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Wie sich in Hama ein blutiges Ereignis wiederholen könnte

Nach dem Aufmarsch rund um die syrische Stadt Daraa positionieren sich Assads Soldaten nun auch rund um Hama. Dort hatte 1982 schon Assads Vater eine Revolte blutig niedergeschlagen.

Gespaltene Bevölkerung: Regime-Anhänger protestieren gegen den US-Botschafter Robert Ford. Syrische Sicherheitskräfte sichern ab. (8. Juli 2011)
Gespaltene Bevölkerung: Regime-Anhänger protestieren gegen den US-Botschafter Robert Ford. Syrische Sicherheitskräfte sichern ab. (8. Juli 2011)
Reuters
Demonstration nach dem Freitagsgebet in Damaskus. (8. Juli 2009)
Demonstration nach dem Freitagsgebet in Damaskus. (8. Juli 2009)
Reuters
Ein Amateurvideo zeigt, wie Panzer der Regierung in die Stadt Daraa einfahren.(25. April 2011)
Ein Amateurvideo zeigt, wie Panzer der Regierung in die Stadt Daraa einfahren.(25. April 2011)
Reuters
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An immer mehr Orten geht die syrische Regierung nach Angaben von Menschenrechtsaktivisten mit Militärgewalt gegen ihre Gegner vor. Von Panzern unterstützt Soldaten seien rund um die zentralsyrische Stadt Hama aufmarschiert, berichtete der Aktivist Mustafa Osso. In Aleppo im Norden des Landes gingen Anhänger der Regierung Berichten zufolge auf dem Universitätsgelände mit Stöcken bewaffnet auf 2000 Demonstranten los.

Die Stadt Hama war bereits 1982 Schauplatz einer blutig niedergeschlagenen Revolte. Der Vater des heutigen Präsidenten Baschar Assad liess die Stadt damals in Schutt und Asche legen. Laut Amnesty International kamen dabei 10'000 bis 25'000 Menschen ums Leben. Bis heute existieren unterschiedliche Zahlenangaben, und auch die syrische Regierung veröffentlichte nie Opferzahlen.

Beschuss von Wohnvierteln

Wie ein Echo aus vergangenen Zeiten mutete darum auch der Beschuss von Wohnvierteln durch die syrischen Streitkräfte am Mittwoch an. Dabei kamen nach Angaben von Menschenrechtsorganisationen in Südsyrien 18 Menschen ums Leben. Auch gingen die Verhaftungen weiter, sagte Rami Abdul Rahman, Direktor der syrischen Menschenrechtsgruppe SOHR.

«Die Behörden nehmen jeden fest, der demonstrieren gehen könnte», sagte er. Viele Gefangene, die freigelassen worden seien, hätten eine Erklärung unterschreiben müssen, die besagt, dass sie nicht gefoltert worden seien und an keinen zukünftigen «Randalen» teilnehmen würden, berichtete Rahman.

Mit Stöcken gegen Demonstranten

Andere Aktivisten berichteten, am späten Mittwoch seien mit Stöcken bewaffnete Anhänger des Regimes auf rund 2000 Demonstranten losgegangen, die sich auf dem Gelände der Universität von Aleppo zu einer Kundgebung versammelt hatten.

Das härtere Vorgehen der Streitkräfte und die Verhaftungen sollen die Bevölkerung offenbar davon abhalten, an den für Freitag im ganzen Land erwarteten Demonstrationen teilzunehmen. Bei den bisherigen Auseinandersetzungen zwischen Regierungstruppen und Regimegegnern kamen über 750 Menschen ums Leben, Tausende wurden seit Mitte März festgenommen.

Seit dem Beginn der Proteste hat die Regierung wiederholt Reformen versprochen, um die explosive Stimmung im Land zu beruhigen. So auch diese Woche: Laut einer Meldung der amtlichen Nachrichtenagentur SANA hat Ministerpräsident Abdel Safar ein Programm vorgestellt, in dessen Verlauf jährlich 10'000 Hochschulabsolventen bei Regierungsbehörden angestellt werden sollen. Die Arbeitslosenquote in Syrien liegt bei 20 Prozent.

Hoffnung nur für «loyale Bürger»

Die private syrische Zeitung «Al-Watan» berichtete, Assad habe sich mit einer Delegation sunnitischer Geistlicher aus Hama getroffen. Die Geistlichen hätten den Präsidenten gebeten, sich der seit 1982 ungelösten Probleme anzunehmen - etwa der Menschen, die seit damals im Exil leben. «Präsident Assad sagte zu, die Fälle zu überprüfen, solange Menschen betroffen sind, die als loyale Bürger bekannt seien», hiess es in dem Bericht.

Die US-Regierung verurteilte die Gewalt in Syrien. «Die syrische Regierung folgt mit ihrem Rückgriff auf rohe Gewalt und Menschenrechtsverletzungen und der Unterdrückung friedlicher Demonstrationen dem Vorbild seines iranischen Alliierten», sagte der Pressesekretär des Weissen Hauses, Jay Carney. Mark Toner, Sprecher des US-Aussenministeriums, nannte die Angriffe Syriens barbarisch und fügte an, dass dieses Wort nicht oft verwendet werde.

dapd/kpn

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