigkeiten zwischen der Schweiz und Libyen wegen Hannibal Ghadhafi torpediert, kritisierte der ehemalige Schweizer Botschafter in Libyen, wie ein Wikileaks-Dokument belegt (zur Depesche). Gegenüber Medien beschuldigte Aisha Ghadhafi damals die Genfer Polizei und die Schweizer Regierung, Araber zu diskriminieren und «absichtlich gegen die Ghadhafi-Familie» vorzugehen. Libyen werde nach dem Sprichwort «Auge um Auge, Zahn um Zahn» handeln, drohte sie damals.

In Libyen habe Aisha Ghadhafi ihren Vater zu einer Hardliner-Position gegenüber der Schweiz gedrängt, steht in einem weiteren Wikileaks-Dokument (zur Depesche). Sie habe ihrem Vater die Ereignisse stark zugespitzt erzählt und so seine Wut über die Behandlung seines Sohnes entfacht. Die Schweizer hätten danach kaum noch mit ihm verhandeln können, obwohl Seif al-Islam sich bemühte, im Streit zu vermitteln. Bei ihrem Vater steht Aishas Meinung offenbar hoch im Kurs.

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