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«Für die Schweiz ist das Libyen-Problem erledigt»

Der ehemalige britische Botschafter in Tripolis, Oliver Miles, spricht im Exklusiv-Interview über unwahrscheinliche Angriffe mit Kampfjets, Ghadhafis Zukunft und das Verhältnis Libyen-Schweiz.

Das Ghadhafi-Regime geht brutal gegen das libysche Volk vor. Ist damit nicht die Voraussetzung gegeben für eine Intervention, so wie jener der Nato in Kosovo? Theoretisch ja, und der UNO-Sicherheitsrat hat das Problem erkannt. Laut letzten Schätzungen wurden in Libyen Hunderte Personen getötet. Das ist schrecklich, gemäss internationalen Massstäben aber nicht das schlimmstmögliche Desaster. Deshalb wäre eine Intervention nicht gerechtfertigt. Ich bezweifle zudem, dass die libysche Luftwaffe Zivilisten angegriffen hat. Wäre dies der Fall, wüssten wir viel mehr darüber. Und die Zahl der Opfer wäre weit höher.

Einige Libyer fordern aber ein Flugverbot, um Angriffe gegen die Demonstranten und Truppen-transporte zu verunmöglichen. Diese Forderung beunruhigt mich. Denn das würde heissen, dass die Sechste US-Flotte, die im Mittelmeer kreuzt, eingreifen und die libyschen Jets über Libyen abschiessen müsste. Das wäre weder angemessen noch sinnvoll. Wenn sich die Lage ändert, könnte ein solcher Einsatz allerdings notwendig werden.

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