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Libyens Stämme wenden sich von Ghadhafi ab

Die Vertreter mehrerer Stämme haben sich auf eine gemeinsame Erklärung für Libyens Zukunft geeinigt. Doch schon jetzt gibt es innerhalb einiger Clans Streitigkeiten.

Ghadhafi hat den Rückhalt bei den libyschen Stämmen verloren: Angehöriger der Tuareg während einer Konferenz mit der Afrikanischen Union in Tripolis am 10. April.
Ghadhafi hat den Rückhalt bei den libyschen Stämmen verloren: Angehöriger der Tuareg während einer Konferenz mit der Afrikanischen Union in Tripolis am 10. April.
AFP

Vertreter aller libyschen Stämme haben sich in einer Erklärung von Machthaber Muammar al-Ghadhafi abgewandt. Unter den 61 Unterzeichnern des Bekenntnisses zu einem geeinten und freien Libyen sei auch ein Vertreter des Ghadhafis-Stammes, sagte der französische Schriftsteller Bernard-Henri Lévy, der den Text heute Mittwoch veröffentlichte.

«Wir teilen das gleiche Ideal eines freien, demokratischen und geeinten Libyens», heisst es in der am 12. April in Benghazi verfassten Erklärung, die anschliessend von Vertretern aller Stämme unterschrieben wurde. «Das Libyen von morgen, wird, wenn der Diktator weg ist, ein geeintes Libyen sein mit Tripolis als seiner Hauptstadt», heisst es weiter in dem Text.

Keine hundertprozentige Unterstützung

Im Prinzip stünden alle Stämme hinter dem Text. Da es aber innerhalb einiger Clans Streitigkeiten gebe, sei die Unterstützung nicht immer hundertprozentig, sagte Lévy, der wiederholt nach Libyen gereist war, um die Aufständischen zu unterstützen. Die Nato beschloss unterdessen, einen zivilen Verbindungsmann in die libysche Rebellenhochburg Benghazi zu entsenden. Nach Angaben aus Militärkreisen soll der Nato-Diplomat als «Kontaktmann» zum oppositionellen Nationalen Übergangsrat in der ostlibyschen Küstenstadt dienen.

Ein Rebellenführer sagte, die Truppen Ghadhafis seien in der Nacht zu Mittwoch durch Nato-Luftangriffe vom Hafen Misratas vertrieben worden. Im Osten der seit Wochen umkämpften Küstenstadt seien die Truppen 40 Kilometer zurückgedrängt worden. Es seien zahlreiche Soldaten getötet worden und sie hätten zahlreiche Waffen erobert, sagte der Rebellenkommandeur. Den Rebellen war es am Montag im Zuge heftiger Gefechte gelungen, die Truppen Gaddafis in die Vororte der 400'000-Einwohner-Stadt zurückzudrängen.

Hafen ist einziger Zugang zur Stadt

Am Dienstag beschossen die Regierungstruppen jedoch den Hafen der Stadt mit dutzenden Raketen. Dabei starb einer der rund 1300 afrikanischen Flüchtlinge, die am Hafen auf einen Platz auf einem der seltenen Hilfsschiffe warten. Angesichts des Beschusses konnte ein Schiff der Internationalen Organisation für Migration (IOM) nicht wie geplant anlegen, um Flüchtlinge an Bord zu nehmen. Als einziger Zugang zu der belagerten Stadt ist der Hafen von vitaler Bedeutung für die Bevölkerung.

Der Sprecher des Nationalen Übergangsrats in Benghazi, Oberst Ahmed Omar Bani, sagte der Nachrichtenagentur AFP, Ghadhafi wolle «koste es, was es wolle», den Hafen von Misrata zerstören. Ein Verlust des Hafens wäre eine «Katastrophe» für die Zivilisten, sagte Bani und versicherte, die Rebellen täten ihr Möglichstes, den Hafen zu schützen. Zugleich warnte er, dass es für die Nato schwierig sei, die Truppen Ghadhafis zu treffen, da ihre Stellungen in Wohngebieten am Rande Misratas versteckt seien.

US-Präsident Barack Obama ordnete am Dienstag die Auszahlung von Hilfsmitteln in Höhe von 25 Millionen Dollar (17,1 Millionen Euro) an den Nationalen Übergangsrat an. Mit dem Geld sollen etwa Tank- und Krankenwagen, Schutzwesten, Ferngläser, Funkgeräte und Medikamente gekauft werden.

AFP/miw

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