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Syrische Armee schiesst offenbar aus Helikoptern auf Demonstranten

In der Stadt Maarat al-Numaan haben Assads Truppen laut einer Menschenrechtsorganisation Regierungsgegner aus der Luft angegriffen. Mindestens fünf Helikopter seien am Einsatz beteiligt gewesen.

Gespaltene Bevölkerung: Regime-Anhänger protestieren gegen den US-Botschafter Robert Ford. Syrische Sicherheitskräfte sichern ab. (8. Juli 2011)
Gespaltene Bevölkerung: Regime-Anhänger protestieren gegen den US-Botschafter Robert Ford. Syrische Sicherheitskräfte sichern ab. (8. Juli 2011)
Reuters
Demonstration nach dem Freitagsgebet in Damaskus. (8. Juli 2009)
Demonstration nach dem Freitagsgebet in Damaskus. (8. Juli 2009)
Reuters
Ein Amateurvideo zeigt, wie Panzer der Regierung in die Stadt Daraa einfahren.(25. April 2011)
Ein Amateurvideo zeigt, wie Panzer der Regierung in die Stadt Daraa einfahren.(25. April 2011)
Reuters
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Das syrische Militär geht inzwischen offenbar auch aus der Luft gegen die seit Monaten demonstrierenden Regierungsgegner vor. In der nordwestlichen Stadt Maarat al-Numaan feuerte die Armee einer Menschenrechtsgruppe zufolge aus Helikoptern auf Zehntausende Demonstranten.

Mindestens fünf Helikopter hätten das Feuer aus automatischen Waffen eröffnet, um eine Protestkundgebung aufzulösen, berichtete ein Augenzeuge über Telefon. «Die Menschen flohen in Felder, unter Brücken und in ihre Häuser, aber obwohl die Strassen dann fast menschenleer waren, dauerte der Beschuss noch Stunden an.» Es sind die ersten Berichte über einen Lufteinsatz gegen die Regierungsgegner, die aus Syrien nach Aussen drangen.

Staatsfernsehen spricht von Terroristen

Zuvor hätten Sicherheitskräfte bereits fünf Demonstranten in der Stadt getötet, teilte die Gruppe Syrian Observatory for Human Rights mit. Das syrische Staatsfernsehen machte dagegen erneut regierungsfeindliche Gruppen für die Gewalt verantwortlich.

Rettungshelikopter seien von «bewaffneten Terroristengruppen» in Maarat al-Numaan beschossen und Besatzungsmitglieder dabei verletzt worden, hiess es dort. Von Kampfhelikoptern war in dem Bericht keine Rede. Die Angaben waren von unabhängiger Seite nicht zu überprüfen. Syrien unterbindet die Berichterstattung ausländischer Journalisten.

Truppen riegeln Stadt ab

Syrische Panzer haben zu die Zufahrten zur Stadt Dschisr al Schugur im Norden des Landes abgeriegelt. Aktivisten erwarteten einen massiven Angriff auf die Stadt an der türkischen Grenze, aus der die meisten Einwohner inzwischen geflohen sind.

In Dschisr al Schugur waren in der vergangenen Woche rund 120 Angehörige der Sicherheitskräfte getötet worden. Aktivisten zufolge war es zu einer Meuterei von Soldaten gekommen, die sich geweigert hätten, weiter gewaltsam gegen Demonstranten vorzugehen. Die Regierung macht jedoch «bewaffnete Gruppen» für den Tod der Sicherheitskräfte verantwortlich. Laut einem Bericht des Staatsfernsehens nahmen Soldaten mehrere Anführer dieser Gruppen in Dschisr al Schugur fest.

UNO verurteilt Gewalt

Das syrische Regime wird für sein brutales Vorgehen gegen Regimegegner immer schärfer verurteilt. Die UNO und die USA forderten Präsident Baschar al-Assad auf, die Gewalt gegen Demonstranten sofort zu beenden.

In einer Erklärung des Weissen Hauses hiess es, dass es diese Art von «entsetzlicher Gewalt» sei, die die USA zur Unterstützung einer Resolution gegen Assads Regime al-Assad im UNO-Sicherheitsrat führten.

Ban Ki Moon nannte die Gewalt syrischer Sicherheitskräfte gegen Zivilisten «inakzeptabel». Die syrischen Behörden hätten die Pflicht, ihr Volk zu schützen und seine Rechte zu respektieren. Nach Angaben eines Sprechers hatte Ban zuvor vergeblich versucht, mit Assad am Telefon über die Lage zu beraten. Es habe geheissen, der Präsident sei nicht zu erreichen.

Syrien warnt vor Einmischung

Syrien hat die Vereinten Nationen vor einer Einmischung in die inneren Angelegenheit des Landes gewarnt. Die Annahme einer kritischen Resolution durch den UNO-Sicherheitsrat würde die Situation im Land nur verschärfen.

Dadurch würden nur dann «Extremisten und Terroristen» ermuntert, Syrien weiter zu destabilisieren, schrieb der syrische Aussenminister Walid al-Mualam in einem Brief an UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon.

«Es ist wichtig, dass sich der Sicherheitsrat nicht in die inneren Angelegenheiten von Syrien einmischt, einem Gründungsmitglied der Vereinten Nationen.»

3000 Flüchtlinge

Nach Ministerpräsident Tayyip Erdogan warnte am Freitag auch der türkische Präsident Abdullah Gül das syrische Regime vor der weiteren Anwendung von Gewalt. Die Türkei betrachte die Syrer als Nachbarn und Brüder, mit denen es auch familiäre Verbindungen gebe, zitierte die türkische Nachrichtenagentur Anadolu Gül in Istanbul.

«Natürlich wollen wir nicht, dass diese schlimmsten Szenarien wahr werden. Aber die Dinge entwickeln sich nicht in die richtige Richtung», sagte er.

Aus Furcht vor der Militäroffensive im Grenzgebiet sind seit Anfang dieser Woche nach Angaben der türkischen Nachrichtenagentur Anadolu schon mehr als 3000 Menschen in die Türkei geflüchtet.

Augenzeugen berichteten auf den Internet-Seiten der Opposition auch am Freitag erneut von Schüssen sowie von Panzern, die in die Kleinstadt Dschisr al-Schogur eindrangen. Nach Berichten von arabischen Sendern kamen wieder mehrere Dutzend Menschen ums Leben.

SDA/kpn

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