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Zwei Ghadhafi-Söhne und der erbitterte Streit um eine Coca-Cola-Fabrik

Coca-Cola eröffnete 2005 eine Fabrik in Libyen. Das hätte der Konzern lieber bleiben lassen. Der Betrieb wurde zum Spielball abstruser und brutaler Eifersuchtsspiele zwischen zwei Söhnen von Ghadhafi.

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Stritten sich um eine Coca-Cola-Fabrik: Mohammed (l.) und Mutassim al-Ghadhafi.
Stritten sich um eine Coca-Cola-Fabrik: Mohammed (l.) und Mutassim al-Ghadhafi.
Reuters

Der Konzern Coca-Cola witterte 2003 eine Chance, auch direkt im Wüstenstaat Libyen Geschäfte zu machen. Damals gab Muammar al-Ghadhafi sein Nuklearprogramm offiziell auf. Die westlichen Mächte lockerten daraufhin die Sanktionen. Der Weg für ein Investment des amerikanischen Getränkeherstellers war somit frei. Coca-Cola eröffnete 2005 über den Franchisenehmer Global Beverage Company eine Fabrik in Tripolis.

Nur kurz später entbrannte ein absurder Streit zwischen den Ghadhafi-Söhnen Mutassim und Mohammed um die Kontrolle der Global Beverage Company. Aus der Eifersuchtsfehde wurde schnell ein bewaffneter Konflikt, in welchem eine loyale Miliz von Mutassim eine wichtige Rolle spielte. Dies berichtet heute die «New York Times» (NYT), welche sich auf Wikileaks-Depeschen beruft.

Die Episode zeigt anschaulich, wie die Ghadhafi-Familie das wirtschaftliche Klima in Libyen über Jahrzehnte vergiftete.

Cousin entführt und misshandelt

Bereits zwei Wochen nach der Eröffnung der Fabrik wurde sie Ende 2005 von Mutassim Ghadhafis Sicherheitskräften besetzt. Ein Coca-Cola-Mitarbeiter wurde bei der Aktion verletzt, die gesamte Einrichtung zerstört. Monatelang wurde keine einzige Flasche abgefüllt. Den ausländischen Angestellten wurde unter Androhung von «politischen Problemen» verboten, auf das Gelände zurückzukehren. Auch die Aktionäre wurden erpresst. «Es gab von den libyschen Behörden zu keiner Zeit eine Erklärung für die Schliessung der Fabrik», heisst es in der Wikileaks-Depesche gemäss NYT.

Der Konflikt erreichte im Februar 2006 seinen Höhepunkt, als Mutassims Schläger die Villa von Mohammed aufsuchten und seinen Berater – einen Cousin der Brüder – entführten und misshandelten. Er wurde kurzerhand in den Kofferraum eines Autos gesteckt.

Wie im Film «Der Pate»

Schlussendlich musste die Schwester Aisha Ghadhafi den Konflikt schlichten. Sie handelte einen Deal zwischen ihren Brüdern aus. Gemäss den Depeschen sah der Kompromiss vor, dass Mohammed seine Fabrik-Anteile verkaufen musste, im Gegenzug gaben Mutassims Leute die Fabrik wieder frei. Keiner der Brüder sollte also über die Fabrik herrschen.

Eine nicht näher benannte ausländische Person, die aus dem Umfeld der Coca-Cola-Fabrik stammt, habe einem Mitarbeiter der amerikanischen Botschaft in Tripolis erläutert: «Ich habe ja einiges über das Geschäftsklima in Libyen gehört. Allerdings hätte ich mir nicht im Traum vorgestellt, dass so etwas hier möglich ist.» Gemäss den Depeschen verglich er die Situation mit dem Mafiafilm «Der Pate».

Die Produktion in der Coca-Cola-Fabrik musste inzwischen wegen des aktuellen Aufstands in Libyen wieder eingestellt werden, wie die NYT berichtet.

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