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Kein Lebenszeichen von Ghadhafi

Die libysche Armee hat nach Angaben von Aufständischen die Stadt Sintan im Westen des Landes beschossen. Mindestens 40 Raketen seien dort eingeschlagen. Von Ghadhafi fehlt nach wie vor jede Spur.

Die Nato-Bomben richteten in der Residenz von Muammar Ghadhafi grossen Schaden an. (1. Mai 2011)
Die Nato-Bomben richteten in der Residenz von Muammar Ghadhafi grossen Schaden an. (1. Mai 2011)
Reuters
In Benghazi feiern die Rebellen den Tod des Ghadhafi-Sohnes. (30. April 2011)
In Benghazi feiern die Rebellen den Tod des Ghadhafi-Sohnes. (30. April 2011)
Reuters
Im Licht der TV-Kameras wird das Ausmass der Schäden sichtbar. (1. Mai 2011)
Im Licht der TV-Kameras wird das Ausmass der Schäden sichtbar. (1. Mai 2011)
AFP
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Die libysche Hauptstadt Tripolis ist erneut zum Ziel von Angriffen geworden. Im Abstand weniger Minuten waren Einschläge zu hören. Gerüchte, denen zufolge Machthaber Muammar al-Ghadhafi bei einem Nato-Angriff am vergangenen Samstag getötet worden sei, wurden vom US-Geheimdienst CIA dementiert.

Frankreich erklärte unterdessen, dass Waffen aus Libyen zunehmend in südliche Nachbarländer gelangten, wo sie in die Hände des Terrornetzwerks al-Qaida gelangen könnten. In der belagerten Stadt Mistrata konnte am Mittwoch ein Schiff zur Rettung von Flüchtlingen in den Hafen einlaufen.

Ghadhafi hat wohl überlebt

CIA-Direktor Leon Panetta sagte dem amerikanischen Fernsehsender NBC, alle Informationen deuteten darauf hin, dass Ghadhafi den Angriff auf das Anwesen seiner Familie am Samstag überlebt habe. Libyschen Berichten zufolge waren ein Sohn und drei Enkel des Machthabers bei dem Angriff ums Leben gekommen. Ghadhafi, der sich auch in dem Gebäude aufgehalten haben soll, war seitdem nicht mehr in der Öffentlichkeit gesehen worden. Der stellvertretende libysche Aussenminister Chaled Kaim erklärte, der Staatschef habe sich am Dienstag mit örtlichen Stammesführern getroffen.

Der französische Aussenminister Alain Juppe sprach sich vor einem Sondertreffen der am Libyen-Einsatz beteiligten Länder in Rom gegenüber dem Fernsehsender 24 TV erneut gegen die Entsendung von Bodentruppen aus. Dennoch müsse der Einsatz «so rasch wie möglich» beendet werden, sagte Juppe.

Ein baldiges Ende der Kampfhandlungen erklärte auch der italienische Aussenminister Franco Frattini als oberstes Ziel. Bei einer anschliessenden Abstimmung im Parlament sprachen sich die Abgeordneten in Rom mit knapper Mehrheit für den Verbleib Italiens in der militärischen Koalition aus.

Rasmussen will Rebellen finanziell unterstützen

Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen sprach sich erstmals für finanzielle Unterstützung der Rebellen in Libyen aus. Es wäre «hilfreich, wenn die Rebellen über eine ausreichende Finanzierung verfügen würden», sagte Rasmussen in Brüssel. US-Aussenministerin Hillary Clinton hatte sich bereits auf einem Nato-Ressortcheftreffen in Berlin Mitte April dafür ausgesprochen, eingefrorene Guthaben von Machthaber Muammar al-Ghadhafi für den Übergangsrat in Benghazi bereitzustellen.

Morgen wollte sich die Libyen-Kontaktgruppe aus Nato- und Nicht-Nato-Staaten, die sich am Einsatz gegen Ghadhafi beteiligen, in Rom treffen. Dabei könne auch über Finanzhilfen für die Rebellen gesprochen werden, deutete Rasmussen an.

Der französische Innenminister Claude Gueant erklärte, es gebe Beweise dafür, dass Waffen aus den libyschen Kriegsgebieten nach Mali sowie in andere Länder der südlich gelegenen Sahelzone gelangt seien, in der die al-Qaida im Islamischen Maghreb aktiv sei. Dem französischen Radiosender RTL sagte Gueant, Frankreich habe Sicherheitskräfte in mehrere afrikanische Länder geschickt, um die örtlichen Behörden bei der Überwachung der Sicherheit an Flughäfen zu unterstützen.

Mine gefährdet weiterhin Schiffe vor Misrata

Die Internationale Organisation für Migration (IOM) teilte am Mittwoch mit, dass ein Schiff zur Rettung von Flüchtlingen nach mehrtägiger Wartezeit mit Hilfe eines Schleppers in den Hafen der Stadt Misrata gebracht werden konnte. Die Eskortierung der «Red Star One» sei notwendig gewesen, weil libysche Regierungstruppen Seeminen vor Misrata ausgelegt hätten. Nach Angaben der Nato konnten zwei der Minen inzwischen zerstört werden. Nach einer dritten Mine werde noch gesucht.

Das libysche Regime bestätigte am Dienstagabend, dass es versuche, den Zugang zu Misrata über den Seeweg zu blockieren. Die Regierung habe den Hafen für geschlossen erklärt und jedes ausländische Schiff werde daher ins Visier genommen, sagte Kaim.

Vor dem Hauptquartier der libyschen Rebellen in der Stadt Benghazi explodierte unterdessen am Dienstagabend eine Autobombe. Es sei niemand verletzt worden, teilte General Abdel Fattah Junis mit, der Kommandeur der Rebellenstreitkräfte. In einem nahe gelegenen Hochhaus gingen einige Scheiben zu Bruch.

Rücktrittsforderung zurückgewiesen

Die libysche Regierung wies eine türkische Rücktrittsforderung an Staatschef Muammar al-Ghadhafi zurück. Der stellvertretende Aussenminister Kaim erklärte, eine solche Entscheidung treffe nicht die Türkei, sondern das libysche Volk. Wer als Vermittler tätig sein wolle, dürfe nicht eine Seite gegen die andere unterstützen. Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan hatte Ghadhafi gestern zum sofortigen Rücktritt aufgefordert.

sda/dapd/lcv/bru

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