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Die Hölle im libyschen Gefängnis

Das Massaker im Gefängnis Abu Salim stand am Anfang des Aufstands in Libyen. Der libysche Autor Hisham Matar erzählt.

Ein zerstörtes Gefängnis in Benghazi Ende Februar: Von Abu Salim in Tripolis existieren keine Bilder.
Ein zerstörtes Gefängnis in Benghazi Ende Februar: Von Abu Salim in Tripolis existieren keine Bilder.
Reuters

Im Sommer 1996 kam es unter den politischen Häftlingen des Gefängnisses Abu Salim in Tripolis zu einem Aufstand. Ich kenne verschiedene Leute, die dort inhaftiert waren. Auf ihren Aussagen beruht dieser Text.

Die Haftbedingungen in den Jahren vor dem Aufstand waren entsetzlich gewesen. In sechs mal sechs Meter kleine Zellen wurden bis zu 24 Männer gepfercht. Es gab mehrere Tuberkulosefälle. Und das Essen war so schlecht und gleichzeitig so furchtbar knapp bemessen, dass die Gefangenen alles assen, was man ihnen gab, inklusive die Kakerlaken in der Suppe. Die ärztliche Betreuung war praktisch gleich null. Ein ehemaliger Gefangener erzählte mir von einem anderen Gefangenen, dessen Bein von Folterern ausgerenkt und zerschmettert worden war: Es faulte und wurde so monströs lang, dass der Mann, um gehen zu können, sich auf einen Stock stützen und sich das sterbende Bein über die Schulter hängen musste.Manche Gefangene verloren den Lebenswillen. Sie warteten nachts einen Moment ab, da ihre Zellengenossen schliefen, und versuchten sich an den Fenstergittern zu erhängen. Andere schluckten Waschmittel oder Seife. Mein Onkel väterlicherseits, der von 1990 bis zu seiner Freilassung vor einem Monat in Abu Salim gefangen gewesen war, hat einen solchen Mann gesund gepflegt.

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